Unsere heutige
Rätselpflanze ist nicht bei uns heimisch. Aber seit der Renaissance
gibt es eine ungebrochene Faszination für das Ziergehölz. In seiner
natürlichen Heimat gedeiht der Baum in einem dauerhaft warmen,
sonnigen und sehr feuchten Klima. Unter den hierzulande
vorherrschenden klimatischen Bedingungen ist das zur Familie der
Rautengewächse zählende immergrüne Gehölz allerdings nicht
winterhart. Dementsprechend wird es ausschließlich im Kübel
gehalten, wo es im Sommer sonnige Bereiche im Garten, auf der
Terrasse, dem Balkon aber auch Wintergärten ziert. Selbst wenn die
Pflanze ein sonniges Plätzchen am Fenster hat, sind die
Lichtverhältnisse im Haus nicht optimal, auch nicht im Sommer.
Mindestens 4-6 Stunden Sonne täglich sind notwendig. Die
Überwinterung muss in einem frostfreien Quartier erfolgen. In extra
großen repräsentativen Gewächshäusern pflegte früher der barocke
Adel aufwändig diese Ziergehölze, die sogar namensgebend für die
großen Glashäuser waren.
In seinen natürlichen Verbreitungsgebieten und in geeigneten
Klimazonen wird der Baum plantagenmäßig angebaut. Die Früchte, der
aus ihnen gewonnene Saft und andere Produkte sind wegen ihres
erfrischenden Geschmacks und Vitamingehaltes sehr beliebt und
werden von uns in beträchtlichen Mengen importiert. Die größten
Produzenten in Europa sind Spanien, Italien und Griechenland;
weltweit führend ist Brasilien.
Die weißen Blüten stehen einzeln in den Blattachseln oder in
wenigblütigen, traubigen Blütenständen zusammen. Sie duften
angenehm. Der Fruchtknoten ist oval und deutlich vom Griffel
abgesetzt. Früchte entstehen auch ohne Fremdbefruchtung. Das Innere
besteht aus zehn bis dreizehn Segmenten, die mit Saftschläuchen
gefüllt sind. Jedes Segment ist von einem dünnen Häutchen
(Endokarp) umgeben, die ganze Frucht von einer zweigeteilten
Schale. Die äußere ist im reifen Zustand grün bis gelb. In Regionen
mit tropisch-warmen Nächten und hoher Luftfeuchtigkeit bleiben die
Früchte während der Reifung grün. Da viele Verbraucher die grüne
Farbe aber für ein Unreifemerkmal halten, werden die grünen Früchte
in der Regel vor dem Verkauf entgrünt. Dadurch bedingte
Qualitätseinbußen werden der besseren Vermarktung wegen
hingenommen. Die Entgrünung ist in der EU erlaubt.
In der reifen Fruchtschale sitzen zahlreiche Öldrüsen. Sie
verströmen einen aromatischen Duft. Aus den Fruchtschalen gewinnt
man das Terpen d-Limonen, das als biogenes Lösemittel und Rohstoff
für die Parfümindustrie vielseitig verwendet wird. Das edel
riechende Neroliöl erhält man durch Wasserdampfdestillation der
Blüten. Getrocknete Schalen finden sich auch häufig in
Teemischungen. Auch die Blüten können zu einem Tee verarbeitet
werden. Die bei uns vermarkten Früchte sind zum Schutz gegen
Verderb chemisch behandelt. Die Schale ist deshalb nicht mehr
genießbar.
(H.J. Ferenz)
Auflösung Rätselpflanze 4.Woche 2019:
Die
Rätselpflanze der
letzten Woche war die Pfeilkresse Lepidium (Cardabia) draba.
Herzkresse und Türkische Kresse sind weitere bekannte Namen für
sie. Gefunden wurde sie hier auf Trockenrasen bei Barnstädt.
Karriere als Heilpflanze hat sie nicht gemacht. Als Ersatz für den
teuren Pfeffer war sie aber einst hochwillkommen.
2 comments on “Pflanze der Woche: Aufwendige Zierde barocker Gärten”
Pomeranze oder Bitterorange
Nö, falsch. Wegen der „Entgrünung“ muss es die Orange bzw. Apfelsine sein.