Einst als Butterfarbe und Kapernersatz geschätzt

12. Juli 2021 | Bild der Woche | 1 Kommentar

Früher gehörte unsere Rätselpflanze mit ihren sattgelben Blüten im Frühling und Sommer zum typischen Erscheinungsbild von Feuchtwiesen, Auen- und Erlenbruchwäldern sowie von Quell-, Bach- und Grabenrändern. Durch die Begradigung von Bächen und die Trockenlegung von feuchten Wiesen und Niedermooren gingen zunehmend Habitate dieser einst verbreiteten Pflanze verloren und katapultierten sie sogar in einigen Bundesländern auf die Rote Liste gefährdeter Pflanzen. 

Die auffällige Blume liebt nährstoffreiche Böden. Sie wird ca. 0,5m hoch, hat herz- bzw. nierenförmige stängellose dunkelgrüne Blätter und blüht von März bis Juni. Die mehrjährige krautige Pflanze bildet einen kräftigen Wurzelstock. Carotinoide färben die Blüten kräftig gelb. Auf den Blütenblättern sind im UV-Licht sogenannte Saftmale zu erkennen. Insekten können die sehen und finden so schneller den reichen Pollen- und Nektarvorat. Nach der Befruchtung bilden sich aus den Schalenblüten die sogenannten Balgfrüchte. Wenn sie reif sind, reißen sie auf einer Seite auf und geben die 2-3mm großen Samen frei. Durch aufprallende Regentropfen  werden die reifen schwimmfähigen Samen herausgeschwemmt. Sie breiten sich dann entlang der Wasserläufe aus. 

Das Hahnenfußgewächs gilt als leichte Giftpflanze. Das Weidevieh meidet deshalb diese Wiesenblume. Trotzdem wurde sie früher als Nahrungsmittel genutzt. Es wurden die nicht aufgeblühten Knospen der scharf schmeckenden Pflanze in Essig und Öl eingelegt und als Kapernersatz gegessen, was zu leichten Vergiftungserscheinungen führen konnte.  Und die goldgelben Blüten mischte man unters Viehfutter, damit die Butter schön gelb gefärbt wurde. 

Als Heilpflanze hat das Sumpfgewächs keine besondere Bedeutung erlang. Hieronymus Bock schreibt dazu in seinem „Kreütterbuch“ von 1539: „Die Kinder haben ihre Kurzweil und Freude mit diesen schönen Goldblumen. Werden jezunder nit sonders als inn der Arznei gebraucht.“ 

(H.J. Ferenz)

Auflösung der letzten Pflanze der Woche („Futter für die Polizei“): Vogelkirche, Süßkirsche, Prunus avium

Unser User @Kenia hat Polizei und den Daumen drauf: wir suchten die Süßkirsche, botanisch Prunus avium, deren Wildform die Vogelkirsche ist. Nicht zu verweichseln mit der Sauerkirsche, der so genannten Weichselkirsche (Prunus cerasus).

Die Süßkirsche ist eine der wenigen Obstbäume, deren Wildform bei uns in Mitteleuropa heimisch ist. Wann sie in Kultur genommen wurde, bleibt im Dunkeln. Kerne der Wildform fanden sich bereits in jungsteinzeitlichen Siedlungen. Um die antike Stadt Cerasus (griechisch Kerasunta) in Kleinasien sollen bereits seit 400 v. Chr. besonders schmackhafte Süßkirschen, wohl bereits Zuchtformen, angebaut worden sein. Zumindest der Name der Stadt übertrug sich auf die Frucht: Aus lateinisch Cerasus wurde Cherry und Kirsche – und ging auch in das  Marken-Wortspiel „Mon Cheri“ für die mit einer alkoholisierten Kirsche gefüllte Schokolade (Cerise (franz.) Kirsche).

Gesucht hatten wir nach den merkwürdigen „Knubbeln“ an den Blattansätzen – und hier wusste Kenia auch Rat: es sind so genannte „extraflorale Nektarien“, also Nektarspender außerhalb der Blüte. Sie dienen nicht dazu, Bestäuber anzulocken (das tun schon die herrlich weißen Blüten, die Kirsche ist eine hervorragende Bienenweide). Die süßen Knötchen an den Blättern sind „Polizeifutter“: sie locken Ameisen an, die wiederum vertreiben Schädlinge, insbesondere Schmetterlingsraupen.

Und was war mit dem Gift in den Kirschen? Fast alle Kernobst-Arten produzieren giftige Blausäure im Stein, bzw. Blausäureglykoside, die, wenn sie zerbissen werden, das Gift freisetzen. Die Pflanze „will“ zwar, dass ihre Früchte gefressen und verschluckt werden. Deshalb produziert sie ja das süße Fruchtfleisch. Aber die Kerne sollen natürlich nicht zerbissen werden, sondern den Tierkörper möglichst unbeschädigt hintenrum wieder verlassen. So wird die Art verbreitet.

Uns Menschen wird die Blausäure normalerweise nicht gefährlich, auch wenn wir einen Kern verschlucken. Problematisch kann es nur werden, wenn zur Herstellung von Schnaps übermäßig viele Kerne mit vergoren, möglicherweise wegen der feinen Bittermandelnote auch  noch zerstoßen werden. Im Destillat können sich dann bedenkliche Mengen an Blausäure sammeln. An einem ordentlichen Schwarzwälder Kirschbrand kann man sich durchaus vergiften – selten dürfte da aber die Blausäure schuld sein.

 

(HW)

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