Überlastete Lehrkräfte werfen das Handtuch

26. April 2017 | Bildung | 2 Kommentare

In den Schulen des Landes ist seit dem Beginn des Schuljahres ein rasanter Anstieg bei den Langzeiterkrankungen von Lehrkräften (Krankheit länger als 6 Wochen) und bei den Kündigungen von Arbeitsverhältnissen zu verzeichnen. Gegenüber dem Schuljahr 2015/16 betrug die Steigerung bei den Langzeiterkrankungen allein im ersten Schulhalbjahr 2016/17 fast 50 Prozent. Die vorzeitige Beendigung von Arbeitsverhältnissen durch Kündigungen wird sich im laufenden Schuljahr gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppeln. Das geht aus der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die LINKE hervor. Dazu erklärt der bildungspolitische Sprecher der Fraktion, Thomas Lippmann:

„Die durch den fortschreitenden Personalmangel hervorgerufene permanente Überlastung der Lehrkräfte und die wachsende Berufsunzufriedenheit der Lehrkräfte mit den Rahmenbedingungen in den Schulen machen krank und lassen immer mehr Lehrkräfte nach Jahrzehnten erfolgreicher und erfüllter Berufstätigkeit scheitern. Dies ist ein dramatischer Befund und ein Armutszeugnis für die schwindsüchtige Bildungspolitik, die unter Duldung von Ministerpräsident Haseloff dem Land von seinen Finanz- und Kultusministern seit Jahren zugemutet wird.

Besonders durch die Unkenntnis und Ignoranz von Bildungsminister Tullner gegenüber den realen Verhältnissen im schulischen Alltag werden in rascher Folge immer wieder fatale Fehleinschätzungen getroffen und so den Lehrkräften immer neue Aufgaben und Belastungen aufgebürdet, die diese immer weniger schultern können. Wenn ein Bogen aber überspannt wird, bricht er. Diese Erfahrung machen in diesem Schuljahr immer mehr Schulen, in denen die Unterrichtsversorgung wegen fehlender Lehrkräfte wie ein Kartenhaus zusammenbricht.

Die Folgen der ständigen Kürzungen waren vorhersehbar, erschrecken aber in ihrer Dimension dennoch. Immer mehr Lehrkräfte halten dem Druck nicht mehr stand und geben auf. So musste allein im ersten Schulhalbjahr bei 338 Lehrkräften eine Langzeiterkrankung neu festgestellt werden, während nur 93 Lehrkräfte wieder in den Schuldienst zurückgekehrt sind. Derzeit sind weit mehr als 500 Lehrkräfte und damit etwa 4 Prozent aller für die Schulen vorgesehenen Lehrkräfte langzeiterkrankt. Gleichzeit nimmt die Kündigung von Arbeitsverträgen explosionsartig zu. Bis zum Ende des Schuljahres wird das Arbeitsverhältnis mit mindestens 84 Lehrkräften durch Kündigungen beendetet werden, weil die Beschäftigten nicht mehr länger in unseren Schulen arbeiten wollen oder können. Angesichts dieser Fakten sollte Minister Tullner endlich einsehen, dass seine Personalpolitik, die auf Arbeitsverdichtung und sogenannte „Effizienzsteigerung“ setzt, gescheitert ist und in unverantwortlicher Weise die Gesundheit seiner Beschäftigten ruiniert.

Um die ausscheidenden Kolleg*innen vollständig zu ersetzen und das Grunddefizit in der Unterrichtsversorgung auszugleichen, müssen zum Beginn des neuen Schuljahres mindestens 650 Lehrkräfte neu eingestellt werden, um überhaupt eine Unterrichtsversorgung von 100 Prozent zu erreichen. Um das Versprechen aus dem Koalitionsvertrag von 103 Prozent erfüllen zu können, wären noch einmal weiter 350 Neueinstellungen erforderlich. Wenn Minister Tullner nicht Willens oder nicht in der Lage ist, sich diesen Herausforderungen zu stellen, sollte er darüber nachdenken, ob er den richtigen Job hat. Den unbestreitbaren Unterrichtsbedarf weiterhin zu leugnen und den Schulen einfach die Zuweisungen zu kürzen, ist ein Taschenspielertrick und wird das Schulsystem immer tiefer in die Krise führen.“

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