Kommt der Abschwung? Sachsen-Anhalts Unternehmen blicken verhalten auf 2015

21. Januar 2015 | Wirtschaft | 7 Kommentare

Das vergangene Jahr 2014 war insgesamt ein recht gutes Jahr für die Wirtschaft in Sachsen-Anhalt. Allerdings hat die Dynamik der Wirtschaftsentwicklung in der zweiten Jahreshälfte deutlich nachgelassen. Die Erwartungen der Unternehmen für 2015 sind sehr verhalten. Der Geschäftsklimaindikator für Sachsen-Anhalt fiel von 23,1 im ersten auf 9,2 Punkte im vierten Quartal 2014. Zu diesen Ergebnissen kommt die Landesarbeitsgemeinschaft der Industrie- und Handelskammern in Sachsen-Anhalt in ihrem am Mittwoch in Halle (Saale) vorgestellten Wirtschaftsbericht. In die Befragung gingen die Einschätzungen von über 1.000 Unternehmen ein.

Carola Schaar, Präsidentin der IHK Halle-Dessau, betonte: „Es ist erfreulich, dass wir insgesamt auf ein recht gutes Jahr 2014 zurückblicken können. Allerdings zeigen die eingetrübten Erwartungen eine deutliche Verunsicherung vieler Unternehmen, zu der falsche politische Weichenstellungen maßgeblich beigetragen haben.“ Nach wie vor seien viele Unternehmen besorgt wegen hoher und mittelfristig wohl weiter steigender Strompreise. Hinzu kämen Belastungen durch die Arbeitsmarkt- und Rentenpolitik: „Die überstürzt eingeführte Rente mit 63 führt jede planvolle Personalpolitik ad absurdum. Denn viele hoch qualifizierte und erfahrene Fachkräfte scheiden nun kurzfristig aus dem Arbeitsleben aus und die Betriebe können diese Lücken so schnell nicht schließen. Das kostet Beschäftigung und Wertschöpfung. Aber dafür kann man nicht die einzelnen Arbeitnehmer verantwortlich machen, sondern verantwortlich ist die Politik, die diese Maßnahme beschlossen hat“, so Schaar. Hinzu kämen neue Beschäftigungshürden durch den gesetzlichen Mindestlohn. „Nach einem Jahr mit Rekordbeschäftigung hat die Politik alles getan, damit der positive Trend am Arbeitsmarkt nicht anhält. Die Beschäftigungspläne der Unternehmen haben sich bereits deutlich eingetrübt. Leider müssen wir befürchten, dass vor allem Berufseinsteiger und gering Qualifizierte es in Zukunft deutlich schwerer haben werden.“

Rolf Lay, Vizepräsident der IHK Magdeburg, ergänzte: „Leider erfasst die konjunkturelle Abwärtsbewegung mittlerweile auch die Industrie, die allein immerhin für ein Fünftel der Bruttowertschöpfung im Land steht.“ Rückläufige Auftragseingänge nicht zuletzt auch aus dem Ausland hätten dazu geführt, dass die befragten Industrieunternehmen ihre Exporterwartungen im Jahresverlauf 2014 kontinuierlich nach unten korrigiert hätten. „In den letzten beiden Quartalen des vergangenen Jahres verzeichneten die Erwartungen an das Exportgeschäft im Saldo sogar Minuswerte – eine solche Situation gab es zuletzt Mitte des Krisenjahres 2009“, so Lay. Die inzwischen vorliegenden Strukturdaten zu Auslandsumsatz und Exportvolumen der sachsen-anhaltischen Industrie von Januar bis Oktober 2014 würden diesen Befund stützen. In Bezug auf das Auslandsgeschäft schlug Lay, wie zuvor Präsidentin Schaar, einen Bogen zum Thema Politik: „2014 war ein Jahr, in dem neben konjunkturellen vor allem auch politische Entwicklungen die Außenhandelstätigkeit stark beeinflusst haben.“ Der Vizepräsident nannte hier als beherrschendes Thema die Ukraine-Krise, deren ökonomische Auswirkungen das osteuropäische Land in eine tiefe Rezession geführt hätten. Die politisch verhängten Sanktionen gegen Russland und das eingebrochene Ukraine-Geschäft hätten nicht zuletzt auch für die sachsen-anhaltischen Unternehmen, die traditionell eng mit dem osteuropäischen Wirtschaftsraum verbunden sind, deutlich negative Auswirkungen nach sich gezogen.

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