Auf dem Weg vor die Nase gekommen

20. August 2018 | Bild der Woche | 1 Kommentar

Auf dem Weg vor die Nase gekommen

Mein Kleiner hat heute Nacht geträumt, er sei Yakari. Galoppierend auf seinem gefleckten Pony hat er Abenteuer erlebt und dabei mit magischen Tieren gesprochen. Er hat sich aber auch auf dem Boden in wichtigen Indianerfertigkeiten geübt, am Ende Friedenspfeife geraucht. Wie mag er nur auf diesen Traum gekommen sein? Muss ich mir Sorgen machen?

Welche Pflanze verbirgt sich hinter diesem japanischen Tapetenmotiv?

Ich mache mich kurz über das Traumsymbol „Abenteuer“ schlau. Sehr aufschlussreich ist das nicht – entweder erlebt er zu wenig, oder aber einen Kick zu viel, vielleicht überschreitet er seine Grenzen, oder aber er ist ein Freigeist – nein, diese Traumdeutung ist mir zu widersprüchlich. Und die Theorien Freuds und C.G. Jungs sind mir zu anspruchsvoll. Nein, ich nehme es pragmatisch: Sein Traum hatte vermutlich einfach nur etwas mit den realen Erlebnissen am Vortag zu tun. Mein Sohn hat wohl unseren gestrigen Ausflug verarbeitet (- auch hier ist Freud heranzuziehen, er sprach von „rezentem Material“).

Wir waren im botanischen Garten, was für uns Erwachsene (besonders die Frauen) meist mehr Freude und Erleuchtung bringt, als für unsere männlichen und kindlichen Begleiter. Nichtsdestotrotz, wenn man spannende Geschichten zu den Bäumen, Sträuchern und Blümelein zu erzählen vermag, lauscht selbst jemand, der grüne Daumen nicht einmal sprichwörtlich kennt. Ich überlege, in welchem Zusammenhang wir gestern auf Indianer gekommen sind. Ja, genau, diese imposante und im botanischen Garten eher seltene Pflanze mit den runden Laubblättern gefiel meinem Sohn, vor allem, als ich auf das berühmte Indianerkind verweisen konnte. Wir kamen in der Erlebniswelt meines Sohnes aber auch auf die „Schokohexe“ und landeten sogar in einer Märchenwelt voller schöner Kleider (eigentlich nur drei in der Anzahl). Mein Mann rümpfte dagegen die Nase, denn die Pflanze erinnerte ihn an eine beanspruchende Zeit im Jahr.

Namentlich erwähnenswert ist der Anbau unserer gesuchten Pflanze nahe des Vesuvs. Sie ist ein wichtiger Frühblüher, später im Jahr noch wichtiger als Nahrungsquelle. Allein beim Gedanken an Letzteres beginnt bei mir der Rachen zu kribbeln … Reiches Brauchtum rankt sich um die gesuchte Pflanze. Sie wird auch heute noch wertgeschätzt, ihre hohe Nutzbarkeit spiegelt sich in einer Reihe von Trivialnamen wider. Man nutzt sie als Liebesorakel, für Wünsche, Salben, Öl, Mehl und sogar als Werkstoff. Die Wiedergabe einer berühmten Hexensage gleich im botanischen Garten war mir aufgrund der Tantanussqualen (- so hieß er doch, der alte Grieche?), denen jedoch nicht das unschuldige Opfer ausgesetzt war, doch zu morbid. Ich habe sie abends meinem Mann „serviert“. Ob er danach gut schlafen konnte? Die sägenden Geräusche klangen recht ungehalten, er war wohl intensiv in seiner Traumwelt gefangen – und mich plagte das schlechte Gewissen. Ein klein wenig zumindest. Träumen ist doch eigentlich nichts Schlechtes? Letztendlich träumen wir auch, um unseren Geist zu regenerieren. Was nochmal ist eigentlich der „Geist“?…

Namentlich erwähnenswert ist der Anbau unserer gesuchten Pflanze (hier nicht im Bild) nahe des Vesuvs.

Unsere Fragen zur Pflanze der Woche:

Wie heißt sie?

Welche Bestandteile der Pflanze spielen in der kindlichen Erlebniswelt eine Rolle?

Von welchen quälenden Erinnerungen werden die beiden Erwachsenen beim Gedanken an Teile dieser Pflanze verfolgt?

Von welchem Märchen sprechen wir (- und wer kennt es nicht?)?

(A.S.)

Auflösung der letzten Wochenpflanze („Die hässlichste Ackerpflanze der Welt“): Lens culinaria, Speiselinse.

Die schwarzen Beluga-Linsen sind eine der kleinsten Sorten ihrer Art.Allen Linsensorten ist gemeinsam, dass nur 1-2 Samen in der Hülse vorhanden sind, und in der Regel auch nicht übermäßig viele Schoten an der Pflanze hängen. zudem werden nicht alle Hülsen gleichzeitig reif – das macht die Ernte mühsam und verlustrreich .

Rellah hatte es herausgefunden, und dazu auch noch alle gestellten Fragen beantwortet. Nach Linsen hatten wir gesucht, Lens culinaria, der Speiselinse.  Der Hülsenfrüchtler gehört zu den ältesten Nutzpflanzen der Menschheitsgeschichte. Man kann es sich kaum vorstellen: auch in Mitteldeutschland wurden seit der Jungtsteinzeit Linsen angebaut. Dass man heute den Anbau von Linsen eher südlichen Ländern verortet, liegt lediglich dearan, dass es für unsere breiten gewinnbringendere Feldfrüchte gibt als ausgerechnet Linsen, denen mittlerweile auch noch der etwas zweifelhaften Ruf des „Arme-Leute-Essens“ anhaftet (vollkommen zu Unrecht). So, wie viele Hülsenfrüchte auch, liefern sie eine große Menge Eiweiß dür die menschliche Ernährung. Sie sind sehr genügsam, und versorgen den Ackerboden noch mit zusätzlichem Stickstoff, den sie- auch das haben sie mit den meisten Leguminosen gemeinsam – „aus der Luft greifen“ und mittels Knöllchenbakterien zu  pflanzenverwertbarem Ammonium reduzieren.

Zu Zeiten, wo es noch keinen Kunstdünger gab, ein unschätzbarer Vorteil. Linsen wachsen zudem gut auf trockenen, nährstoffarmen und steinigen Böden. In manchen Gegenden, wie beispielsweise der schwäbischen Alb oder im Schwarzwald, bildeten sie eine der wichtigsten Ernährungsgrundlagen der Bevölkerung (neben Kucksuhren). „Spätzle mit Linsen“ gehören dort immer noch zu dem „Nationalspeisen“.  Ursprünglich stammt die Linse, bzw. ihre Urform Lens Orientalis, aus Kleinasien, wo sie bereits vor 9000 Jahren „domestiziert“wurde, und dann vor 7500 Jahren bei uns Einzug hielt. In der langen Zeit hat der mensch vielfältige Sorten mit den unterschiedlichsten Eigenschaften herausgezüchtet. Große, kleine, festkochende, zu Brei kochende, grüne, schwarze, rote gelbe….

Hauptanbaugebiet ist heute der Orient, insbesondere Indien, wo sie ein besonders wichtiger Nahrungsbestandteil sind (nicht nur für Veganer), und nicht nur in Suppen (Dhal) und Curries landen, sondern auch zu Fladenbroten (Papadam) verarbeitet.

Lens culinaria, Linse, reife Pflanze. Die braunen Flecken sind die Linsenhülsen.

Ist die Linse an sich genügsam, so ist ihr Anbau und Ernte durchaus mühevoll  und kompliziert. Ohne ein Stützgerüst fallen die struppigen Pfanzen um, und kriechen mehr auf dem Boden, als sie stehen, ihre Schoten drohend dann, auf der feuchten Erde zu schimmeln. Deshalb baut man sie gemeinsam mit Getreide (beispielsweise Hafer) an. Die Linmse erfährt duirch die Getreidehalme dann eine gewisse Stütze, und das Getreide profiotiert etwas durch die Stickstofflieferung der linse. Geerntet wird dann beides mit einem Male; das gemeinsame Dreschgut muß anschließend ausgelesen werden, wobe es hilfreich ist, dass Linsen und getreide unterschiedliche Korngrößen haben, so dass man sieben kann. Denn sonst muss eben Aschenputtel ran.

 

 

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