Pflanze der Woche

21. Juni 2016 | Bild der Woche | 16 Kommentare

Zunächst zur Auflösung der letzten „Blume der Woche“: die meisten Leser hatten  eigentlich schnell erkannt: bei der gesuchten Pflanze handelte es sich um einen Kreuzblüter, einen gelb blühenden. Das ist vertrackt, das geben wir zu. Denn gelbe Kreuzblüter gibt es zu Hauf, als „Unkraut“, als „Nutzpflanze“ gleichermaßen. Zu letzteren gehören Raps, Rübsen, aber auch Senf und viele Sorten von Kohl (Brassica).

Isatis tinctoria war Blume der Woche 14-06-2016. Färberwaid. Einst begründete sie den Reichtum einer Region, heute führt sie ein MAuerblümchendasein. Schuld: natürlich die chemische Industrie. Wer sonst.

Isatis tinctoria war Blume der Woche 14-06-2016. Färberwaid. Einst begründete sie den Reichtum einer Region, heute führt sie ein Mauerblümchendasein. Schuld: natürlich die chemische Industrie. Wer sonst.

Schieres Durcheinander, und da half der redaktionelle Hinweis auch kaum, dass wir eine alte Kulturpflanze suchen. Das war schlichtweg gemein.  Denn irgendwie wollte so alles nicht im Detail passen: die glatten Blätter beipielsweise. Zumindest zwei unserer Leser kamen dann doch drauf. Des Rätsels Lösung: Isatis tinctoria, Färberwaid. Ursprünglich stammt die Pflanze wahrscheinlich aus Asien, wurde aber schon in der Antike im mediterranen Raum kultiviert, und in der Eisenzeit, ca. 600 v. Ch, läßt sie sich als Kulturpflanze auch schon diesseits der Alpen nachweisen: nicht nur im antiken Rom und in Griechenland, auch hierzulande pflegte man die Pflanze: die Blätter enthalten eine Vorstufe des Farbstoffs Indigo, und es bedurfte großer Mühe, diesen begehrten Farbstoff daraus zu gewinnen: man muß die zerstampften Blätter mit Urin zusammen vergären, es entsteht eine stinkende Brühe, in die man die zu färbenden Textilien tauchte. Man holte sie aus dem stinkenden, braunen Sud heraus, hängte sie an die Luft: der Sauerstoff erst sorgte dafür, dass der blaue Farbstof Indigo auf der Faser entstand. Um Erfurt herum wurde die Pflanze angebaut, aber auch in Halle. Erfurt schöpfte seinen Reichtum aus dem Handel mit Waid.

Natürliches Indigo, gewonnen aus der Indigopflanze. Importiert aus Java, Anfang 19. Jahrhundert. Exponat der Farbstoffsammlung der TU Dresden.

Natürliches Indigo, gewonnen aus der Indigopflanze. Importiert aus Java, Anfang 19. Jahrhundert. Exponat der Farbstoffsammlung der TU Dresden.

Aber schon im 17. Jahrhundert ging die Waidwirtschaft in Mitteldeutschland darnieder: Aus Indien imporitierten die Kolonialmächte den Indigo der farbstärkeren Pflanze Indigofera tinctoria, und Mitte des 19. Jahrhundert hatte es die chemische Industrie geschafft, den Farbstoff sogar billig aus Teerprodukten zu synthetisieren. Das bedeutete das Ende der mitteldeutschen Waidbauern, aber den Anfang der chemischen Industrie. Noch heute ist das das Blau der Jeansstoffe der „naturidentische“ Farbstoff Indigo. Unser Waid aber verwilderte, und manchmal finden wir ihn noch heute an Straßenrändern.

Blume-der-Woche-21.juni2016

So blüht sie, unsere Pflanze der Woche….

Nun aber zu unserem neuen Fall. Eine Leserin bemängelte, sie möchte doch gerne „deutsche“ Pflanzen sehen, und sie liebe „Unkräuter“. Über beide Begriffe kann man ja vortrefflich streiten, aber die Pflanze, die eine unserer Redakteurinnen am Saaleufer fand, ist nun  wirklich keine „Kulturpflanze“, aber sie ist hier heimisch. Die Pflanzenbücher verorten sie zwar eher in den Mittelgebirgen, aber die Saalefluten haben wohl ihre Samen an hallische Gestade verschleppt. Hübsche violette Blüten trägt sie, und sie stachelt ein wenig, wenngleich auch das kein deutsches Alleinstellungsmerkmal ist. Wenn nun die gesuchte Art erraten wird, gibt das einen Pluspunkt.  Aber wir wollen auch etwas wissen über die Gattung der hier gezeigten Pflanze, deren einzelne Vertreter eine medizinische Funktion haben, und sogar „Wappenblume“ einer europäischen Region sind…

 

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