Extreme Trockenheit – was können wir besser machen?

4. August 2018 | Nachrichten, Natur & Gesundheit | 38 Kommentare

Holger Tuch bewirtschaftet einen Biohof bei Ziegelroda

Vor etwa 2 Jahren besuchte Hallespektrum den Ökohof Tuch in Ziegelroda an der südlichen

Grenze Sachsen-Anhalts und stellte neue Methoden des Biolandbaus vor (zum Nachlesen hier). Im Zusammenhang mit der derzeit herrschenden extremen Trockenheit und Dürre wollten wir nun wissen, wie die aktuelle Situation auf dem Biohof von Holger Tuch aussieht und welche Schlussfolgerungen und Perspektiven er sieht.
Wir trafen Holger Tuch auf dem Bio-Abendmarkt und stellten ihm unsere Fragen: Wie sieht es angesichts der Wetterlage auf dem Biohof aus? Genauso katastrophal wie im ganzen Sachsen-Anhalt?
„ Dies Jahr ist wirklich extrem. Da sieht es bei uns nicht besser aus als überall. Am schlimmsten war, dass wir ja nicht wussten, was kommt. Wie alle anderen Landwirte dachte ich, es wird schon irgendwann regnen. Spätestens in ein paar Wochen gibt es Regen. Gab es aber nicht. So einen Wassermangel hatten wir noch nie. Deshalb kann ich jetzt auch keine Zwischenfrucht ausbringen, ohne Wasser wächst nichts. Die Felder liegen also brach, und das ist für den Boden das Schlechteste, was passieren kann.“
Gibt es trotzdem Unterschiede, die nach der Umstellung auf eine nachhaltige Bodenbewirtschaftung bei einer solchen Extremwetterlage sichtbar werden?
„Ich betreibe die komplette EcoDyn-Methode (pfluglos, herbizidfrei, Gründüngung als Mulchschicht) jetzt seit 2 Jahren. Das ist sehr kurz, eine Ertragssteigerung ist frühestens in 4-5 Jahren zu erwarten. Aber die Bodenstruktur hat sich deutlich verbessert. Der Boden ist krümeliger und besser zu bearbeiten, auch zur Ernte hin. Das Wasserhaltevermögen ist deutlich besser, was sich bei Starkregen bemerkbar macht. Trotz Hanglage findet bei mir so gut wie keine Bodenerosion statt, während in der unmittelbaren Umgebung meines Hofes ganze Dörfer unter Schlamm begraben wurden. Die Böden brechen förmlich zusammen, wertvolle Ackerfläcken werden vernichtet.“
Wie ist das zu erklären?
„Die von mir angewendete Methode ist darauf ausgerichtet, den Humusgehalt des Bodens zu verbessern. Möglich sind bis zu 0,4% Steigerung pro Jahr, das sind 2% in 5 Jahren. Bei einem Humusgehalt von 5% sollten tolle Dinge passieren.
Der Humusaufbau ist nicht nur nützlich für die bessere Wasserhaltequalität und Ertragssteigerung meiner Böden, sondern auch ein wichtiger Beitrag zur Klimaverbesserung. Wenn es gelänge, weltweit auf allen Ackerflächen den Humusgehalt um 2% zu erhöhen, könnten wir den CO2-Gehalt der Atmosphäre auf das vor-industrielle Niveau senken. Dieses Ziel wurde auf der Weltklimakonferenz von Paris 2015 formuliert. Bisher nahm man an, dass ein Humusaufbau von 1% in einer Generation möglich ist. Mit der von mir angewendeten Methode kann das 2%-Ziel in 5 Jahren erreichbar sein. Wir sollten landes- und weltweit möglichst bald mit dem Humusaufbau anfangen. In einigen Ländern wie Australien erhalten die Bauern bereits eine Förderung für humusbildende Maßnahmen. Ein so trockenes Jahr wie dieses wirft uns allerdings zurück, es ist es ein Null-Jahr.“
Welche Maßnahmen verbessern nun den Humusgehalt des Bodens?
„Neben der Optimierung des Mineralstoffhaushaltes und der pH-Regulation ist die wichtigste Maßnahme, den Boden dauerhaft bewachsen zu lassen. Durch Gründüngung und Untersaaten, die gemäht und als Flächenrotte belassen werden. Unter dieser Mulchschicht erfolgt der Humusaufbau durch die Nutzpflanzen selber, die vermehrt Zucker in den Boden bringen (liquid carbon pathway). Das ist übrigens nicht nur im Biolandbau, sondern auch in der konventionellen Landwirtschaft möglich. Unter dem dichten Bewuchs vermehren sich die nützlichen Mikroorganismen („Bodenplankton“), sofern man sie nicht durch bestimmte Dünge- und Pflanzenschutzmittel schädigt.“
Gibt es noch weitere Maßnahmen, um den Pflanzen zu helfen?
„Eine Vitalisierung kann man erreichen, indem man die Felder mit einer Bakterienlösung („Composté“) spritzt. Diese stellt man selber her: 1kg gute Komposterde wird mit 200 l Wasser und 200 ml Melasse gemischt, 24h bei 25°C stehen gelassen und dann versprüht. Ich habe das in diesem Jahr auf einer Fläche begonnen, dann aber nicht weitergemacht. Ich wollte den nächsten Regen abwarten, der dann nicht kam. Auf dem gespritzten Abschnitt konnte ich doppelt so viel ernten wie auf der Restfläche, trotz der Trockenheit.“

Die Felder des Ökohofes

Wenn es so erfolgversprechende Methoden zur Bodenverbesserung, zur Ertragssteigerung und dazu noch zur Klimaverbesserung gibt, warum werden sie dann nicht viel breiter angewendet?
„Es ist dafür viel Detailwissen notwendig, das noch nicht weit verbreitet ist, auch an den Hochschulen nicht. In vielen Bereichen ist noch Pionierarbeit nötig. Unter dem Stichwort „Regenerative Landwirtschaft“ gibt es einige YouTube-Videos, in denen von den Verfassern ihr Wissen öffentlich zugänglich gemacht wird. Aber viele Landwirte wissen einfach nicht, was sie machen können. Dabei ist der Humusaufbau eine der wichtigsten Maßnahmen zur Bewältigung der Klimakrise und zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit, und das weltweit.“
Wir danken Holger Tuch für das Interview und fragen in den nächsten Jahren regelmäßig nach seinen Erfahrungen mit der regenerativen Landwirtschaft und dem Humusaufbau auf seinen Feldern.

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Dieses Thema enthält 38 Antworten und 11 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Stadt_für_Kinder vor 10 Monate, 1 Woche.

Ansicht von 25 Beiträgen - 1 bis 25 (von insgesamt 39)
  • Autor
    Beiträge
  • #321133

    Vor etwa 2 Jahren besuchte Hallespektrum den Ökohof Tuch in Ziegelroda an der südlichen Grenze Sachsen-Anhalts und stellte neue Methoden des Biolandba
    [Der komplette Artikel: Extreme Trockenheit – was können wir besser machen?]

    #321134

    Sehr interessant.

    #321135
    #321136

    „Es ist dafür viel Detailwissen notwendig, das noch nicht weit verbreitet ist, auch an den Hochschulen nicht.“
    Frage: Was also wird an den Hochschulen gelehrt? Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse werden vermittelt?

    #321137

    „Es ist dafür viel Detailwissen notwendig, das noch nicht weit verbreitet ist, auch an den Hochschulen nicht. In vielen Bereichen ist noch Pionierarbeit nötig. Unter dem Stichwort „Regenerative Landwirtschaft“ gibt es einige YouTube-Videos, in denen von den Verfassern ihr Wissen öffentlich zugänglich gemacht wird. “

    Dass Youtube-Videos über alternative Anbaumethoden das Studium an einer Hochschule ersetzen können, halte ich auch für fragwürdig.

    #321138

    Wer will denn das, hei-wu?

    #321139

    Vielleicht nicht „ersetzen“, sondern „ergänzen“? Vielleicht in Kursen und persönlicher Vor-Ort-Ausbildung? Wofür es derzeit einfach noch zu wenig Möglichkeiten gibt?
    Es wird in der Landwirtschaft genauso sein wie in der Medizin: Mittlerweile gibt es Unmengen von Studienergebnissen, die zeigen, dass ein gesundes Mikrobiom (die sog. „Darmflora“) für ein funktionierendes Immunsystem unerlässlich ist. Aber in der medizinischen Ausbildung kommen diese Ergebnisse (noch) nicht vor. Auch im Hochschulbetrieb gibt es ein nicht zu unterschätzendes „Trägheitsmoment“.

    #321140

    Die Bedeutung von Bodenbakterien und Pilzen ist der heutigen Agrarwissenschaft bekannt, und wird auch gelehrt.

    #321141

    Es geht nicht um Bodenbakterien und Pilze, es geht um Humusaufbau. Zur Fruchtbarkeitsverbesserung, zum Erosionsschutz und zur Klimaregulierung. Sicher wird daran geforscht. Aber wie ist es mit der konkreten Umsetzung? Wer bringt das den Landwirten bei (vor allem den großen Agrarbetrieben)? Es würde den weitgehenden Verzicht auf sog. „Pflanzenschutzmittel“ voraussetzen. Zur Erinnerung: Glyphosat wurde zuerst als Antibiotikum zugelassen. Für einen Glyphosat-Ausstieg brauchen die Bauern aber Unterstützung, logistisch und finanziell. Sowas macht anscheinend Australien schon.

    #321142

    Das ist wie in der Forstwirtschaft, da hat Erwin Thoma („Die geheime Sprache der Bäume“) im Studium auch nicht erfahren, was er von seinem Großvater vermittelt bekam. Heute baut der Mann Häuser sogar in Japan.

    #321143

    Wer glaubt, der Mond beeinflusse das Baumwachstum, glaubt eines Tages auch noch sonst alles.

    #321144

    Bitte beim Thema bleiben.

    #321145

    Nöö, der Mond macht nur Ebbe und Flut. Kannst als Landratte ja nicht wissen. Ob er bei Bäumen oder bei Dir auch die Säfte auch steigen lässt, bin ick ja man überfragt. Geht ja auch im Artikel mehr um Humus (nicht um Houmus) und Dürre, nicht um den Mond.

    Werwolf Riosal

    ¡Hay arte! ¡Hay poesía!… Debe haber cielo. ¡Hay Dios!
    Rosalía de Castro

    #321146

    Hier geht es um die Vermittlung von Wissen, dachte ich zumindest.

    #321147

    „Es ist dafür viel Detailwissen notwendig, das noch nicht weit verbreitet ist, auch an den Hochschulen nicht.“
    ….
    „Dass Youtube-Videos über alternative Anbaumethoden das Studium an einer Hochschule ersetzen können, halte ich auch für fragwürdig.“

    In einem Wissenschaftsbetrieb in dem über den wissenschaftlichen Erfolg vor allem die Drittmittelleinwerbung entscheidet, ist es für einen Prof natürlich viel leichter, sich im Windschatten der auch staatlicherseits geförderten Agro-Chemie-Projekte zu profilieren.

    Mit Alternativen Anbaumethoden, bei denen es keine industriellen Profiteure gibt, ist das natürlich viel schwieriger und welcher Prof will sich schon ins eigene Fleisch schneiden? So reproduziert die neoliberale Hochschulreform der letzten 20 Jahre ihre eigenen wissenschaftsfeindlichen Paradigma.

    #321180

    Mit Alternativen Anbaumethoden, bei denen es keine industriellen Profiteure gibt, ist das natürlich viel schwieriger

    Dafür sind aber die Erkenntnisse darüber, wie viel in der industriellen Landwirtschaft schief läuft, ziemlich gewachsen. Wo entstehen diese Erkenntnisse? sicher nicht in der wissenschaftsfreien Welt der Esoterik, sondern au an den Hochschulen und naturwissenschaftlichen Forschungseinrichtungen. Pauschale Verurteilung naturwissenschaftlicher Betrachtungsweisen der Landwirtschaft sind mir ein Graus.

    Ein Beispiel: der in dem gut geschriebenen Artikel interviewte Alternativbauer sagt, er habe innerhalb von fünf Jahren pflugloser Bodenbearbeitung habe er den Humusgehalt des Bodens um einige Prozent erhöht. Das ist tatsächlich ein Erfolg dieser Bewirtschaftsweise ( die nicht mal kostenintensiver ist, und ein Treppenwitz ist ja, dass Monsanto genau dafür auch das Glyphosat anpreist). Während der erhöhte Humusgehalt zwar die Wasserspeicherfähigkeit der Böden erhöhen kann, schafft er eben eines nicht: dieser Humus ist KEINE dauerhafte Kohlenstoffsenke. Denn er wird irgendwann wieder abgebaut und Kohlendioxid abgeben. Es ist nicht einmal Dauerhumus, da ist selbst ein Ikearegal aus Fichte mit einer Halbwertszeit von 10 Jahren ein langfristigerer Kohlenstoffspeicher.

    Ich würde sogar noch weiter gehen: diese labilen, künstlichen, lediglich mittelfristigen Kohlenstoffsenken sind gut gemeint, sind aber eine tickende Zeitbombe.

    Deshalb plädiere ich für einen naturwissenschaftlichen, nicht glaubensbasierten Ansatz in der Landwirtschaft.

    #321197

    Verstehendes Lesen: das CO2 wird nicht im Weizen oder im Baumstamm gespeichert, sondern im Humus. So ist im übrigen auch unsere Kohle entstanden (die „irgendwann“, nämlich gerade, wieder abgebaut wird). „Baum“ ist auch nicht nur Stamm und Krone, sondern Wurzel. Bodenleben ist wesentlich mehr als Bakterien und Pilze.
    Spätestens seit Immanuel Kant und Carl Gustav Jung wissen wir im übrigen, dass „Wissenschaft“ immer subjektiv beeinflusst ist. Ich sehe und finde, was ich suche. Auch Naturwissenschaft geht nicht ohne Philosophie, Psychologie und Erkenntnistheorie. Etwas anderes zu behaupten ist Esoterik.

    #321198

    Verstehendes Lesen: das CO2 wird nicht im Weizen oder im Baumstamm gespeichert, sondern im Humus.

    Das weiß ich und habe ich so verstanden. Humus ist aber keine dauerhafte Kohlenstoffsenke, weil er mikrobiell abgebaut wird. Der Vergleich mit Kohle hinkt schon deshalb.

    #321199

    Vielleicht sollten wir uns das mal von einem Wissenschaftler erklären lassen?

    #321201

    Schlag jemanden zum Interview vor. Könnte man mit dem ewigen Roggenfeld verbinden.

    #321213

    Meine beiden Fragen sind noch nicht ansatzweise beantwortet. Wo bleiben die Wissenschaftler der Uni Halle? Als es um die Emil-Abderhalden Strasse ging waren die Prof’s doch auch am Balle.

    #321219

    Du hattest gefragt, was an der MLU gelehrt wird? Das wird im Detail sicher hier niemand antworten können, aber hier gibts z.B. ein Vorlesungsvertzeichns der Agrarwissenschaftler: https://studip.uni-halle.de/mlu_vv.php?start_item_id=b18959dc9168d223807a8ab821a441f9

    #321247

    In einem Wissenschaftsbetrieb in dem über den wissenschaftlichen Erfolg vor allem die Drittmittelleinwerbung entscheidet, ist es für einen Prof natürlich viel leichter, sich im Windschatten der auch staatlicherseits geförderten Agro-Chemie-Projekte zu profilieren.

    Mit Alternativen Anbaumethoden, bei denen es keine industriellen Profiteure gibt, ist das natürlich viel schwieriger und welcher Prof will sich schon ins eigene Fleisch schneiden? So reproduziert die neoliberale Hochschulreform der letzten 20 Jahre ihre eigenen wissenschaftsfeindlichen Paradigma.

    Endlich auch weniger Wissenschaft bei den Naturwissenschaften. Der feuchte Traum der Geisteswissenschaftler. Vielleicht können wir dann Schamanologie und Aluhutbau auf Bachelor studieren.

    #321250

    Was du studierst hast, weiß der Kuckuck.Naturwissenschaften wahrscheinlich nicht, das merkt man schon an deiner hilflos anmutenden Auseinandersetzung mit @fractus.

    #321267

    Was du studierst hast, weiß der Kuckuck.Naturwissenschaften wahrscheinlich nicht, das merkt man schon an deiner hilflos anmutenden Auseinandersetzung mit @fractus.

    Ich vermute deine Ausbildung lässt bestenfalls einen Regentanz zu. Und offensichtlich kannst du nicht mal das.

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