Chemiepark Leuna: Spatenstich für umweltfreundliche Kunststoffe

7. Oktober 2020 | Bildung und Wissenschaft, Nachrichten, Umwelt + Verkehr, Wirtschaft | 1 Kommentar

Leuna im Saalekreis – dieser Name ist schon seit mehr als 100 Jahren ein Synonym für Chemie.

Im größten abgeschlossenen Chemiepark Deutschlands sind heute mehr als 100 Unternehmen aus zehn Nationen ansässig und arbeiten an der chemischen Industrie der Zukunft, für welche heute ein weiterer besonderer Grundstein gelegt wird:

Denn eine weltweit einzigartige Bioraffinerie soll nun im Chemiepark Leuna entstehen. Um 14:30 Uhr ist Spatenstich für das neue Werk, das schon ab 2022 aus nachhaltig angebautem Laubholz Kunststoffe herstellen soll und sich damit von herkömmlichen Werken unterscheidet, die Plastik normalerweise aus Erdöl anfertigen.

Dr. Christof Günther, Geschäftsführer der InfraLeuna GmbH sagte hierzu: „Wir investieren auch weiterhin kräftig in den Ausbau unserer Infrastrukturen, damit die Unternehmen am Chemiestandort Leuna optimale Bedingungen für weiteres Wachstum und neue Projekte vorfinden.“

Der Betreiber der neuen Raffinerie UPM investiert nun rund 550 Millionen Euro in das neue Werk, wodurch nach Angaben des Wirtschaftsministeriums außerdem knapp 200 neue Arbeitsplätze entstehen sollen.

Die Idee zur Investition entstand bei Europas größtem Papierproduzenten UPM dadurch, dass sich das Unternehmen damit konfrontiert sah, dass die Leute immer weniger Zeitschriften lesen. So stellten sich die Manager vor ein paar Jahren die Frage, was man aus Holz außer Papier eigentlich noch machen könnte. Ergebnis war dann die Idee für die neue Bioraffinerie. Unter Einsatz von Hitze, Wasser und Druck sollen Chemikalien aus dem Holz geholt werden.

Der heutige Baubeginn in Leuna läutet also das Zeitalter der sogenannten „grünen Chemie“ ein. Das Prinzip ist dabei ganz einfach: Vorne kommt Holz rein, hinten Chemie wieder raus.

Michael Duetsch, Leiter des Bereichs Biochemical Business bei UPM erläutert hierzu: „Wir setzen das Laubholz in verschiedene Produkte um. Eines davon ist Monoethylenglycol, ein Rohstoff für die Kunststoffindustrie. Daraus können wir dann unter anderem Polyester-Textilien herstellen oder Kunststoffflaschen für Getränke. Ein anderes Erzeugnis ist außerdem ein Füllstoff, der Industrieruß ersetzt., was heute für Gummiprodukte eingesetzt wird, etwa um Reifen schwarz zu färben.“

Gerd Unkelbach, Leiter des Fraunhofer Zentrums für Chemisch-Biotechnologische Prozesse kommentierte die Einzigartigkeit des neuen Werkes in Leuna wie folgt: „Das komplette Zerlegen von einem Rohstoff wie Holz in mehrere Zwischenprodukte und daraus dann noch mehrere Endprodukte zu machen, das gibt es in diesem Umfang noch nicht. Es ist die erste voll integrierte Bio-Raffinerie auf Basis von Holz weltweit.“

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