Spiel-App an der MLU lehrt Zitieren

10. Dezember 2020 | Bildung und Wissenschaft, Vermischtes | 23 Kommentare
Zum wissenschaftlichen Arbeiten gehört auch korrektes Zitieren. Im Juristischen Bereich der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) wurde deshalb eine App entwickelt, mit deren Hilfe Jura-Studierende dies auf spielerische Art quasi nebenbei lernen können. “CitApp: Das Jura-Zitierspiel” ist jetzt für Android und Windows 10 verfügbar und kann bundesweit genutzt werden.

Gravierende Punktabzüge, im schlimmsten Fall eine nicht bestandene Prüfung: Formale Mängel in schriftlichen Arbeiten haben schon manchen Jura-Studierenden echte Probleme bereitet. Gerade in den ersten Semestern widme sich ein Drittel der Bewertung von Arbeiten ausschließlich den Fehlern bei Formalien, sagt Ottmar Rensch, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Leiter eines ungewöhnlichen Projektes am Lehrstuhl für Strafrecht und Strafprozessrecht. Dort ist in den vergangenen zweieinhalb Jahren eine App entwickelt worden, mit der angehende Juristinnen und Juristen selbst das korrekte Zitieren lernen sollen. Finanziert wurde sie mit 146.000 Euro aus Hochschulpakt-Mitteln.

Zu Themen wie Fußnoten oder Literaturangaben in einer wissenschaftlichen Arbeit habe es im juristischen Bereich der MLU in der Vergangenheit zwar Angebote gegeben. Die Vorlesungen seien aber nicht gut besucht gewesen, sagt Dr. Marcus Bergmann, der 2017 den Antrag zur Finanzierung des Projekts gestellt hat. Auch Seminare oder zahlreiche Handreichungen halfen nur bedingt. “Es ist immer noch eine Schwachstelle. Deshalb haben wir überlegt, was man tun kann.”, so Bergmann. Die Idee: ein Spiel mit eingebauten Lerneinheiten. Also nicht das “Modell trockene Vorlesung”, sondern eine App, die man auch vor Vorlesungsbeginn, in Pausen oder in der Straßenbahn nutzen kann und mit der Studierende im Idealfall Spaß haben. Die Idee der so genannten “serious games” sei vor allem in den USA weit verbreitet, so Bergmann.

In der CitApp bauen Teilnehmer eine virtuelle Stadt. Um dafür Geld zu verdienen, Rohstoffe zu generieren oder neue Aufgaben freizuschalten, müssen sie zunächst Quizaufgaben lösen und verschiedene Tutorials absolvieren. In den anschließenden Übungsaufgaben sollen dann zum Beispiel Fehler in Zitationen gefunden, Bestandteile einer Literaturangabe korrekt sortiert oder Arbeiten richtig gegliedert werden. Der Schwierigkeitsgrad steigert sich im Laufe der Zeit. Derweil kann die Stadt immer weiter ausgebaut werden: mit Marktplatz, Mühlen, einer Bibliothek, Wohnhäusern, Ackerflächen, Dekoration. Und Schutztürmen – von ihnen aus wird die Stadt verteidigt, wenn Plagiatoren und Bücherwürmer sie angreifen und Häuser in Ruinen verwandeln.

Das Spiel komplett durchzuspielen, dauert mehrere Stunden. Im Vorfeld der Entwicklung wurden Erst- und Drittsemester zu ihrer Smartphone-Nutzung und ihren Spielgewohnheiten befragt. “Ganz viele spielen fünf bis zehn Minuten am Tag. Deswegen wurde die CitApp so konzipiert, dass man sie ohne Nachteile jederzeit an- und ausschalten kann.”, so Rensch.

Für die technische Umsetzung sorgte die Rat King Entertainment GbR aus Halle. Heruntergeladen werden kann die App im Google Play Store, die Windows-Version für den PC steht auf der Webseite des Projekts zur Verfügung. Mit den sehr spezifischen Quellen in der Rechtswissenschaft und deren konservativen Regeln beim Zitieren ist sie nach Angaben der beiden Projektverantwortlichen zwar ausschließlich auf Jura-Studierende zugeschnitten. Die Zielgruppe sei dennoch groß, so Bergmann – bundesweit gibt es laut Statistischem Bundesamt mehr als 110.000 angehende Juristinnen und Juristen.

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Ansicht von 24 Beiträgen - 1 bis 24 (von insgesamt 24)
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  • #386730

    Zum wissenschaftlichen Arbeiten gehört auch korrektes Zitieren. Im Juristischen Bereich der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) wurde des
    [Der komplette Artikel: Spiel-App an der MLU lehrt Zitieren]

    #386731

    Jetzt muss man den angehenden Wissenschaftlern schon “spielerisch” elementare Regeln des akademischen Anstands beibringen?

    #386732

    Anonym

    Nein, nichts “muss”, das Spiel ist nicht Teil des Lehrplans. Außerdem geht es nicht (nur) um Anstand, sondern eher darum, dass schon ein falsch gesetztes Komma zu einer fehlerhaften Fußnote führen kann.

    #386733

    ja, das klingt, als würde man die kinder-Uni beschreiben

    #386734

    Früher war „verschulen“, jetzt gibt es „verkindergarten“ – wie ist das zu toppen? „Verchristlichen“ im Sinne der wissenschafts- sowie faktenresisteten CDU/CSU?

    #386735

    Anonym

    Wenn ihr glaubt, dass das Spiel Kindergarten ist, versucht doch mal, die Aufgaben darin zu lösen.

    #386737

    Wie viele Juristen arbeiten eigentlich wissenschaftlich?
    Und wie viele sind derzeit in der Grundlagenforschung beschäftigt?

    #386864

    Anonym

    Wie viele Juristen arbeiten eigentlich wissenschaftlich?

    Und wie viele sind derzeit in der Grundlagenforschung beschäftigt?

    Danke für das Interesse an der CitApp, oder zumindest am Thema! Die Frage nach der Wissenschaftlichkeit wird selbstverständlich auch im Spiel beantwortet: https://i.imgur.com/N7aiV5H.jpg

    #386876

    Wie viele Juristen arbeiten eigentlich wissenschaftlich?

    Und wie viele sind derzeit in der Grundlagenforschung beschäftigt?

    Danke für das Interesse an der CitApp, oder zumindest am Thema! Die Frage nach der Wissenschaftlichkeit wird selbstverständlich auch im Spiel beantwortet: https://i.imgur.com/N7aiV5H.jpg

    Cool – die bessere Geschichte gewinnt. Wissenschaftsmärchen. Verständlich, dass viele Politiker vorher Märchenwissenschaft studiert haben. Grundlagen sind schon wichtig. Schummeln, Flunkern, Verbiegen sind super Eigenschaften für das Bestehen im öffentliche Leben.

    #388385

    Ich kann die negativen Kommentare überhaupt nicht nachvollziehen! Muss man immer direkt meckern?!

    Game based Learning und Serious Games haben nichts mit Kindergarten zu tun sondern sind ihrerseits anerkannte Forschungsgebiete der Didaktikwissenschaft! Bei der App geht es doch darum, mit spielerischen Elementen die Studierenden dazu zu motivieren, sich mit langweiligen und trockenen Inhalten zu befassen. Und dabei mit der Zeit zu gehen (Stichwort Digitalisierung) finde ich super! Außerdem zeigt uns doch gerade die aktuelle Situation wie wichtig es ist, digitale Lehr- und Lernangebote bereitzustellen! Außerdem schließt diese App echt eine Lücke, wie ich aus eigener Erfahrung berichten kann. Anstatt nur, wie in einem Lehrbuch, das theoretische Wissen bereitzustellen, ermöglicht sie autonomes anwendungsorientiertes (!!!) Erlernen und Üben der Inhalte. Von mir gibts einen Daumen nach oben für diese kreative Idee!

    #388386

    Wie viele Juristen arbeiten eigentlich wissenschaftlich?

    Und wie viele sind derzeit in der Grundlagenforschung beschäftigt?

    Danke für das Interesse an der CitApp, oder zumindest am Thema! Die Frage nach der Wissenschaftlichkeit wird selbstverständlich auch im Spiel beantwortet: https://i.imgur.com/N7aiV5H.jpg

    Cool – die bessere Geschichte gewinnt. Wissenschaftsmärchen. Verständlich, dass viele Politiker vorher Märchenwissenschaft studiert haben. Grundlagen sind schon wichtig. Schummeln, Flunkern, Verbiegen sind super Eigenschaften für das Bestehen im öffentliche Leben.

    Dieser kommemtar hat inhaltlich überhaupt nichts mit der App zu tun…

    #388402

    Ich kann die negativen Kommentare überhaupt nicht nachvollziehen! Muss man immer direkt meckern?!

    Game based Learning und Serious Games haben nichts mit Kindergarten zu tun sondern sind ihrerseits anerkannte Forschungsgebiete der Didaktikwissenschaft! Bei der App geht es doch darum, mit spielerischen Elementen die Studierenden dazu zu motivieren, sich mit langweiligen und trockenen Inhalten zu befassen. Und dabei mit der Zeit zu gehen (Stichwort Digitalisierung) finde ich super! Außerdem zeigt uns doch gerade die aktuelle Situation wie wichtig es ist, digitale Lehr- und Lernangebote bereitzustellen! Außerdem schließt diese App echt eine Lücke, wie ich aus eigener Erfahrung berichten kann. Anstatt nur, wie in einem Lehrbuch, das theoretische Wissen bereitzustellen, ermöglicht sie autonomes anwendungsorientiertes (!!!) Erlernen und Üben der Inhalte. Von mir gibts einen Daumen nach oben für diese kreative Idee!

    Gott ich hoffe das ist der Versuch einer richtig schlecht gemachten Werbekampagne für diesen Schrott, alles andere wäre ziemlich peinlich.

    #388421

    Ich kann die negativen Kommentare überhaupt nicht nachvollziehen! Muss man immer direkt meckern?!

    Game based Learning und Serious Games haben nichts mit Kindergarten zu tun sondern sind ihrerseits anerkannte Forschungsgebiete der Didaktikwissenschaft! Bei der App geht es doch darum, mit spielerischen Elementen die Studierenden dazu zu motivieren, sich mit langweiligen und trockenen Inhalten zu befassen. Und dabei mit der Zeit zu gehen (Stichwort Digitalisierung) finde ich super! Außerdem zeigt uns doch gerade die aktuelle Situation wie wichtig es ist, digitale Lehr- und Lernangebote bereitzustellen! Außerdem schließt diese App echt eine Lücke, wie ich aus eigener Erfahrung berichten kann. Anstatt nur, wie in einem Lehrbuch, das theoretische Wissen bereitzustellen, ermöglicht sie autonomes anwendungsorientiertes (!!!) Erlernen und Üben der Inhalte. Von mir gibts einen Daumen nach oben für diese kreative Idee!

    Gott ich hoffe das ist der Versuch einer richtig schlecht gemachten Werbekampagne für diesen Schrott, alles andere wäre ziemlich peinlich.

    Ich finde es eher peinlich einen Artikel zu kommentieren, wenn man nichts konstruktives beizutragen hat…

    #388422

    Wenn ich Zeit habe, teste ich die App mal.

    #388423

    Wenn ich Zeit habe, teste ich die App mal.

    #388430

    Ich finde es eher peinlich einen Artikel zu kommentieren, wenn man nichts konstruktives beizutragen hat…

    Kritik an peinlicher Werbung kann ja durchaus konstruktiv sein.

    #388436

    Ich finde es eher peinlich einen Artikel zu kommentieren, wenn man nichts konstruktives beizutragen hat…

    Kritik an peinlicher Werbung kann ja durchaus konstruktiv sein.

    Ein Projekt, in das viel Engagement der Lehrenden und Mitarbeiter geflossen ist, als “Schrott” zu bezeichnen, vermutlich ohne sich die App einmal angeschaut zu haben, und einen positiven Kommentar grundlos als “peinliche Werbung” zu bezeichnen, finde ich leider nicht konstruktiv. Schade. Aber jeder kann sich ja sein eigenes Bild von diesem Lernangebot machen, indem er das Spiel mal ausprobiert. Und vielleicht kann die Zielgruppe für dieses Spiel dessen Wert auch am besten beurteilen.

    #388446

    “Auch Seminare oder zahlreiche Handreichungen halfen nur bedingt.”

    Mir ist vollkommen schleierhaft, warum ausgerechnet angehende Juristen, die geradezu auf die formale Anwendung von Regeln abgerichtet werden, eine spielerische App für das wissenschaftlich korrekte Zitieren brauchen. Jetzt mal im Ernst. Wohin soll das führen? Zitierregeln kann man auf einem DIN-A4-Blatt zusammenfassen. Das sollte doch wohl machbar sein, diese anzuwenden. Das lernt man schon in der Abiturprüfung bei der Besonderen Lernleistung, einer im Kern wissenschaftlichen Arbeit.

    Wissen muss man doch im Kern:

    Alle Zitate stehen mit einem Verweis im Text.
    Alle verwendeten Quellen stehen mit einem Eintrag im Literaturverzeichnis.
    Alle Quellenangaben sind korrekt erstellt.
    Alle direkten Zitate wurden 1:1 übernommen.
    Alles fremdes Gedankengut ist mit einer Quellenangabe gekennzeichnet.
    Wo immer möchlich, wird aus der Originalquelle zitiert.

    Was ist daran schwer umzusetzen?

    #388448

    Ich kann die negativen Kommentare überhaupt nicht nachvollziehen! Muss man immer direkt meckern?!

    Game based Learning und Serious Games haben nichts mit Kindergarten zu tun sondern sind ihrerseits anerkannte Forschungsgebiete der Didaktikwissenschaft! Bei der App geht es doch darum, mit spielerischen Elementen die Studierenden dazu zu motivieren, sich mit langweiligen und trockenen Inhalten zu befassen. Und dabei mit der Zeit zu gehen (Stichwort Digitalisierung) finde ich super! Außerdem zeigt uns doch gerade die aktuelle Situation wie wichtig es ist, digitale Lehr- und Lernangebote bereitzustellen! Außerdem schließt diese App echt eine Lücke, wie ich aus eigener Erfahrung berichten kann. Anstatt nur, wie in einem Lehrbuch, das theoretische Wissen bereitzustellen, ermöglicht sie autonomes anwendungsorientiertes (!!!) Erlernen und Üben der Inhalte. Von mir gibts einen Daumen nach oben für diese kreative Idee!

    nein, Ihr plädoyer reißt für mich nix raus: die studenten sollten dem alter entwachsen sein, wo man sie spielerisch verführen muß, sich mit den regeln bekanntzumachen.
    für schüler wäre das was.

    #388449

    Ein Projekt, in das viel Engagement der Lehrenden und Mitarbeiter geflossen ist

    Vermutung oder Wissen?

    Ansonsten darf man den Trend doch ruhig kritisch sehen aber passt zum Zeitgeist. Vielleicht sollten wir Prüfungen auch durch Spiele ersetzen, viel schlimmer kann es auch nicht mehr werden.

    #388457

    Ich denke, das Spiel ist für Politiker mit Doktortitel interessant.

    #388458

    Eher für die, ohne. Für die “mit” gibt es Vroniplag.

    #388462

    B2B

    Ein Blick auf die Lernpyramide sollte die Zweifel beseitigen. Die Wissensaufnahme durch tun ist mehr als 3mal so hoch verglichen mit zuhören.

    Ich wünsche den Machern (positiv besetzt) viel Erfolg. In Zeiten von Home-Office und Home-Schooling brauchen wir noch viel mehr solch moderner Lernmittel. Die Ewiggestrigen können ja weiterhin auf der Schiefertafel kratzen.

    #388512

    Ein Blick auf die Lernpyramide sollte die Zweifel beseitigen. Die Wissensaufnahme durch tun ist mehr als 3mal so hoch verglichen mit zuhören.

    Ich wünsche den Machern (positiv besetzt) viel Erfolg. In Zeiten von Home-Office und Home-Schooling brauchen wir noch viel mehr solch moderner Lernmittel. Die Ewiggestrigen können ja weiterhin auf der Schiefertafel kratzen.

    na so schwierig und umfangreich ist das zitierthema nicht- da reicht vielleicht wirklich eine schiefertafel oder doch ein buch oder internetseite 😉

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