Handwerkskammern schlagen Alarm: Restaurants müssen schließen, weil niemand mehr Koch werden will

13. Juli 2018 | Wirtschaft | 33 Kommentare

Großes Kammerkonzert mit Sperrfrist

„Kein Personal – der Arbeits- und Fachkräftemangel im Land wird immer deutlicher spürbar“, verbreiten heute die Handelskammern sowie die Handwerks- und Industrie- Kammern  aus Halle und Dessau. Die als „Alarmruf“ bezeichnete Erklärung ist mit einer „Sperrfrist“ bis 13.00 Uhr versehen, und das an einem Freitag, dem 13. noch. Nimmt man das Schreiben ernsgt, so scheinen dunkle Wolken über dem Land aufzuziehen:

„.. so schränken etwa Gaststätten in Sachsen-Anhalt ihre Öffnungszeiten ein oder schließen sogar. Denn die Zahl der künftigen Köche ging von über 1.000 im Jahr 2008 auf gut ein Fünftel zurück, die der Restaurantfachleute in Ausbildung sank um mehr als 80 Prozent auf 66. Auch Dachdecker sind Mangelware – verglichen mit 2017 ergriffen vor zehn Jahren noch 55 Prozent mehr Azubis diesen Beruf. Der Engpass wurde vielen Hausbesitzern zuletzt nach den Zerstörungen durch das Orkantief „Friederike“ schmerzlich bewusst“, heißt es in der Erklärung.

„Zehn-Punkte-Katalog“

Die Handwerkskammer Halle (Saale) und die Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau (IHK) schlagen Alarm: Die gewerblichen Kammern könnten ihrer Verantwortung, für gut ausgebildeten Fachkräftenachwuchs in der Wirtschaft
zu sorgen, nicht mehr voll gerecht werden. Der weiterhin kraftvolle Einsat der Unternehmen werde durch das gegenwärtige politische und gesellschaftliche Umfeld mehr als gehemmt, erklärten IHK-Präsidentin Carola Schaar und  Handwerkskammerpräsident Thomas Keindorf bei der Vorstellung eines Zehn-Punkte-Katalogs mit Handlungsempfehlungen gegen die Ausbildungskrise.

Hunger und Dachschäden befürchtet

Die beiden Präsidenten beklagen übereinstimmend, dass bürokratischer Aufwand und Zusatzkosten die Wirtschaft zunehmend und über Gebühr belaste, die Schmerzgrenze sei erreicht. „Zudem werden sich falsche Anreize und verschlechterte Bedingungen im Bildungssystem bitter rächen, wenn wir nichts unternehmen“, prognostiziert IHK-Präsidentin Schaar. „Es dürfte dann nicht bei Magenknurren vor geschlossenen Restauranttüren oder länger
anhaltenden Dachschäden nach einem Sturm bleiben.“

Ruf nach dem Staat

 „Wir brauchen den Staat, um Strukturen zu schaffen, zu erhalten und – wo nötig – zu verbessern“, fordert Keindorf. Und Schaar ergänzt, auch die Unternehmen würden ihre Anstrengungen im Rahmen der Berufsorientierung erhöhen, um ihre Ausbildungsplätze besetzen zu können. „

Die Handlungsempfehlungen der gewerblichen Kammern reichen von Forderungen, wie die Allgemeinbildung der Jugendlichen im Land zu heben ist, über Vorschläge für eine zielgerichtete Berufsorientierung bis hin zu konkreten
Maßnahmen, wie sich der Berufsschulunterricht besser organisieren lässt.

Immerhin ein Förderpreis: 4.000 Euro für kreative Berufsorientierung an Schulen

Um einen Anreiz für mehr und intensivere duale Berufsorientierung an den regionalen Schulen zu setzen, loben die beiden Kammern im Süden Sachsen-Anhalts einen Förderpreis in Höhe von 4.000 Euro aus: Innovative und jugendgerechte Ideen von Lehrern und Schülern sollen unterstützt werden. Der Wettbewerb startet mit Beginn des kommenden Schuljahres. Eine
gemeinsame Jury aus den Kammern, Vertretern des Landes und des Netzwerks „Berufswahl-SIEGEL“ wird die besten Projekte dann im Spätherbst prämieren. „Wir wissen aus unseren Kontakten zu vielen bereits engagierten Schulen:
Oft mangelt es nicht an Ideen, sondern an den Umsetzungsmöglichkeiten“, erklärt Schaar. „Da helfen wir gerne – nicht nur mit Geld, sondern auch mit Kontakten zu Unternehmen!“

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Dieses Thema enthält 33 Antworten und 14 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Osmo vor 2 Monate, 1 Woche.

Ansicht von 25 Beiträgen - 1 bis 25 (von insgesamt 34)
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  • #319501

    Großes Kammerkonzert mit Sperrfrist „Kein Personal – der Arbeits- und Fachkräftemangel im Land wird immer deutlicher spürbar“, verbreiten heute die Ha
    [Der komplette Artikel: Handwerkskammern schlagen Alarm: Restaurants müssen schließen, weil niemand mehr Koch werden will]

    #319502

    Hätte da einen ganz heißen Tip, auch ohne 4000€ Preisgeld, wie man die Lehrberufe in der Gastronomie attraktiver machen kann. Könnte man da auch nur ganz vielleicht ein bißchen an der Bezahlung machen ?

    #319503

    Kann man. Die Frage ist, ob die Kunden dann auch bereit sind, erhöhte Preise zu zahlen. Wenn hierzu nur wenige Kunden bereit sind, passiert was?

    #319504

    Dann taugt der Laden wahrscheinlich ohnehin nichts.

    Es ist ja ohnehin fraglich, ob man jungen Leuten raten soll, ausgerechnet in Sachsen-Anhalt das Kochen zu lernen.

    #319505

    Ist das so? Arroganter kann man nicht reagieren!

    ´Deiner zweiten Antwort kann ich zumindest teilweise zustimmen. Wer Koch in sehr anpruchsvoller Gastronomie erlernen will, sollte tatsächlich dort seine Chance suchen, wo sich mehrere/ viele geeignete Ausbildungsbetriebe etwas konzentrierter befinden.

    #319506

    Du stimmst mir doch zu. Bist Du etwa auch arrogant?

    Arrogant ist dieses immergleiche, wichtigtuerische Gejammere der Funktionäre dieser Zwangsmitgliedschaftskammern. Mit den Beiträgen, die die von ihren Mitgliedern abkassieren, könnte man wunderbare Programme finanzieren.

    #319507

    Es gibt Restaurants, die sind voll, haben gehobene Preise und es schmeckt. Warum laufen die?

    #319514

    Das von Dir beschriebene Phänomen ist im Konzept der Kammern nicht vorgesehen und wird wegen eines ungültigen Vorgangs geschlossen.

    #319522

    Dann taugt der Laden wahrscheinlich ohnehin nichts.

    Es ist ja ohnehin fraglich, ob man jungen Leuten raten soll, ausgerechnet in Sachsen-Anhalt das Kochen zu lernen.

    Nur weil wir mal früher das Endlager für semi fähige Wessis waren? Die Zeiten sind zum Glück vorbei. Der Mindestlohn ist gleich, dafür kannst du in Sachsen-Anhalt günstiger Leben. Spricht doch eher für eine Ausbildung.

    #319531

    Ich provoziere mal: Bäcker, Maurer, Schlosser, Koch usf. alles Berufe wo geschwitzt wird und die man schlecht digitalisieren kann.(Lassen wir mal die Bezahlung außen vor, die sicherlich auch wichtig ist.) Das wollen doch viele junge Leute nicht. Studieren ist angesagt ob man es kann oder nicht, jahrelang, wenn es sein muss und im Ausland, natürlich, wo kämen wir sonst hin. Das rächt sich nun und wird schlimmer werden. Abhilfe schaffen da mittelfristig nur Menschen die das wollen und die noch nicht verwöhnt sind. Das ist übrigens ein Teil der Arbeiterklasse, die für manche Wichtigtuer ja schon verschwunden sei.

    #319533

    Abhilfe schaffen da mittelfristig nur Menschen die das wollen

    Aber sie wollen nun mal nicht. Da hilft das regelmäßige Geplärr der Kammerfunktionäre nicht weiter.

    #319552

    Ein bisschen Mehlschwitze, Knorr- Rahmsoße dazu, das ist doch nicht so schwer zu lernen. Aber wieviele findet man, die sowas abschmecken können, ohne sich die Sinne für immer zu vers..en?

    #319553

    Die Landesregierung anzurufen, ist sinnlos, da kann man nur lernen, wie viele Köche den Brei verderben, müsste Keindorf eigentlich wissen!

    #319555

    Wieso können notwendige Arbeitsplätze nicht besetzt werden?
    https://de.statista.com/statistik/daten/studie/37293/umfrage/entwicklung-der-zahl-zugelassener-rechtsanwaelte/
    Wie sagte doch der Präsident … : Die DSGVO ist eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Rechtsanwälte.

    #319559

    Ich provoziere mal: Bäcker, Maurer, Schlosser, Koch usf. alles Berufe wo geschwitzt wird und die man schlecht digitalisieren kann.(Lassen wir mal die Bezahlung außen vor, die sicherlich auch wichtig ist.)

    Dann provoziere ich auch mal:

    1.
    Was glaubst Du, woher das Brot kommt, das in Deutschland gegessen wird? Nicht vom schwitzenden Bäckerlehrling, sondern aus hochgradig automatisierten Fabriken.
    2. Die Bezahlung lassen wir mal nicht eben außen vor. Sie ist der wesentliche Schlüssel zur Lösung des Problems.

    3. Um die preisgünstige Versorgung der Durchschnittsbevölkerung mit „Weltmeisterbrot“, Fertigpizzen und Fließbandburgern für die Systemgastronomie zu sichern, braucht die Industrie´nicht Bäckerlehrlinge, sondern Lebensmittelchemiker (Uni-Abschluss), Lebensmitteltechnologen (FH), Ingenieure (FH). Für die Abwicklung des Geschäftes braucht es dann noch ein paar Ditributoren (BWL Bachelor reicht da), usw.
    (Vielleicht braucht man im Nachgang auch Ärzte, das sei dahin gestellt)

    Für romantische Handwerkskammerträume ist da kaum Platz.

    #319561

    Man versuche mal einen Handwerker zu bekommen. Wenn man am Abend über den Marktpaltz geht, hat man nicht den Eindruck, dass es keine Ausbildungsreserven gibt. Dazu muss man natürlich die deutsche Sprache gut beherrschen und auch beherrschen wollen. Bei denen, die aus arabischen Regionen kommen, scheint es vor allem am Wollen zu liegen. Beim deutschen Nachwuchs scheint mir Abbhängen und Selbstverwirklichung auch immer angesagter zu werden. Die Hasi ist da für mich ein Vorzeigeprojekt. Hätten sie statt „Diskutieren bis der Arzt kommt“ lieber mal Heimwerkerkurse angeboten, um aus der Bruchbude etwas zu machen.

    #319565

    Klar doch hei-wu, deine Welt schein auch mehr aus Digitalisierung denn aus solieder Handwerksarbeit zu bestehen. Mein Brot kommt in der Regel vom Bäcker um die Ecke. Wenn die Industrie nicht alles zertrammpeln tät, dann gäbe es auch noch das Handwerk. Hat natürlich alles seine Ursachen und Gründe. Übrigens, auch der Bauer kann studiert haben, wie eben der Förster auch.

    #319566

    Mal so nebenbei, wann schläfst du eigentlich, hei-wu?

    #319567

    teu

    Mal so nebenbei, wann schläfst du eigentlich, hei-wu?

    Daran war sicher Billy Idol schuld.

    #319568

    Das Problem ist doch ein hausgemachtes: erstmal, wer bildet doch überhaupt noch aus? Zum zweiten: welche Ausbildungsvergütung wird den Azubis gezahlt, die ja davon auch noch die Wohnung am Ort der Theorie bzw. die Anfahrt dorthin bezahlen müssen? Welche Anreize gibt es für die Azubis: „Warum sollte ich mich gerade für Ihre Firma entscheiden?“

    Weiche Faktoren, neben den harten der lebensnahen Bezahlung, dazu ein gutes Arbeitslima, anständige Work-Life-Ballance.

    Wer nach einer erfolgreichen Ausbildung, zB als Koch noch 2 Jahre als Jungkoch einkommensmäßig gedrückt wird, hat wohl jede Einstellung verloren.
    Die allgemeine Lebenseinstellung hat sich halt gewandet: Früher leben um zu arbeiten, ist heute dem arbeiten um zu leben gewichen.

    Da muß man halt ansetzen. Aber das ist schwer, genauso, wie von einem Personaler Einsicht auf eine Teilzeitbeschäftigung im höheren Lebensalter zu bekommen…

    #319611

    @heiwu, schläfst du auch nicht, weil die Burg am Samstag die ganze Stadt bis Sonntag 04.00 Uhr beschallen durfte?

    #319612

    Zum Thema: Die genannten Berufe haben unattraktive Arbeitszeiten. Um hier zu motivieren, muss der Lohn stimmen.

    #319615

    Die Handwerkskammer hat ein sehr schöne Ausbildungzentrum in Ammendorf.
    Daran liegt es nicht!

    #319618

    Ich glaube nicht, dass die Schönheit des Ausbildungszentrums schlechte Bezahlung im späteren Beruf wett macht (Wenn man davon absieht, dass eine Kochlehre in Sachsen-Anhalt etwa so sinnvoll ist wie Forstwesen in der Sahara)

    #319619

    Der Schrei nach dem Staat ist wieder typisch. Sie sollen sich mal damit befassen, WARUM keiner mehr Koch werden will. Es wird keine „Kochquote“ bei den Schulabgängern geben.

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