Rede an alle Studierenden in Deutschland

12. April 2021 | Bildung und Wissenschaft, Politik | 1 Kommentar

Die Corona-Pandemie macht vor niemandem Halt. Auch für Studierende bedeutet sie zunehmend eine enorme Belastung. Viele junge Leute sehen sich von der Politik im Stich gelassen, zu wenig gewürdigt oder schlicht ignoriert. Zu Beginn der Vorlesungszeit im Sommersemester 2021 wandte sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auch deshalb am heutigen Vormittag in einer Rede direkt an jene junge Generation von angehenden Akademikern und sprach Ihnen für die kommende Zeit Mut zu und Verständnis aus.

Schließlich ist das nun beginnende Semester bereits das dritte, in dem die Hochschulen geschlossen sind und nahezu jede Veranstaltung digital stattfinden muss.

„Junge Leute, Studierende und auch Auszubildende berichten mir, dass sie sich in Ihren Plänen und in Ihrem Leben ausgebremst fühlen.“, so Bundespräsident Steinmeier zu Beginn seiner Rede. „Viele fühlen sich geradezu unsichtbar in der Lockdown-Gesellschaft, sind oftmals zurück im Elternhaus, vielleicht sogar im ehemaligen Kinderzimmer und leiden unter finanziellen Sorgen.“

Und auch die Tatsache der Bewegungseinschränkungen, fehlender Erasmus-Erfahrungen oder Auslandssemester, welche normalerweise lebenswichtige Erfahrung darstellten und nun einfach wegfallen, drückten die Stimmung weiter herunter.

„Ich verstehe Ihre Ungeduld und ich verstehe Ihre Ängste!“, bekundete der Steinmeier nachdrücklich. Allerdings sei durch die Pandemie auch deutlich geworden, dass Fehler nicht nur der Politik vorbehalten seien. Denn schließlich sei inzwischen deutlich geworden, dass auch viele Universitäten nicht ausreichend für das digitale Zeitalter gerüstet seien. Der Bundespräsident sprach in diesem Zusammenhang von einem Spiegel, den die Hochschulen der Gesellschaft vorgehalten hätten und nannte die unzureichende technische Ausrüstung, zu viele starre Regeln und zu wenig Flexibilität im Angehen von Problemen als prinzipielle Baustellen: „Unser Land muss mutiger und zukunftsfähiger werden! Das muss an den Universitäten beginnen!“ Denn diese müssten nach Corona hohe digitale Standards dauerhaft erfüllen und zugleich die Formen von Präsenzlehre und Forschung neu bestimmen.

Steinmeier verwehrte sich jedoch dagegen, von einer „verlorenen Generation“ zu sprechen. Vielmehr seien die jungen Leute in ihrem Werdegang ausgebremst worden. Das Motto der Solidarität mit den Älteren sei deshalb langsam umzukehren. „Die Gesellschaft darf nicht darüber hinwegsehen, wie die junge Generation aus dieser Jahrhundertkrise hervorgeht. Ich finde: Bildung gehört – auch in der Pandemie – ganz oben auf die Tagesordnung. Wir brauchen Sie! Unser Land braucht Sie!“

Humorvoll fügte er hinzu, er könne sich zwar sehr gut vorstellen, dass viele Studierende jetzt denken würden, der oberste Vertreter der “weißhaarigen Generation”, sage ihnen gerade durch die Blume: “Entschuldigung, dass wir euch Jungen die Gegenwart so schwer machen. Und übrigens: Die Zukunft sollt ihr bitte auch noch retten!”; er sei sich jedoch sicher, dass, wenn eine Generation für diese offene Zukunft gewappnet ist, es die junge sei.

Abschließend zeichnete er ein positiv gestimmtes Bild der Zukunft und versprach, die Impfstofflieferungen würden in den kommenden Wochen kräftig anziehen, da die Produktion in Europa ausgebaut und niedergelassene Ärzte beim Impfen mit ins Boot geholt werden würden. „Heute sind die Tage nicht einfach, aber bessere sind auf dem Weg!“

 

An der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU):

Rektor Prof. Dr. Christian Tietje wandte sich kurz vor Beginn der Rede des Bundespräsidenten mit einer Begrüßung an alle Studierenden. Er wies darauf hin, dass es die aktuelle Situation noch nicht erlaube, zu einem normalen Universitätsbetrieb in Präsenz zurückzukehren. Die Präsenzlehre werde daher vorerst noch bis zum 1. Mai ausgesetzt. Vermehrte Testmöglichkeiten und Fortschritte in der Impfstrategie stimmten allerdings vorsichtig optimistisch, denn sie könnten ein wesentlicher Baustein für ein Eröffnungskonzept sein, um schließlich zu einem normalen Universitätsalltag zurückzukehren.

„Die Erfahrungen des letzten Jahres haben uns aber auch gezeigt, dass es mit dem Engagement aller gelingen kann, auch schwierige Aufgaben zu bewältigen. Dafür wünsche ich uns allen viel Kraft und Gesundheit!“, so Tietje abschließend.

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