Startseite Foren Halle (Saale) Sietzsch – Mord mit Eisenhut -unglaubliches Versagen

  • Dieses Thema hat 8 Antworten und 4 Teilnehmer, und wurde zuletzt aktualisiert vor 2 Wochen von hei-wu.
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  • #465766

    Höchststrafe: Mann muss für Mord mit Blauem Eisenhut lebenslang ins Gefängnis ->
    https://www.mz.de/lokal/bitterfeld/landgericht-dessau-rosslau-mord-blauer-eisenhut-friedersdorf-lebenslang-haft-geliebte-gericht-3850262

    In vorherigen Artikeln der MZ und anderer Medien kann der ganze Ablauf nachvollzogen werden.

    Diese Geschichte ist erschreckend, nicht nur wegen der abscheulichen Tat. Was bisher kaum betrachtet wurde ist die Rolle der beteiligten Ärzte. Da wird eine (vermutlich bisher weitgehend gesunde) Person mit lebensbedrohlichen Symptomen ins Krankenhaus eingeliefert, verstirbt, wird offensichtlich normal bestattet und erst durch die Angeberei einer an der Tat beteiligten Person kommt die wirkliche Ursache ans Licht und führt zu Ermittlungen und letztlich zur Verurteilung des Täters – das ist ein Punkt, der unbedingt untersucht werden muss – und nicht nur das.

    #465767

    Das hat mich auch ziemlich erschüttert. Aber das sind Fälle, die in der Bundesrepublik vorkommen. Leider ist es so, dass Totenscheine von überlasteten Ärzten oftmals allzuschnell ausgestellt werden, und spätestens mit der Freigabe zur Leichenverbrennung erübrigt sich auch eine Exhumierung, wenn es sich auch noch um seltene Gifte wie die des Eisenhuts handelt, dessen Symptome auch noch ziemlich unspezifisch sind. Aconitin ist als organische Substanz nach einer Einäscherung nicht mehr nachweisbar. Man hätte evtl eine Chance gehabt, wenn der Arzt, der den Totenschein erstellt hat, zur Sicherheit eine Blutprobe entnommen hätte. Aber mangels eines damaligen Verdachts erscheint das unrealistisch.

    #465826

    Kann nur das Buch der Zeit-Autorin Sabine Rückert empfehlen: „Tote haben keine Lobby“.

    Ebenso interessant: https://www.aerzteblatt.de/archiv/211795/Strafrecht-Risiken-beim-Ausfuellen-der-Todesbescheinigung

    #465862

    Es muss ja erst einmal ein Verdacht auf eine Vergiftung vorliegen. Wenn der Arzt dann genau hinguckt könnte er eine Vorstellung bekommen, um was für ein Gift es sich handelt.
    Sonst macht man, bei Verdacht, ein General Unknown Screening auf 3-400 Substanzen. Ich habe gerade mal gesucht und auf der Liste die ich gefunden habe steht kein Aconitin. Man kann eigentlich nur finden wonach man sucht, wenn man da keine Vorstellung hat wird das sehr schwierig.

    #465864

    Man kann Gewebe- und Blutproben entnehmen, um diese dann, wenn es weitere Hinweise gibt, zu gegebener Zeit gezielt untersuchen. Aber ein „Screening“ bei gewöhnlich erscheinenden Todesfällen auf potentiell giftige Sunstanzen, zumal dann, wenn diese selten in Erscheinung treten, gibt es nicht. Was man höchstenfalls den Ärzten vorwerfen kann: keine Proben entnommen zu haben. Das hätten die nur dann tun müssen, wenn es einen Verdacht gegeben hätte. Den gab es für die Ärzte nicht. Sonst müsste man bei jedem angeblich natürlichen Tod in die Leiche eingreifen. Ein ungeheuerlich teurer Eingriff, dem wahrscheinlich auch die wenigsten Angehörigen zustimmen dürften.

    Es gibt tausende potentiell tödlicher Gifte, und es gibt kein Gerät, das einfach „piep“ macht, wenn es „Gift“ gefunden hat.

    Die Aufklärungg von Giftmorden bleibt schwierig, zumal dann, wenn Mörder nicht die „Klassiker“ wie Arsen oder Thallium verwenden, sondern vielleicht einfach nur gewöhnliche Medikamente, wie beispielsweise Herzglykoside, die Oma ja sowieso nimmt, überdosieren, um endlich Omas Häuschen, usw.

    #465892

    Sehr „beruhigend“. Das Menschen mit 63 (so alt war das Opfer laut einer allgemein nicht zitierfähigen Quelle) sterben ist „normal“ auch wenn der diagnostizierte Herzinfarkt (lt. nicht zitierfähigen Quelle) eher untypische Symptome aufzeigte (aber das soll ja bei Frauen nicht so selten sein), also ist eine gründlichere Diagnostik und Todesursachenermittlung nicht erforderlich.

    Interessant auch, dass über den Fall in den überregionalen Medien (außer in der nicht zitierfähigen Quelle) kaum berichtet wurde. Eine Sensibilisierung der Ärzteschaft findet dadurch wahrscheinlich auch kaum statt. Aber vielleicht ist das alles auch nicht gewollt?

    Inwieweit eine frühzeitige Erkennung der Ursache für die Symptome eine rettende Behandlung ermöglicht hätte, ist die andere Seite der Betrachtung …

    Naja, es dauert nicht mehr lange, dann habe ich auch das Alter des Opfers erreicht – ich sag schon mal: War schön mit Euch (den meisten). 🙂

    #465893

    Wenn kein Verdacht besteht ( und der Bestand zu dem Zeitpunkt nicht), kommt der Hausarzt, stellt den Totenschein aus. In meiner Verwandtschaft gibt es Ärzte, da hört man Gruselgeschichten. Der Arzt findet einen Toten Mann in der Besenkammer, diagnostiziert den „Herzkreislauf“. Dann kommen die Bestatter, und müssen dem Mann erstmal den Strick um den Hals abschneiden. Sicher ein drastisches Beispiel. Aber bei Vergiftungen, wie oben ausgeführt, ist die Diagnose tatsächlich nicht eben mal so gemacht. Unsere Gesellschaft ist nicht perfekt, die Medizin auch nicht, und alles steht unter einem hohen Kostendruck. Ja, Micha, auch ich bin in dem Alter. Ich habe (da bin ich mir ziemlich sicher) keine Angehörigen, die mein Vertrauen ausnutzen wollen, und mich heimlich um die Ecke bringen wollen. Denn auch als Chemiker wäre ich da machtlos.

    Nachtrag, zur „Erheiterung“: https://www.doccheck.com/de/detail/articles/37250-scopolamin-im-tatort-die-trance-des-herrn-thiel

    • Diese Antwort wurde geändert vor 2 Wochen von hei-wu.
    #465897

    Oma sollte eigentlich keine Herzglykoside mehr nehmen, die sind seit 30 Jahren obsolet. Heute gibts den Betablocker. Herzglykoside habe ich aber auch nicht auf der Liste gefunden. Ingrid Noll empfiehlt die Gabe in Grapefruitsaft, dann bemerkt Mann den bitteren Geschmack nicht so.

    #465907

    Leider Kontrolliert der Gesetzgeber nur den Zugriff auf solche Sibstanzen, deren Zugriff er glaubt, kontrollieren und reglementiert zu können. Cannabis zum Beispiel. Der Besitz getrockneter Knollenblätterpilze ist nicht einmal verboten ( der von Rauschpilzen,aber schon, selbst wenn die im heimischen Wald gefunden wurden).

    Außerhalb der Pilzzeit würde eine Vergiftung mit Knollis keinem Totenscheinaussteller auffallen. Also, hier könnte ein echter Hallekrimi beginnen…

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