Biologen der Uni Halle untersuchen invasive Baumart

28. Februar 2017 | Bildung, Natur & Gesundheit | Keine Kommentare
Löwengebäude auf dem Universitätsplatz. Foto: Norbert Kaltwaßer

Löwengebäude auf dem Universitätsplatz. Foto: Norbert Kaltwaßer

Weltweit bedrohen gebietsfremde invasive Arten die lokale Artenvielfalt – dazu gehören auch Baumarten. In Nord- und Südamerika ist es die Sibirische Ulme, die die einheimischen Baumarten verdrängt und sogar die Fundamente von Häusern beschädigt. Ein internationales Forscherteam hat unter Federführung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) jetzt mögliche Gründe dafür gefunden: Bereits die Keimlinge der eingeführten Pflanzen wachsen wesentlich schneller als einheimische Arten. Die Studie ist eine der ersten, die sich mit dem Invasionsverhalten von Bäumen beschäftigt. Sie ist vor kurzem im internationalen Fachjournal „AoB Plants“ erschienen.

Bäume sind im Bereich der invasiven Arten noch relativ unerforscht. „Ein Grund dafür sind die langen Lebenszyklen und Generationszeiten von Bäumen. Es kann Jahrhunderte dauern, bis eine Baumart invasiv wird“, erläutert Prof. Dr. Isabell Hensen vom Institut für Biologie der MLU. Außerdem werden Bäume häufig nicht als Hauptproblem angesehen. Insgesamt gibt es weltweit über 700 invasive Baumarten – bei Kräutern hingegen sind es mehrere Tausend.

Die Sibirische Ulme (Ulmus pumila) stammt ursprünglich aus Asien und wurde gezielt in Nord- und Südamerika eingeführt, weil sie besonders widerstandsfähig gegenüber der Holländischen Ulmenkrankheit ist, die weltweit zu einem massenhaften Ulmensterben führt. Außerdem überstehen die Bäume selbst längere Trockenzeiten im Sommer oder im Winter gut; weil sie ein weitläufiges Wurzelwerk haben, können sie sich auch in Dürreperioden mit ausreichend Wasser und Nährstoffen versorgen.

Gemeinsam mit Dr. Heidi Hirsch hat Isabell Hensen vor allem die frühe Lebensphase der Bäume untersucht. „Die Phase des Keimlingswachstums lässt sich in relativ kurzen Zeiträumen untersuchen. Außerdem können die Merkmale von Keimlingen und Jungpflanzen eine wichtige Rolle für invasive Arten spielen, speziell bei der Besiedlung neuer Standorte“, so Hirsch, die mittlerweile am Institut für Invasionsbiologie der Stellenbosch University in Südafrika arbeitet. Die Wissenschaftlerinnen verglichen das Wachstum von Sibirischen Ulmen, die in Nord- und Südamerika invasiv sind, mit Sibirischen Ulmen aus Asien im Gewächshaus miteinander. Es handelte sich also um dieselbe Art, die aber – so die These der Forscherinnen – je nach Umgebung andere Wachstumseigenschaften haben könnte. Sie beobachteten im Experiment, welchen Einfluss die Umgebungstemperatur und die zur Verfügung stehende Wassermenge auf das Wachstum haben und welche Pflanzengruppen unter welchen Bedingungen am besten wachsen. Dabei zeigte sich, dass die invasiven Sibirischen Ulmen unter allen Umständen schneller wuchsen als die in Asien einheimischen Bäume. Erstere haben sich also im Laufe der Zeit noch besser an ihre neue Umgebung angepasst.

Die Ergebnisse der Studie könnten erklären, warum die Sibirische Ulme in Nord- und Südamerika so weit verbreitet ist und einheimische Baumarten in vielen Regionen immer mehr verdrängt.

Publikation:

Heidi Hirsch, Isabell Hensen, Karsten Wesche, Daniel Renison, Catherina Wypior, Matthias Hartmann, Henrik von Wehrden; Non-native populations of an invasive tree outperform their native conspecifics. AoB PLANTS 2016; 8 plw071. doi: 10.1093/aobpla/plw071

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