Freunde der Bau- und Kunstdenkmale erwarten Antworten!

15. Januar 2019 | Politik | 38 Kommentare

Die Freunde der Bau- und Kunstdenkmale Sachsen-Anhalt e.V. sind entsetzt über den Umgang der HVG in der Hafenstraße 7 und haben der Stadtspitze einen offenen Brief geschrieben: „Mit Betroffenheit und Empörung mussten wir, die Freunde der Bau- und Kunstdenkmale Sachsen-Anhalt e. V., zur Kenntnis nehmen, dass nach der Räumung
der ehemaligen städtischen Gasanstalt in der Hafenstraße 7 (,,Hasi“) durch den bisherigen Nutzer, den gemeinnützigen alternativen Kulturverein Capuze e. V., die  Eigentümerin dieses lndustriedenkmals, die Hallesche Wohnungsgesellschaft (HWG), einen Teil des denkmalgeschützten Bauensembles abgerissen hat. Es handelt sich um
das ehemalige Kessel- und Reglerhaus, dass der Capuze-Verein baulich gesichert und nutzbar gemacht hatte. Wir erwarten Auskunft zu folgenden Fragen:

  • Lag vor dem Abriss eine Abrissgenehmigung für das geschützte Baudenkmal vor oder ist der Abriss gesetzwidrig erfolgt und juristisch zu ahnden?
  • lnwiefern werden die von der HWG zum Jahresende 2018 angekündigten Planungen für eine Neunutzung des Gesamtensembles dessen Denkmalstatus gerecht, oder
    sind weitere Zerstörungen zu befürchten?
  • Wir fordern alle Entscheidungsträger auf, einen verantwortungslosen, gegebenenfalls gesetzwidrigen Umgang mit diesem bedeutenden Denkmal hallischer lndustriegeschichte zukünftig zu unterbinden.

lm Namen des Vereins der Freunde der Bau- und Kunstdenkmale Sachsen-Anhalt e.V. Halle, den 05.01.2019″

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Dieses Thema enthält 38 Antworten und 11 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  farbspektrum vor 5 Monate, 1 Woche.

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  • #335497

    Die Freunde der Bau- und Kunstdenkmale Sachsen-Anhalt e.V. sind entsetzt über den Umgang der HVG in der Hafenstraße 7 und haben der Stadtspitze einen
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    ¡Hay arte! ¡Hay poesía!… Debe haber cielo. ¡Hay Dios!
    Rosalía de Castro

    #335498

    „mit diesem bedeutenden Denkmal hallischer lndustriegeschichte “
    Ich glaube, die alten Herrschaften schnappen über. 600m weiter werden mit dem Gasometer und der Fabrikantenvilla zwei wirklich wichtige Denkmäler der Industriegeschiche erhalten, Da brauchte man nicht noch die kaum sichtbaren Überreste der Gasanstalt in der Hafenstraße.
    Weiß jemand genaueres über die Fabrikantenvilla? Sie befindet sich doch auf dem Gelände der Gasanstalt.

    #335499

    Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele Leute es gibt, die die Relevanz von Denkmalen fachlich einordnen können und sich über hopp oder top öffentlich auslassen.
    Spätestens, wenn ein historisches Bauwerk von den Fachbehörden (hier Landesamt f. Archäologie und Denkmalpflege) als Denkmal deklariert wird ist dies zu akzeptieren! Denkmalschutz funktioniert so: eine Fachbehörde stellt die Denkmaleigenschaft fest und deklariert diese, durch das DschG LSA wird der Schutz rechtlich definiert. Für die Wahrung des Schutzstatus sind die Denkmalämter in den Kreisen und Kommunen, sowie die obere Denkmalschutzbehörde im Landesverwaltungsamt zuständig. (Achtung: verkürzte Darstellung)
    Das alles kann man doof oder überflüssig finden (wenn man die Tragweite des Erhalts unseres kulturellen Erbe nicht versteht), es ändert aber nichts daran, dass Denkmalschutz unverhandelbar ist.
    Und bitte, versucht bei den folgenden Kommentaren mal die Geschichte um die Hasi vom Grundstück/ Denkmal Hafenstraße 7 – der ehemaligen Gasanstalt zu trennen. Dann klappt es vielleicht auch mit weniger Schaum vor dem Mund.

    #335500

    „Spätestens, wenn ein historisches Bauwerk von den Fachbehörden (hier Landesamt f. Archäologie und Denkmalpflege) als Denkmal deklariert wird ist dies zu akzeptieren!“
    Nein, die Zeiten mit “ Das ist so. Basta.“ sind vorbei. Bisher habe ich noch keine Erläuterung gehört, was an diesen kaum sichtbaren Resten der ehemaligen Gasanstalt erhaltenswert ist.

    #335501

    Werter Herr Feigel! Es ist völlig sinnlos, „Farbspektrum“ zu erklären, welche rechtlichen Auswirkungen die Entscheidung der Fachbehörde hat, zumal die HWG zu keiner Zeit Widerspruch/Klage gegen die Entscheidung über den Denkmalstatus eingelegt hat. Sparen Sie sich Ihre wertvolle Zeit.

    #335506

    Unser bunter Freund meint, dass im Zweifel der Baggerfahrer über den Denkmalstatus entscheiden soll.

    #335507

    Wer hat eigentlich den Backofen auf dem denkmalgeschützten Bauensemble gebaut?

    #335512

    Frag den Baggerfahrer. Der hat ihn für ein Denkmal gehalten und stehengelassen.

    #335520

    Reinemachefrauen entscheiden manchmal auch über Kunstwerke, und was den Reinemachefrauen bei Kunstwrken zusteht, das steht den Baggerfahrern auch bei Denkmalen zu.
    Aber im Ernst, die HWG wusste um die Brisanz dieses Gebäudes, dass es im öffentlichen Blickpunkt steht, da wäre es fatal, wenn sich hier Achtlosigkeit herausstellen würde.

    #335522

    Ach wolli, wieviele Entscheidungen durch Achtlosigkeit, die fatale Folgen hatten gab es schon durch die Stadtverwaltung, bzw. deren verlängerter Arm?

    #335541

    „die fatale Folgen hatten “
    Welche denn?

    #335574

    Wolfgang Stauch fragt so als ob er es wüsste, ich weiß es jedenfalls nicht.
    Ich meine nur, die HWG hätte hier sehr sehr sorgfältig sein müssen.
    Diese ganze Räumungsgeschichte mit Nichträumung ist schon dubios genug.

    #335579

    Was macht denn ein Bauwerk zum Denkmal? Das mit der Fachbehörde ist mir zu billig, denn die Ausweisung möglichst vieler Denkmäler ist Selbstzweck zur Daseinsberechtigung ebendieser und nachgelagerter Behörden. Verbunden mit entsprechenden Stellenbesetzungen und Zahlungsflüssen.

    Und wenn Denkmalschutz unverhandelbar ist, wird er zum Popanz der die Nutzung eines Bauwerks erschwert oder gar verhindert. Spätestens dann schwindet die Akzeptanz. Folge ist Verfall, zu DDR-Zeiten nannten wir das „Ruinen schaffen ohne Waffen“ und die Kommunisten waren die Meister darin. Heute spielen sie sich als die großen Erbebewahrer auf, vielleicht sind des gar dieselben Leute.

    #335580

    „Was macht denn ein Bauwerk zum Denkmal?“

    Ein Bescheid. Den kann nur ein Gericht kassieren. Punkt. Ende Gelände. 2019. Rechtsstaat. Immer noch.

    #335582

    Rugby, das Gesetz macht ein Denkmal zum Denkmal.

    Aber deine Logik ist brennend, denn sie passt zu wirklich jeder Behörde auf diesem Planeten. Von Naturschutzbehörde bis Feuerwehr.

    #335585

    „Rugby, das Gesetz macht ein Denkmal zum Denkmal.“
    Nein, das macht die Denkmalschutzbehörde.

    #335586

    Das mit der Fachbehörde ist mir zu billig, denn die Ausweisung möglichst vieler Denkmäler ist Selbstzweck zur Daseinsberechtigung ebendieser und nachgelagerter Behörden.

    1. Das Fachamt hat keine nachgelagerten Behörden.
    2. Die untere Denkmalbehörde entscheidet im Benehmen mit dem Fachamt
    3. Gegen Entscheidungen der unteren Behörde (Hier bei der Stadt ansässig) kann man bei der oberen Denkmalbehörde (beim Landesverwaltungsamt) Beschwerde einlegen.
    4. Da drüber gibt es noch die oberste Behörde, das ist die Staatskanzlei
    5. Bevor man Romane schreibt, erstmal das Denkmalschutzgesetz des Landes Sachsen-Anhalt lesen.
    6. Anderes Beispiel: Von wem möchtest du in medizinischen Angelegen beraten werden? Von Ärzten oder dem Klempner nebenan?
    Einerseits wird immer rumlamentiert, Politiker hätten keine Ahnung von dem, was sie entscheiden. Andererseits sind offenbar Fachbehörden mit entsprechenden Fachleuten auch nicht recht, denn im Zweifel vertrauen Farbi lieber auf ihr „gesundes Volksempfinden“, auch wenn sie – wie selber dokumentiert- nichts wissen. („Wir haben doch schon ein Gasometer“)

    #335592

    Im praktischen Leben hat sich herausgestellt dass das gesunde Volksempfinden sehr hilfreich ist, wenn man mit beiden Beinen im Leben steht.
    Es ist halt so, dass manche Leute schwulstige Blasen von sich geben können, aber bei rationalen Erklärungen in Schweigen verfallen.

    #335595

    Eine „rationale Erklärung“ sollte in der Regel auf Wissen beruhen, gelle?

    #335597

    Man kann nicht alles wissen. Man kann aber mit seinem Wissen und seiner Lebenserfahrung vieles rational beurteilen.
    Trotz aller Auffordrung hört man nur Empörte mit hochrotem Kopf tönen, ohne das einer bisher erklärt hat, warum es ein Denkmal sein soll.
    Was ist denn dein Wissen, warum die alte Gasanstalt ein Denkmal sein soll.

    #335598

    „Was ist denn dein Wissen, warum die alte Gasanstalt ein Denkmal sein soll.“

    Eventuell deshalb, weil es die einzige alte Gasanstalt in Halle ist?

    #335600

    Ich habe noch keinen Feuerwehrmann Feuer legen sehen, nur damit er mal was zu tun kriegt (gelegentliche Ausnahmen, die man Pressemeldungen entnehmen kann, sind verbunden mit krimineller Energie).

    Aber Behörden, welche den Verfall verwalten, sind schon sehr speziell. Ich rede ja nicht der Denkmalschleiferei das Wort. Wenn ein öffentliches Interesse am Denkmalschutz besteht, dann muß die Öffentlichkeit diesen auch finanzieren.

    Was hat die Stadt denn gehindert, die H7 aus der HWG herauszulösen und dann denkmalschutzgerecht zu entwickeln? Oder aber der HWG, als kommunales Unternehmen, den finanziellen Spielraum zur Entwicklung bereitzustellen? Einfache Antwort, das Geld. Es sind dieselben Lumpen, die im Aufsichtrat die Daumenschrauben anziehen (Ertragserwartung) und im Stadtrat dann über die pöse,pöse HWG herziehen, wenn was schiefgeht (ich unterstelle mal keine Absicht bis zum Beweis des Gegenteils) oder wenn es um Investitionen und Projekte geht.

    #335622

    Ich bin auf ein Bild der ehemaligen Gasanstalt Merseburg gestoßen. Das Gebäude sieht aber der Hafenstraße 7 verdammt ähnlich. Es scheint sich um einen Typenbau der damaligen Zeit zu handeln.
    eine grafik

    #335624

    Da kommen wir doch der Sache schon näher. Die Hallesche Gasanstalt ist allerdings 10 Jahre älter (1856), und von der Merseburger ist nichts mehr vorhanden. In Halle dürften wir es mit einem der ältesten erhaltenen Zeugnissen der Stadtgasversorgung zu tun haben. Dazu gehört als Denkmal nicht nur das Verwaltungsgebäude im mittlerweile selten gewordenen Stil des preußischen romantischen Klassizismus. Mindestens so wichtig sind die gemauerten Gasometerrotunden und eben auch die technischen Einrichtungen – wie etwa das (gerade zerstörte) Heizhaus. Die erste Gasanstalt in Halle ist ein Zeugnis früher Industriegeschichte in Deutschland, einer Zeit, als Gasversorgung in den meisten deutschen Städten noch lange Zukunftsmusik war.

    Genau in jener Zeit begannen Chemiker in Preußen und England sich Gedanken zu machen, was man mit dem Teer anstellen sollte, den man bis dahin als lästige Abfallprodukt in stinkenden, giftigen Gruben entsorgte. Runge (Preußen) und Perkin(England) entdeckten darin Anilin und Verwandte Substanzen, erfanden auf deren Basis die ersten synthetischen Farbstoffe. Das war der Beginn der deutschen Teerfarbenindustrie – die Keimzelle der europäischen, insbesondere der deutschen Chemieindustrie. Bayer,Höchst, BASF- alle diese Firmen haben in diesem Dreck ihre Wurzeln. Das sind deutsche Erfolgsgeschichten, die man anhand der Halleschen ersten Gasanstalt erzählen kann.
    Aber reißt es nur weg.

    #335626

    „Dazu gehört als Denkmal nicht nur das Verwaltungsgebäude im mittlerweile selten gewordenen Stil des preußischen romantischen Klassizismus.“

    https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Kulturdenkmale_in_Halle_(Saale)/N%C3%B6rdliche_Innenstadt

    „Mindestens so wichtig sind die gemauerten Gasometerrotunden“
    Ist das jetzt lustig oder schon nicht mehr?

    „und eben auch die technischen Einrichtungen – wie etwa das (gerade zerstörte) Heizhaus“
    Welche technischen Einrichtungen gab es denn dort?

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