Quo vadis Alter Markt? Träume, Ideen,Visionen

10. Februar 2013 | Vermischtes | 4 Kommentare

Es ist das historische Zentrum von Halle und heute irgendwie Niemandsland: die Gegend um den Alten Markt. Doch eine Initiative will nun das Viertel zwischen Marktplatz und den Franckeschen Stiftungen, durch das selbst die Straßenbahn nur durchfährt und nicht anhält, neu beleben. Mit einer Zukunftswerkstatt wurden am Wochenende in der Goldenen Rose Probleme aufgezeigt und Lösungsvorschläge gemacht. In verschiedenen Gruppen setzten sich die gut 25 Teilnehmer zusammen und machten sich so ihre Gedanken.

Es fehlt etwas, um auf dem Franckeplatz auszusteigen und zum Markt zu laufen, darin waren sich fast alle Teilnehmer einig. Treffpunkte und Begegnungsstätten sollen geschaffen werden, wurde vorgeschlagen. Eine verstärkte Nutzung der Theatrale oder die Umwandlung eines leerstehenden Ladengeschäfts in der Straße am Alten Markt in ein Café könnten mehr Leute ins Viertel holen, wurde vorgeschlagen. Mehr Durchgänge schaffen und dafür möglicherweise Häuser wegnehmen, auch dieser Vorschlag kam. So könnten völlig neue Wegebeziehungen entstehen, um das ganze Viertel neu entdecken zu können.

Mehr Grün, mehr Farben, mehr Sitzflächen – das waren weitere Wünsche. Auch für mehr Spielplätze – derzeit gibt es nur eine eher stiefmütterlich behandelte Spielfläche am Schülershof – sowie einen Skatepark sprachen sich Teilnehmer der Runde aus. Aufgeworfen wurde zudem die Frage nach der Öffentlichen Toilette. Die gibt es entweder am Franckeplatz oder im Marktschlösschen. Zumindest könnte auf diese „Bedürfnisanstalten“ (Beamtendeutsch) ja mit Schildern hingewiesen werden, war einer der Vorschläge.

Zur Sprache kamen aber auch unsanierte Gebäude und Wohnungen. Immerhin will die HWG jetzt das Areal am Schülershof sanieren. Doch insbesondere den Plattenbau schräg gegenüber der Moritzkirche fanden die meisten Teilnehmer nicht schön. Doch eine Frau, die für ihre Gruppe die Ergebnisse der ersten Gespräche präsentierte. „Das ist ein Ort, wo man schicke Gebäude haben möchte. Aber diese Art von Architektur gehört auch zur Geschichte dazu“, sagte sie. Zudem seien sie für preiswerten Wohnraum nötig. Für sie ein Konflikt zwischen preiswertem Wohnen und Ästhetik.

Auch um den Straßenverkehr ging es an beiden Tagen. So wurde bemängelt, dass Fahrradständer sehr rar sind und man seinen Drahtesel an Regenrinnen anschließen muss. Daneben wurden fehlende Radwege bemängelt. So würden die Radler von den Straßenbahnen vor sich her getrieben. Doch auch um des Deutschen liebstes Kind, das Auto, ging es. Eine Tiefgarage war einer der Vorschläge. Zwar gab es bereits vor Jahren Ideen, den brachliegenden Bereich Brunos Warte dafür zu nutzen. Realisiert wurde dies aber bis heute nicht. Kritisiert wurde der (illegale) Autoverkehr an der Moritzkirche. Denn Verbote werden gern ignoriert, weshalb sich Teilnehmer der Runde für die Aufstellung von mehr Pollern aussprachen. Mehrfach kam daneben die Lärmproblematik durch die Straßenbahn auf. Da wäre das Rumpeln der Tramzüge. Doch insbesondere in der Kurve am Alten Markt quietschen die Bahnen teilweise so laut, dass Anwohner im Bett stehen. Die HAVAG weiß um das Problem, es gibt bereits eine Schmieranlage in den Gleisen. Doch offenbar reicht dies nicht aus. Ein junger Mann wollte auch die Thematik Hochstraße mit aufnehmen. Die Warnung anderer Teilnehmer, man solle sich nicht mit solchen Themen verzetteln und der Hinweis auf ohnehin schon bestehen Initiativen zum Für und Wider, sorgte aber dafür, dass die Hochstraße nicht mit thematisiert wird.

Doch Reden kann man viel. Nun gilt es, den Worten auch Taten folgen zu lassen. Erste Ansätze dafür soll es schon in diesem Jahr geben. So soll es noch in diesem Jahr ein Sommerfest geben, um so die Verbundenheit der Bewohner mit ihrem Stadtviertel zu stärken. In einer Broschüre soll die Geschichte dargestellt werden. Und auch um den Spielplatz will man sich kümmern, möglicherweise zunächst mit einem Arbeitseinsatz.

Die ganz großen Probleme liegen dann wohl eher doch in anderen Händen. Doch welche Eigendynamik kleine Initiativen auslösen können, zeigt sich am Postkult-Verein im Nachbar-Stadtteil Glaucha. Doch damit das gelingt, muss erst einmal ein breiter Querschnitt der Bevölkerung mitmachen, und nicht nur eine handvoll überwiegend junger Leute. Die Rentner, die Familienväter, die Hauseigentümer… sie alle fehlten bei dieser Veranstaltung.

Print Friendly, PDF & Email
4 Kommentare

Kommentar schreiben