Update: Rassistischer Überfall auf liberianische Familie in Merseburg

7. Oktober 2016 | Politik | 55 Kommentare

Die Polizei: Gefährliche Körperverletzung in Merseburg

In der Straße Unteraltenburg in Merseburg ist es gestern zu einer Straftat gekommen. Geschädigt sind ein 44-jähriger Mann aus Liberia, eine 47-jährige Frau aus dem Saalekreis die mit dem Mann zusammenlebt sowie der Enkeljunge der Frau, welcher 5 Jahre alt ist und in Halle (Saale) wohnt. Alle drei Opfer wurden bei der Tat verletzt und mussten ärztlich versorgt werden. Der Mann konnte noch gestern Abend das Krankenhaus verlassen. Die Frau verließ heute Vormittag die Klinik und das Kind ist derzeit noch dort.
Nach den bisher vorliegenden Erkenntnissen befanden sich die drei Geschädigten in der Wohnung des Afrikaners. Etwa gegen 19:40 Uhr klingelte es dort. Der Mann öffnete und stand zwei anderen Männern gegenüber. Unmittelbar soll man ihn attackiert haben. Die Tätlichkeiten haben sich dann wohl in der Wohnung des Opfers fortgesetzt. Die Lebensgefährtin kam ihrem Partner zu Hilfe und wurde ebenfalls angegriffen. Im Zuge des Angriffes trug auch das Kind eine Verletzung davon. Bei der Tat haben die beiden Angreifer einen Teleskopschlagstock sowie einen Schlagring mitgeführt und diese benutzt. Sie verließen nach der Tat die Wohnung.
Als die Polizei vor Ort eintraf, wurden die drei Geschädigten angetroffen. Noch während der Sachverhaltsaufnahme kehrte einer der Tatverdächtigen, ein 63-jähriger Merseburger zum Ort des Geschehens zurück. Dieser war stark alkoholisiert. Ein durchgeführter Atemalkoholtest warf einen Wert von über 2,5 Promille aus. Gegenüber den Polizeibeamten äußerte sich dieser Mann fremdenfeindlich.
Im weiteren Verlauf konnte die Polizei auch den anderen Tatverdächtigen ausfindig machen. Bei ihm handelt es sich um einen 47-jährigen Mann aus Merseburg. Auch er war stark alkoholisiert. Der Atemalkoholtest zeigte bei ihm einen Wert von über 2 Promille an.
Die Polizei hat beide Männer vorläufig festgenommen. Auch konnten die Tatmittel sichergestellt werden.
Heute wurden die beiden Merseburger von der Polizei vernommen. Der Jüngere von ihnen bestritt eine Tatbeteiligung. Der Ältere räumte einen tätlichen Angriff ein. Er gab an, dass er den Afrikaner zur Rede stellen wollte, weil dieser des Öfteren lautstark Musik hören würde. Dabei ist es dann zur Tat gekommen.
Nach gründlicher Prüfung konnte kein Haftgrund festgestellt werden, so dass die beiden Festgenommenen nach Beendigung der polizeilichen Maßnahmen entlassen wurden.
Die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft werden fortgeführt wegen gefährlicher Körperverletzung, Hausfriedensbruch, Verstoß gegen das Waffengesetz und Sachbeschädigung. Eine fremdenfeindliche Motivation kann nicht ausgeschlossen werden. Die Ermittlungen werden vom Fachkommissariat Polizeilicher Staatsschutz der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Süd geführt.

Reaktion der Landtagsfraktion >die Linke<

Wie die „Magdeburger Volksstimme“ heute berichtet, wurde eine eine Familie aus Liberia in ihrer Wohnung überfallen. Es handelt sich offenbar um eine rassistisch motivierte Straftat. Die Täter, zwei alkoholisierte Männer mittleren Alters, hatten bei der Familie an der Wohnungstür geklingelt und sogleich nach Öffnen der Tür mit einem Schlagstock und Schlagring angegriffen.

Dazu erklärt heute die migrations- und asylpolitische Sprecherin der Fraktion „die Linke“, Henriette Quade:

„Viele Menschen, die das Agieren der AfD nicht nur aber gerade auch in Sachsen-Anhalt beobachten, zeigten sich in den letzten Monaten entsetzt über deren Rhetorik, deren in Teilen offen rassistische und faschistoide Argumentation, deren Hass auf alles, was zu einer offenen Gesellschaft gehört, deren unverhohlene Hetze gegen alle, die sie als nicht dazugehörig kennzeichnen wollen.

Mit der Radikalisierung der Sprache, mit der Steigerung der Aggressivität geht seit Monaten eine dramatische Zunahme der Angriffe auf vermeintlich Nichtdeutsche einher. Das zeigt: Worten folgen Taten, wer zum Hass aufstachelt, der ist auch für solche Taten verantwortlich.

Erneut ist Merseburg Tatort geworden und erneut scheint die Gewalt, die der Familie angetan wurde, besonders brutal und entgrenzt zu sein. Unsere Gedanken sind bei den Betroffenen, und wir wünschen ihnen schnellstmögliche Genesung. Eine Besserung der psychischen Folgen eines solchen Angriffes hängt auch davon ab, wie Gesellschaft reagiert: Solidarität, Sicherheit und Schutz für die Betroffenen und eine klare Verurteilung der Täter- gesellschaftlich, politisch und juristisch – sind wichtiger denn je.

So bestürzend und alarmierend die Ereignisse in Merseburg sind – die Dimension rechter Gewalt ist leider nicht neu. All jene, die sich angesichts der Ereignisse am 3. Oktober 2016 in Dresden überrascht ob des barschen Tons gegenüber Politikerinnen und Politikern zeigten, müssen sich fragen lassen, in welcher Welt sie eigentlich bisher gelebt haben.
Die Angriffe von Merseburg machen einmal mehr deutlich: Asylsuchende, Menschen, die als Nichtdeutsche wahrgenommen werden und jene, die sich Nazis entgegen stellen sind an vielen Orten weitgehend schutzlos. Nicht selten müssen sie sich Verdächtigungen erwehren, selbst schuld zu sein, nicht selten müssen sie darum kämpfen, dass ihnen geglaubt wird, nicht selten stehen sie allein. Sie sind es, die am stärksten unter den Folgen der Hassrhetorik zu leiden haben und die Solidarität einer demokratischen Gesellschaft am aller nötigsten brauchen.

Politik muss dem endlich Rechnung tragen und Hassverbrechen schnell und konsequent aufklären und ahnden, rechte und rassistische Tatmotive benennen und juristisch besonders würdigen, die Strukturen der Opferhilfe verstärken und ausbauen und vor allem: rechte Diskurse und Parolen zurückweisen, statt sie zu übernehmen.“

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Ansicht von 25 Beiträgen - 1 bis 25 (von insgesamt 56)
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  • #270543

    Wie die „Magdeburger Volksstimme“ heute berichtet, wurde eine eine Familie aus Liberia in ihrer Wohnung überfallen. Es handelt sich offenbar um eine r
    [Der komplette Artikel: Rassistischer Überfall auf liberianische Familie in Merseburg]

    #270544

    Man hat mittlerweile das Gefühl, das HalleSpektrum wäre das Sprachorgan linker Parteien und Bündnisse.

    #270545

    Also lieber rassistische Verbrechen unerwähnt lassen?

    #270546

    Da Du selbst die CDU als links verstehst, wird es wohl so sein. Ich würde es lieber als demokratisch ausdrücken. Und Demokraten verurteilen Gewalt gegen Familien und Schwache und nörgeln nichts von Lünks und Röchts … Das ist Terror und er ist ganz dicht an Halle herangerückt oder sogar schon da.

    #270547

    Also lieber rassistische Verbrechen unerwähnt lassen?

    Ich sehe hier mehrere logische Dilemmas:

    Nummer eins: Dies ist das HalleSpektrum, das sich Nachrichten aus Halle verschrieben hat. Dieser Vorfall fand aber in Merseburg statt.
    Nummer zwei: Nach welchen neutralen Kriterien wählt ihr denn aus, welche rassistischen Verbrechen ihr erwähnt und welche ihr unerwähnt lasst? Was stellt denn ein rassistisches Verbrechen in Merseburg über ein rassistisches Verbrechen in Dresden? Oder in Jerusalem? Und warum nicht auch letztere erwähnen? Die haben genauso viel mit Halle zu tun.

    Ich würde es lieber als demokratisch ausdrücken. Und Demokraten verurteilen Gewalt gegen Familien und Schwache und nörgeln nichts von Lünks und Röchts

    Der Begriff „Demokraten“/„demokratisch“ wird als Argument schwächer, je öfter man es wahllos als politisches Schlagwort verwendet. Mag sein, dass sich die Verantwortlichen dieser Pressemitteilung als Demokraten verstehen, aber die Auswahl der zu erwähnenden oder unerwähnt zu lassenden Nachrichten auf dieser Website wird mit jedem Tag einseitiger. Das war mein Kritikpunkt.

    #270548

    Eine derartige Prügelattacke auf eine Familie mit Kind ist durch nichts zu rechtfertigen und die Täter sind streng zu bestrafen. Woher allerdings im Artikel die Gewissheit genommen wird, dass es sich um einen rassistischen Überfall handelt, vermag ich nicht zu erkennen, aber linke Glaskugelleser kennen sich bei sowas ja aus. Laut Polizei gehe man von einem fremdenfeindlichen Überfall aus. Das ist allerdings noch keine klare und abschließende Bewertung!

    #270549

    Anonym

    Wahrscheinlich stammt die „Gewissheit“ aus derselben Quelle, aus der auch die Ausländerkriminalität immer gleich „klar und abschließend“ bewertet wird. Wer die große Verantwortung für sämtliche(!) Kriminalität trägt, weiß ja auch jeder.

    Danke, Bauchgefühl! Danke, Postfakten!

    #270550

    Bauchgefühl und Postfakten sind also der Stil des Artikelschreibers und der erwähnten Linken? Na das nenne ich aber nun tatsächlich mal populistisch.

    #270551

    Anonym

    Danke, Porbitzer!

    #270552

    Aber gerne doch. Das ändert allerdings nicht daran, dass mit dem Artikel neben gerechtfertigter Empörung nur Mutmaßungen in Bezug auf die Täter verbreitet werden.

    Die jüngere Vergangenheit mit diversen Vorfällen an bzw. in Flüchtlingsunterkünften, bei denen zu Beginn auch nur Mutmaßungen propagiert wurden und letztendlich einen Täter mit der falschen Herkunft hervorbrachten, zeigte, das im Anschluss daran ein betretenes Schweigen der Bauchfühlenden eintrat.

    #270553

    Anonym

    Für richtig „sauberen“ Journalismus fehlt jetzt noch der ominöse Link zu mmnews, wo eindeutig und vor allem wahrheitsgemäß bewiesen wurde, dass alle Brände der Vergangenheit und auch der Zukunft(!) von hochkriminellen Wirtschaftsflüchtlingen gelegt wurden.

    Und das Interview mit dem enthaupteten Maritim-Hausmeister. Für den leichten Gruselschauer. Das fesselt die Leser und sorgt für Klicks.

    #270555

    Dem dir eigenen Stil folge ich aber nicht!

    #270556

    Anonym

    Deutlich erkennbar.

    #270570

    „Nummer eins: Dies ist das HalleSpektrum, das sich Nachrichten aus Halle verschrieben hat. Dieser Vorfall fand aber in Merseburg statt.“

    OK, der Punkt geht an dich. Das Verbrechen geht hier niemanden was an, weil 10 km außerhalb von Halle „passiert“.
    Aber irgend etwas scheint dich dran zu interessieren.

    #270568

    Man hat mittlerweile das Gefühl, das HalleSpektrum wäre das Sprachorgan linker Parteien und Bündnisse.

    Nein, es sind die Geschehnisse, welche zu Berichterstattungen führen.

    #270573

    Aber es kann auch mal Momente geben, wo man einfach nur noch schweigen kann, weil man keine Antworten auf bestimmte Themen mehr hat. Wie heute hier: http://www.stern.de/

    #270577

    Über Merseburg zu berichten ist nur okay, wenn man fragen kann „Einzelfall Nr.?“. Muss man wissen…

    #270580

    Also lieber rassistische Verbrechen unerwähnt lassen?

    Ich sehe hier mehrere logische Dilemmas:

    Nummer eins: Dies ist das HalleSpektrum, das sich Nachrichten aus Halle verschrieben hat. Dieser Vorfall fand aber in Merseburg statt.

    Und wenn das 100 km von Halle entfernt geschieht geht uns das genau so etwas an!! Was sind wir für eine Gesellschaft geworden, in der man solche „Vorfälle“ so einfach hinnimmt und zu der Tagungsordnung übergeht?!

    #270582

    Anonym

    Was sind wir für eine Gesellschaft geworden, in der man solche “Vorfälle” so einfach hinnimmt und zu der Tagungsordnung übergeht?!

    Ironischerweise eine sehr gefühlvolle. Leider eben auch faktenarm und -resistent.

    #270583

    Und wenn das 100 km von Halle entfernt geschieht geht uns das genau so etwas an!! Was sind wir für eine Gesellschaft geworden, in der man solche “Vorfälle” so einfach hinnimmt und zu der Tagungsordnung übergeht?!

    Solche Vorfälle werden schon lange hingenommen, nur DDR-Bürger können sich nicht dran gewöhnen. Die trauten sich früher auch im Dunkeln durch die Stadt zu laufen. Das besondere an diesem Vorfall ist, dass man ihn politisch ausschlachten und dem politischen Gegner in die Schuhe schieben kann.

    #270584

    Anonym

    Leider eben auch faktenarm und -resistent.

    Was unmittelbar im Anschluss bewiesen wurde.

    Zur Erinnerung:

    Kriminalität in der DDR (vor allem im Dunkeln): 0

    #270586

    Das besondere an diesem Vorfall ist, dass man ihn politisch ausschlachten und dem politischen Gegner in die Schuhe schieben kann.

    Es war nicht der politische Gegner? Wer war es denn ? Deine poitischen Freunde?
    Oder Niemand, weil es nirgendwo war ?

    #270591

    Na, jetzt wird uns Farbi und Co mal erklären, was daran nicht stimmt:
    Zitat: „Viele Menschen, die das Agieren der AfD nicht nur aber gerade auch in Sachsen-Anhalt beobachten, zeigten sich in den letzten Monaten entsetzt über deren Rhetorik, deren in Teilen offen rassistische und faschistoide Argumentation, deren Hass auf alles, was zu einer offenen Gesellschaft gehört, deren unverhohlene Hetze gegen alle, die sie als nicht dazugehörig kennzeichnen wollen.

    Das hier einige nicht zu den „vielen Menschen“ gehören wollen, haben sie ja mehr als deutlich gemacht!

    #270592

    Herzlichen Glückwunsch an den Autor „Redaktion“. Vier Zeilen Meldung und knapp 30 Zeilen Kommentar einer Sprecherin. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln noch, hier werden Nägel mit Köpfen gemacht. Aus einer Frau, die einen Enkel zu Besuch hat und ihrem liberianischen Freund wird schnell eine liberianische Familie gezaubert.

    (Unverständlich aber wie üblich werden die beiden Schläger/Assis laufen gelassen.)

    Macht weiter so, es geht bestimmt noch peinlicher, hallespektrum. Und tschüss.

    #270593

    redhall, was meinst du wohl, wie viele Menschen über deine Retro-Rhetorik entsetzt sind.

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