Kein Fußbreit Riveufer den Holzhackerbuben!

21. September 2018 | Politik | 17 Kommentare

Die Bäume am Riveufer sind ein echter Aufreger, auch in der Bevölkerung. Die SPD-Fraktion begrüßt deswegen die Ankündigung der Stadtverwaltung, ein drittes Gutachten zum Zustand der Bäume am Riveufer in Auftrag zu geben. „Wir haben seit Bekanntwerden der Planungen der Stadtverwaltung viele Gespräche geführt. Die vergangenen Tage haben noch einmal sehr deutlich gezeigt: Das Riveufer ist ein Ort, mit dem viele Hallenser emotional sehr verbunden sind – egal, ob sie im Mühlwegviertel, der Südstadt oder in Halle-Neustadt wohnen. Deshalb ist es richtig, sich bei der Entscheidung nicht unter Zeitdruck zu setzen“, so Johannes Krause, Vorsitzender der SPD-Fraktion Stadt Halle (Saale).

Die Erarbeitung des neuen Gutachtens gibt allen Beteiligten die Gelegenheit, die neuen Argumente aufzunehmen. „Wir werden die Zeit bis zum Vorliegen des Gutachtens der Martin-Luther-Universität nutzen, um weitere Gespräche zu führen und uns mit den Bürgern auszutauschen. Wenn das neue Gutachten vorliegt, tun wir alle gut daran, die Ergebnisse aller Gutachten genau abzuwägen und erst dann zu entscheiden, welchen Weg wir gehen.“

Riveufer während des Laternenfestes

Dagegen fordert der BUND das sofortige Zurückziehen der Beschlussvorlage zur Fällung. Für die Sanierung des Riveufers sollen laut Beschluss von Mehrheiten im Planungs- und Umweltausschuss 155 Altbäume fallen, darunter 149 Linden und 5 Kastanien. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisiert die geplante komplette Fällung als ungesetzlich, ökologisch kontraproduktiv und Geldverschwendung.  

Professor Helge Bruelheide vom Institutsbereich Geobotanik und Botanischer Garten der Universität Halle warnt ebenfalls vor einer Fällung. Bei einem Vor-Ort-Termin hat er keinen einzigen durch Pilzbewuchs gefährdeten Baum feststellen können. Ein behutsames Zurückschneiden von Wurzeln ermögliche eine notwendige Sanierung des Uferbereichs, ohne die betroffenen Bäume zu schädigen, erläuterte Bruelheide in einem Interview mit der Mitteldeutschen Zeitung.

Aufgrund dieser Experten-Meinung fordert der BUND das sofortige Zurückziehen der Beschlussvorlage zur Fällung der Linden am Riveufer und eine Überarbeitung des Sanierungskonzeptes unter Einbeziehung des Instituts für Geobotanik.

Die Stadtverwaltung möchte lt. dieser vorliegenden Stellungnahme das Unterstützungsangebot von Geobotaniker annehmen und behauptet: Der Zustand der Alleebäume am Riveufer wird nochmals wissenschaftlich untersucht. Dabei geht es insbesondere um die Möglichkeit, trotz der nötigen Kanalarbeiten bei der anstehenden Sanierung sämtliche Bäume zu erhalten. Die Stadtverwaltung hat ein entsprechendes Angebot des halleschen Geobotanikers Prof. Dr. Helge Bruelheide vom Institut für Biologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg angenommen.
„Wir haben bereits Kontakt aufgenommen“, sagt Oberbürgermeister Dr. Bernd Wiegand und betont: „Ziel der Stadtverwaltung ist nach wie vor, die Allee bei der geplanten Hochwassersanierung der Uferpromenade möglichst weitgehend zu erhalten.“
Die dem Stadtrat am 27. August 2018 vorgelegte Planungsvariante der Verwaltung sieht vor, mindestens 118 der insgesamt 146 alten Bäume an der Promenade zu erhalten. Maximal 28 Bäume müssten gefällt werden, da deren Wurzeln die Erneuerung des Kanals in der Straße verhindern würden. Experten des Instituts für Biologie werden nun untersuchen, ob die Wurzeln zurückgeschnitten werden können, ohne die Bäume zu gefährden.
Die Alleebäume am Riveufer haben laut Gutachten mehrheitlich eine Lebenserwartung von rund 15 Jahren. Die Verwaltung sieht im Erhalt der Alleebäume
für diesen Zeitraum einen größeren Wert als in einem kompletten Neuaufbau mit
jungen Bäumen.

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  • #325171

    Die Bäume am Riveufer sind ein echter Aufreger, auch in der Bevölkerung. Die SPD-Fraktion begrüßt deswegen die Ankündigung der Stadtverwaltung, ein dr
    [Der komplette Artikel: Kein Fußbreit Riveufer den Holzhackerbuben!]

    #325172

    Wozu also nochmal Geld für ein weiteres Gutachten in die Hand nehmen und weitere Gespräche und Gespäche und Gespräche führen?

    #325173

    Der Kollege von der Uni ist sicher auch ein versierter Tief- und Kanalbauer.

    #325174

    Nur Buchhalter hier im Forum… furchtbar. Ich weiß jedenfalls schon jetzt, dass sowohl SPD als auch CDU für mich für Halle unwählbar sind. Allein die dämlich Idee alles dem Kanalbau unterzuordnen, verdient eigentlich schon eine Tracht Prügel.

    #325175

    Ach Osmo. Auch wenn man Kanäle nicht sieht, heißt das nicht, dass sie keine Bedeutung haben. An dem da hängt mindestens ein Viertel der Stadt. Unterzuordnen ist da vielleicht das falsche Wort.

    #325183

    Wisst ihr eigentlich was ihr wollt? Hier wird durch die Verwaltung etwas ausführlich geprüft, das Anliegen der Bürger, das Riveufer zu erhalten wird ernst genommen und ihr meckert über „weitere Gespräche und….“?

    #325189

    Es geht nicht einfach um „das Anliegen der Bürger, das Riveufer zu erhalten“. Das Riveufer bleibt erhalten. Es geht darum, ob die Bäume trotz Kanalsanierung erhalten werden können. Das ist sicher keine einfache Frage und könnte für die Stadt teuer werden. Es ist nicht unproblematisch, wenn den Bäumen bei den Baggerarbeiten die Wurzeln weggeschnitten werden. Man kann ja sehen, wie dicht die am Kanal stehen. Aber Aldag ist ja auch kein Laie und er meint, es geht.

    #325194

    Ohne Kenntnis des bestehenden Gutachten u. der notwendigen Baumassnahmen an einer der wichtigsten Kanäle der Stadt ist es nicht einfach ausser natürlich der populistischen Darlegung einiger Kommunalpolitiker über das Fällen von Bäumen etwas zu sagen.
    Aber der Jackwolfskinbürger u. Die Neophytenjäger (kurz Biorassisten) lässt sich gerne agitieren.

    Und unabhängig davon ist die Maxime möglichst jeden Baum zu erhalten auch aus Verkehrssicherungsgründen nicht ungefährlich.
    Warten wir ab , wenn sich das durchsetzt, u. der erste Ast eines kranken Baumes ein Kind trifft auf einer der heiligen Baumalleen…..

    Das eigentliche Problem ist die Frage, wenn das wieder eine besondere Priorität hat, welche Mittel hat die Grünabteilung der Stadt um alle Bäume zu pflegen u. ggg. Gutachterlich oder mit Sachverstand zu bewerten.

    Aber Die Kommunalwahlen kommen ja bald….

    #325199

    „Aber der Jackwolfskinbürger u. Die Neophytenjäger…“

    Das klingt preisverdächtig. 🙂

    #325203

    Toller Romantitel auf jeden Fall. Untertitel: Aus dem Leben eines Biorassisten. Ich schlage es Paula für den Büchermahlstrom vor, wenn es denn geschrieben ist.

    #325282

    Es ist möglich nun die für einen Laien fundierten Baumgutachten einzusehen:
    Mit ein wenig Ironie ist unter anderem zu lesen , das die Baumfällungen aufgrund des gebauten Abwasserkanals schon einmal alle Kastanienbäumen als Allee das Leben kosteten bis auf einige sehr alte Rosskastanien. Ride liess damals wegen der desolaten wohl Hygienischen Verhältnisse den Grössen Abwassersammler bauen…

    Im Gutachten von Herrn Dengler ist meines Erachtens eine wesentliche Problematik beschrieben:
    Die Wurzeln gehen nicht sehr tief (Max. 6o cm) u. Haben sich wohl auch soweit sie könnten mit den Gehwegsteinen verwachsen. HEISST dann wohl auch sehr OBERFLÄCHENNAH.
    Selbst wenn also man vorsichtig vorgeht, ist scheinbar das Risiko sehr hoch nach den Baumassnahmen einen hohen Anteil der Bäume zu verlieren.
    Das steht so nicht in dem Gutachten, aber erschliesst sich logisch.

    Die umfangreichen Untersuchungen (Wurzeln , Baumringe usw…) bis zu visuellen Untersuchung sagen eindeutig Erkrankungen liegen vor.
    Es wird davon ausgegangen das gerade das Hochwasser das Wurzelwerk weiter geschwächt hat.
    Die Bäume werden werden penibel nach Lebensdauer eingeschätzt.

    ohne Beurteilung der Auswirkungen der Baumassnahmen denke ich tötet man halt alle Bäume die eine Lebensdauer unter bis gleich 10 Jahre hat u. Lässt die ab 15 Jahre Lebensdauer stehen. DAMIT wäre der Grossteil der GESCHWÄCHTEN u. Kranken Linden noch da u. Kann dann teilweise je nach Bruchgefahr gefällt werden u. Erneuert werden.

    Es ist ohne meine fachliche Unkenntnis als Leser jeweils des Umfangreichen Gutachtens jedenfalls eine Frechheit Herrn Dengler als Fachidioten dastehen zu lasse, da müssen sich die Uniprofessoren schon tiefer mitbeschäftigen…..

    #325285

    Interessant wäre auch, ob die Herrschaften von der Uni mit Ihrer nur 7 seitigen Inaugenscheinnahme auch Vorschläge haben, wie die Krankheiten die die Linden haben den gebessert werden können ?

    #325603

    Die Bäume sind plötzlich gesundet:

    https://bit.ly/2IwGiHZ

    Spontanheilung oder nie krank gewesen?

    #325644

    teu

    Bezahlte „Gutachten“ nützen dem Zahlungsempfänger.
    Deshalb sollten die Auftraggeber beim „VEB Grünanlagenbau“ und im Umweltausschuss via „Gutachten“ überprüft werden.
    Das rettet Leben, wenn auch nur das von Bäumen.

    #326369

    Nach den aktuell Pressenachrichten bin ich doch entsetzt:
    Hat sich tatsächlich ein Gremium aus Stadträten zum Erhalt der Bäume entschieden durch wissenschaftliche Untersuchungen wie dem „handauflegen“, u. es gibt eine Rückäusserung der Gutachter oder Verteidigung der alten umfangreichen Expertisen ?
    Dann wird es zukünftig spannend bei Bauvorhaben……

    #326370

    Das ist doch schon lange spannend in Deutschland. Ein Wunder, dass in den Bäumen keine Schlitzohrfledermäuse ihr Quartier haben.

    #326371

    Das kommt sicherlich noch.

    #326400

    https: //www.mz-web.de/halle-saale/zweifel-an-baumfreundlichen-gutachten-linden-am-riveufer-droht-neues-ungemach-31429250

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