Startseite Foren Halle (Saale) Kindergeburtstag oder Kerzendemo ?

  • Dieses Thema hat 32 Antworten und 8 Teilnehmer, und wurde zuletzt aktualisiert vor 4 Monaten von wolli.
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  • #400414

    Das neue Kunstwerk auf der Spitze von Christoph Reichenbach soll an die Demonstrationen 1989 mit Kerzen erinnern, deshalb trägt es den Namen „!989“. Mich hat jemand auf dieses Kunstwerk mit den Worten „Kindergeburtstag“ auf dieses Kunstwerk aufmmerksam gemacht:
    https://www.hallanzeiger.de/aktuelle_lokale_nachrichten/04-06-2021-kunst-an-der-spitze-kleine-aussengalerie-erhaelt-neue-skulptur

    Da hat doch das Plakat des Zeitgeschichtenvereins von Steffi Kaiser mit der im Wind flackernden Kerze in der Faust eine Aussage, die der damaligen revolutionären Situation viel besswer entspricht:
    https://hallespektrum.de/wp-content/uploads/2019/09/keine-Gewalt-Foto-Verein-Zeitgeschichten.jpg

    #400415

    Stimmt, die roten Fahnen fehlen!

    #400416

    Die Brücke mit den beidseitig brennenden Kerzen kommt mir wie eine Geschichtsklitterung vor. Im Westen gab es keine großen Kerzendemos.

    #400418

    Was sich manch Zeit“genosse“ unter Revolution alles vorstellt.

    #400429

    Hätte Deiner Meinung nach Blut fließen müssen, damit das für Dich als Revolution durchgehen kann?

    #400433

    Du provozierst wieder, Du weißt ganz genau, dass der Zusammenbruch der DDR eine friedliche Revolution war, keine Wende wie Egon Krenz sie gern gehabt hätte. Für Peter Sodann war es ein Gefängnisaufstand, er sammelt ja auch die Bücher der Gefängnisbibliothek. Es war allerdings historisch außergewöhnlichz, dass kein Blut geflossen ist.
    Mit vergoldeten Kerzen hat jedenfalls niemand demonstriert.
    Fakt ist, dass wir in Halle kein vorzeigbares Kunstwerk haben, dass an die friedliche Revolution 1989 erinnert. Die in dem sandigen Fußweg am Hansering verlegten Eisenplatten sind durch den Sand unsichtbar. Das hätte der Künstler wissen müssen. Wir Laien im Stadtrat, die diesem Kunstwerk zugestimmt haben, wussten es nicht.

    #400443

    Anonym

    Hätte Deiner Meinung nach Blut fließen müssen, damit das für Dich als Revolution durchgehen kann?

    Revolutionen schaffen gemeinhin etwas Neues und stellen nicht nur die alten Verhältnisse wieder her. Insofern ist die Feststellung

    Was sich manch Zeit”genosse” unter Revolution alles vorstellt.

    durchaus berechtigt. Auch wenn mancher Zeit“genosse“ sein rückwärtsgewandtes Leben gerne um eine angebliche Innovativität aufhübschen würde.

    #400449

    Revolutionen schaffen gemeinhin etwas neues

    Leider sagt Wikipedia da etwas anderes.

    #400455

    Anonym

    Leider sagt Wikipedia da etwas anderes.

    Wikipedia, ernsthaft? Mit dieser albernen Definition ist selbst der Einmarsch der USA in den Irak eine Revolution gewesen.

    Wenn der Begriff „Revolution“ mehr sein soll als ein Spruch einer Zahnpasta-Werbung, dann sollte er von solchen Begriffen wie Revolte oder Rebellion inhaltlich unterscheidbar sein.

    #400453

    Hätte Deiner Meinung nach Blut fließen müssen, damit das für Dich als Revolution durchgehen kann?

    Revolutionen schaffen gemeinhin etwas Neues und stellen nicht nur die alten Verhältnisse wieder her. Insofern ist die Feststellung

    Was sich manch Zeit”genosse” unter Revolution alles vorstellt.

    durchaus berechtigt.

    Klar, eine rückwärtsorientierte Losung wie die Rosa Luxemburgs, „Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden“, die im Januar 1988 von Oppositionellen in eine parteiinszenierte Demonstration eingeschleust wurde, schließt revolutionäres Handeln schon von vorneherein aus.

    #400461

    Revolutionen schaffen gemeinhin etwas Neues und stellen nicht nur die alten Verhältnisse wieder her.

    Dann hat es nach 89 keine gesellschaftliche Veränderung gegeben, es ist also so schön geblieben, wie es war.

    Es gibt allerdings Menschen, die behaupten was anderes, einige beklagen sich sogar darüber.

    #400462

    Dann hat es nach 89 keine gesellschaftliche Veränderung gegeben

    Hat es, Veränderung vorwärts und rückwärts.

    #400463

    Anonym

    @heiwu, hat jemand so etwas behauptet? die DDR (wie auch der Sozialismus insgesamt) sind mit dem Anspruch angetreten, die Fehler des Kapitalismus (wie Krieg und Ausbeutung) zu überwinden, dabei eine neue und menschlichere Gesellschaft zu schaffen. Dieser Anspruch ist im sowjetischen Einflussbereich bekanntermaßen gescheitert.

    Was kam dann? Die alten kapitalistischen Verhältnisse, in Form des Grundgesetzes mit deutschen Bomben und der mit deutscher Unterstützung geführten Kriege in Jugoslawien….
    Die Rebellion für das goldene Kalb des reicheren Westens hatte gesiegt. Von einstmals 2,9 Mill. Einwohnern Sachsen Anhalts, sind dennoch nur ganze 1,9 Mill. geblieben. Trotz Zuzug zahlreicher westlicher Herrschaftseliten.

    #400465

    Von einstmals 2,9 Mill. Einwohnern Sachsen Anhalts, sind dennoch nur ganze 1,9 Mill. geblieben. Trotz Zuzug zahlreicher westlicher Herrschaftseliten.

    Dass sich die Leute die Freiheit herausnehmen können, dahin zu gehen, wo sie leben wollen, ohne oben nachfragen zu müssen, ob sie damit nach vorn oder zurück gehen, das war sicher für viele 1989 ein Grund, mitzumachen.

    • Diese Antwort wurde geändert vor 4 Monaten, 1 Woche von Clemens.
    #400467

    Von einstmals 2,9 Mill. Einwohnern Sachsen Anhalts, sind dennoch nur ganze 1,9 Mill. geblieben.

    Sie sind nicht verschleppt oder ermordet worden, sondern weggezogen.

    #400469

    weggezogen.

    Was die Tagebaue nicht geschafft haben:
    Aus Not abgehauen, ihre alten Eltern allein gelassen, ihre Heimat verloren. *Tränendrüsen quetsch*
    Das wird doch auf dem politischen Schlachtfeld so gern instrumentalisiert.

    #400504

    Oder gestorben und nicht geboren.

    #400505

    Anonym

    Wie heiß doch der „Wende“-Spruch ab Januar:
    „Kommt die DM nicht hierher, gehen wir zu ihr.“

    Wie man sich so irren kann. Das können die Wessis hier im Forum natürlich nicht wissen.

    #400511

    Doch, das wissen Wessis auch. Der Spruch schallte ja unüberhörbar über die Mauer.

    #400516

    Anonym

    Es war vor allem interessant, welche albernen Assoziationen hier im Forum auf den Hinweis des Ausblutens Sachsen-Anhalts ab 1990 kamen.

    Aus meinem Studienjahr sind 2/3 bis 3/4 aller Kommilitonen im Westen gelandet. Praktisch keiner von ihnen ist dort freiwillig hingegangen. Auf Studienjahrestreffen ist das Gejammer immer wieder groß über das erzwungene Leben in der Fremde.

    Soviel zum Thema Zwang und dessen selbstgerechter, ideologisch gefilterter Wahrnehmung heute.

    #400535

    Wie jetzt? Zwang? Kann nicht sein! Gibts nur bei den anderen. In der Wertegemeinschsft heist das „nach vorn Orientierung“ oder so.

    #400536

    . Auf Studienjahrestreffen ist das Gejammer immer wieder groß über das erzwungene Leben in der Fremde.

    Noch größer ist nur noch das Gejammer der Zurückgebliebenen über Menschen aus der Fremde, die hereinkommen.
    Aber Freunde, da gibt es einen Plan:

    #400552

    Sollche fezzchen Gerzen jabs vor dr Wende nur im Westen, logo, dass mit solchen Gerzn in dr DDR nich brodesdiert wern gonnte.
    Die eenzelne Gerze offen Blagaht am Roden Durm, die isses, das is de echte.

    #400573

    Die Kerze auf dem Plakat ist ein Originalfoto von einer Demo 1989.

    #400572

    Das neue Kunstwerk auf der Spitze von Christoph Reichenbach soll an die Demonstrationen 1989 mit Kerzen erinnern, deshalb trägt es den Namen “!989”. Mich hat jemand auf dieses Kunstwerk mit den Worten “Kindergeburtstag” auf dieses Kunstwerk aufmmerksam gemacht:

    https://www.hallanzeiger.de/aktuelle_lokale_nachrichten/04-06-2021-kunst-an-der-spitze-kleine-aussengalerie-erhaelt-neue-skulptur

    Da hat doch das Plakat des Zeitgeschichtenvereins von Steffi Kaiser mit der im Wind flackernden Kerze in der Faust eine Aussage, die der damaligen revolutionären Situation viel besswer entspricht:

    https://hallespektrum.de/wp-content/uploads/2019/09/keine-Gewalt-Foto-Verein-Zeitgeschichten.jpg

    Das Plakat ist schon beeindruckend, aber für ein Objekt, an dem auf Dauer alle möglichen Leute täglich vorbeizugehen haben, wäre es mir ein bisschen zu pathetisch. Am Denkmal 1989 gefällt mir das Kostbar-Phantastische der vergoldeten Kerzen ganz gut.

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