Überraschungen und Morde auf Blackheath!

24. Juli 2020 | Rezensionen | 1 Kommentar

Jeden Monat wird hier in Zukunft eine Leseempfehlung erscheinen. Die Auswahl ist angesichts der Masse an Neuerscheinungen und bereits verlegter Bücher ganz persönlich. Kurz: Die Bücher werden vorgestellt, weil sie uns gefallen haben. Der Beitrag im Juli führt uns ins britische Landhaus Blackheath.

Ist es Ihnen in einem Restaurant schon einmal so ergangen, dass sie ein Gericht bestellt haben, dass sie nicht kannten, sei es aus Zufall oder weil Sie etwas Neues ausprobieren wollten, und es hat Sie angenehm überrascht? Konnten Sie hinterher sagen, das war mal etwas besonderes? Falls ja, werden Sie nachvollziehen können, wie es mir mit dem vorliegenden Buch „Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle“ erging. Und nein, vertrauen Sie in diesem Fall dem Klappentext des Buches nicht, der mich zudem ohnehin erzürnte, weil er bereits einiges verriet, was ein Leser erst im Verlauf der Handlung erfahren sollte. Um noch beim Klappentext des Verlages zu verbleiben, Sie werden im Buch weder Agatha Christie noch ein Murmeltier antreffen, noch ist der Roman im klassischen Sinn ein Kriminalroman. Ach, werfen Sie den Schutzumschlag am Besten gleich weg oder trennen Sie die unsäglichen Klappentexte ab, möglichst ohne diese zu lesen! Denn Stuart Turtons Roman braucht keine Einführung, im Grunde braucht er auch keine Besprechung, außer vielleicht diesen zwei Sätzen: Lesen Sie es! 600 Seiten überraschende Wendungen erwarten Sie!

Aber damit wären Sie nicht zufrieden, oder? Also verrate ich Ihnen, was Sie noch zum Lesen der „Sieben Tode…“ brauchen, nämlich den Plan des Hauses und seiner Umgebung. Nur so können Sie dem Mörder von Evelyn Hardcastle auf die Schliche kommen (oder es verwirrt Sie völlig. Und nicht vergessen: Klappentext ungelesen wegwerfen!). Diesen Plan finden Sie am Anfang und Ende des Buches. Ort der Handlung ist also ein britisches Herrenhaus. Das hat allerdings schon bessere Tage gesehen. Auch die Gästes des Maskenballes, zu dem die Familie Hardcastle,  der das Anwesen gehört, geladen hat, meinen zwar, sie wären die bessere Gesellschaft, allerdings eine mit vielen abgrundtiefen Geheimnissen. Die meisten stehen am Rande des gesellschaftlichen Abgrundes oder beziehen ihr Einkommen aus zweifelhaften Geschäften. Hier wird unser zunächst namenloser Held zusammen mit einer Frau names Anna und angestiftet von einem geheimnisvollen Pestdoktor versuchen, den Tod von Evelyn Hardcastle zu verhindern. Falls dies nicht gelingt, soll er zumindest dem Pestdoktor mitteilen, wer ihr Mörder oder ihre Mörderin ist. Den Tag des Mordes erleben unsere beiden Hauptpersonen und Sie als Leser insgesamt acht Mal! Am Ende wird die Hauptperson begreifen, dass es auch um Schuld, die eigene und die von Anna, gehen wird. Wie können wir die grausamsten Verbrechen, die vorstellbar sind, bestrafen? Diese Frage stellt sich ihm, besonders die anschließende Frage: Kann er nach dieser Bestrafung verzeihen? Sie merken schon, es ist ein Roman mit mehr als einem doppelten Boden und garantiert mit mehr als einer Toten!

„Nach dem heutigen Tag ist jeder Tag ein Geschenk.“

Diesem vorletzten Satz des Buches ist unbedingt zuzustimmen. Aber vorher erwarten Sie 8 Tage auf Blackheath oder sind es 30 Jahre? Ziehen Sie sich warm an vor dem Lesen!

Stuart Turton:
Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle
ISBN: 3608504214
Originaltitel: The Seven Deaths of Evelyn Hardcastle. GB.
Übersetzt von Dorothee Merkel
Tropen
August 2019 – 604 Seiten
24,00 €

Foto und Text: Nanda Xanez

Leseempfehlung des Monats Juni 2020: Die Inselsammlerin und Inselmörderin

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