Wissenschaftler der Uni Halle erforschen Verspieltheit bei Erwachsenen

8. Januar 2017 | Bildung, Natur & Gesundheit | 3 Kommentare
Löwengebäude auf dem Universitätsplatz. Foto: Norbert Kaltwaßer

Löwengebäude auf dem Universitätsplatz. Foto: Norbert Kaltwaßer

Anders als bei Kindern ist Verspieltheit bei Erwachsenen bisher nur wenig erforscht. „Modelle der Verspieltheit im Kindesalter wurden oft auf Erwachsene übertragen. Dadurch gehen aber viele Aspekte verloren, zum Beispiel solche, die sich auf romantische Beziehungen oder intellektuelle Leistungen beziehen“, sagt PD Dr. René Proyer vom Institut für Psychologie an der Martin-Luther-Universität.

In mehreren Studien und Befragungen mit rund 3.000 Teilnehmern ist Proyer dem Phänomen bei Erwachsenen auf den Grund gegangen. Die Studien zeigen, dass Verspieltheit bei Erwachsenen ganz unterschiedlich zum Ausdruck kommt und positiv zu bewerten ist. Gerade im deutschen Sprachraum ist sie aber oft negativ besetzt: Verspielte Menschen werden mitunter nicht ernst genommen oder als unzuverlässig eingeschätzt. Zu Unrecht, wie Proyer sagt: „Wenn es etwa um das Lösen komplexer Problemstellungen geht, können sie leicht die Perspektive wechseln. Dadurch finden sie ungewöhnliche und neue Lösungen.“ Verspieltheit ist aber nicht gleichzusetzen mit Humor.

Insgesamt identifiziert der Psychologe vier Grundtypen von verspielten Erwachsenen: „Es gibt Menschen, die gern mit Freunden und Bekannten herumalbern. Das beschreiben wir mit der auf andere ausgerichteten Verspieltheit. Leichtherzig verspielte Menschen dagegen sehen ihr ganzes Leben eher als Spiel“, so Proyer. Eine weitere Kategorie sind die Menschen, die gerne mit Ideen und Gedanken spielen – das beschreibt die intellektuelle Verspieltheit. Die Menschen könnten auch eintönige Aufgaben für sich interessant gestalten. Die letzte Gruppe beschreibt der Psychologe als extravagant Verspielte: „Menschen mit dieser Tendenz interessieren sich für seltsame und groteske Dinge und können sich an kleinen Beobachtungen im Alltag amüsieren.“

Die aktuelle Studie gebe auch Anreize für weitere Forschungsbereiche, wie der Evolutionspsychologie: Zwar hat Verspieltheit keinen direkten Überlebensvorteil, könnte aber bei der Partnerwahl und in Liebesbeziehungen eine wichtige Rolle spielen. Mit diesem Thema werden sich die halleschen Psychologen in den kommenden Monaten beschäftigen.

Die Forschungsergebnisse veröffentlichte der Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe der internationalen Fachzeitschrift „Personality and Individual Differences“: Proyer, René T. A new structural model for the study of adult playfulness: Assessment and exploration of an understudied individual differences variable. Personality and Individual Differences 108 (2017) 

 

Ace

 

 

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