Neue Gedenktafel informiert über Neuformierung des Gedenkens Anton Wilhelm Amo

9. Dezember 2021 | Bildung und Wissenschaft, Kultur | 1 Kommentar

Anton Wilhelm Amo gilt als erster und über sehr lange Zeit einziger afrodeutscher Akademiker. Als Versklavter nach Deutschland verschleppt studierte er in Halle und in Wittenberg, wo er 1734 sogar promoviert wurde. Seine Hallenser Disputation widmete sich der Rechtsstellung Schwarzer Menschen in Europa. Als Privatdozent der Philosophie wirkte Amo neben Halle auch in Jena.

Im Jahre 2019 gründete die Martin-Luther-Universität eine Arbeitsgruppe, die inzwischen als Rektoratskommission „Anton Wilhelm Amo“ aktiv ist und sich dem Gedenken an Anton Wilhelm Amo widmet. Sie befasst sich außerdem auch mit dem Kunstwerk „Freies Afrika“, welches vom halleschen Bildhauer und Grafiker Gerhard Geyer (1907-1989) in staatlichem Auftrag zur Thematisierung des antikolonialen Weges Ghanas geschaffen wurde und bis heute  am Universitätsring zu sehen ist. Im Jahr 1965 wurde die Plastik feierlich enthüllt.

Bereits bei der Enthüllung wurde ein – allerdings noch sehr vager – Bezug zu Anton Wilhelm Amo hergestellt, der vorher nicht bestanden hatte. Auch 1975, als die Bronzetafel zur Erinnerung an Amo am Universitätsring angebracht wurde, kam ein Bezug zur Figurengruppe von Gerhard Geyer und zum Thema „Freies Afrika“ zur Sprache. Die Plastik wurde somit letztlich in einen Interpretationsrahmen gebracht, der eine Verbindung zweier ursprünglich unabhängiger Themen schafft. An dieser bis heute sichtbaren Verbindung setzen gegenwärtige kritische Stimmen an, die sich für die Erinnerung an Anton Wilhelm Amo einsetzen.

Die Rektoratskommission sieht die derzeitige Zusammenordnung der Gedenktafel mit der Bronzeplastik als unpassend und prekär. Sie wurde deshalb heute morgen durch eine Edelstahltafel ergänzt, die auf die sich derzeit noch in Arbeit befindende Neuformierung des Gedenkens hinweist.

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