Prozess wegen Fahrerflucht nach tödlichem Unfall am Hansering startet erneut
21. Januar 2022 | Vermischtes | 2 Kommentare
Justizzentrum Halle, Sitz der Staatsanwaltschaft
Am Mittwoch 26.01.2022 gegen 08:30 Uhr beginnt erneut der Prozess am Jugendschöffengericht gegen einen Jungen Mann, dem Unfallflucht und fahrlässige Tötung einer Frau vorgeworfen wird.
Dem zur Tatzeit heranwachsenden Angeklagten wird zur Last gelegt, am 14.12.2019 mit einem Auto aus Richtung Joliot-Curie-Platz kommend den Hansering in Halle (Saale) in Richtung Leipziger Turm mit einer Geschwindigkeit von 60 bis 75 km/h befahren zu haben. Infolge der überhöhten Geschwindigkeit hat er in Höhe des Leipziger Turms eine Fußgängerin übersehen, die die Fahrbahn überquert hat Sie wurde mit dem Fahrzeug erfasst und so schwer verletzt, dass sie am 16.12.2019 im Krankenhaus verstarb. Der Angeklagte habe sich in Kenntnis des Unfalls mit dem Fahrzeug entfernt und sei bis nach Eisleben gefahren, so der vorwurf der Staatsanwaltschaft.
Im Falle eines Schuldspruchs hat das Jugendschöffengericht zu prüfen, ob auf den zur Tatzeit heranwachsenden Angeklagten das Jugendstrafrecht oder das für Erwachsene geltende allgemeine Strafrecht anzuwenden ist. Für Erwachsene droht das Gesetz bei fahrlässiger Tötung eine Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren und für das unerlaubte Entfernen vom Unfallort Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren an.
Bereits am 09.09.2020 fand ein erster Hauptverhandlungstermin vor dem Jugendschöffengericht statt. Der Angeklagte hat in der Hauptverhandlung zum Tatvorwurf Stellung genommen und seine Beteiligung eingeräumt. Seine Sicht auf das Geschehen sei durch ein vor ihm fahrendes Fahrzeug beeinträchtigt gewesen. Er hat auch eingeräumt, dass er sich vom Unfallort entfernt habe.
Posttraumatische Belastungsstörung
Die Fortsetzung der Verhandlung wurde damals ausgesetzt, weil ein Sachverständiger aufgrund einer längerfristigen Erkrankung nicht zur Gutachtenerstattung in der Verhandlung erscheinen konnte. Zwischenzeitlich wurde durch eine Amtsärztin bei dem Angeklagten eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert, die eine Verhandlungsunfähigkeit begründete, sodass eine erneute Verhandlung lange nicht möglich war. Auch nunmehr besteht nur eine eingeschränkte Verhandlungsfähigkeit, so dass jeweils nur einige Stunden verhandelt werden kann. Nunmehr ist die Hauptverhandlung von Neuem zu beginnen. Der Angeklagte hat erneut Gelegenheit, sich zu dem Tatvorwurf zu äußern. Es sind mehrere Zeugen geladen. Auch der Sachverständige soll nunmehr sein Gutachten erstatten. Gegenstand des Gutachtens ist auch die Frage, ob der Unfall für den Angeklagten vermeidbar war.
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Posttraumatische Belastungsstörung? Der Unfall war ja angeblich „unvermeidbar“, kann bei 60-75 km/h tatsächlich sein, an der Stelle sind 50km/h bei Grün nämlich schon optimistisch. Die Flucht war vermutlich auch unvermeidlich. Ich habe sogar nachgeschaut, in seiner syrischen Heimat gelten noch strengere Tempolimits.
„Dem zur Tatzeit heranwachsenden…) 1. Der Mensch hatte schon zu dieser Zeit eine Fahrerlaubnis, war also verantwortlich. 2. hat er einen Unfall verursacht. 3.war daran offensichtlich ein anderer Mensch beteiligt 4. ist er einfach abgehaun. Offensichtlich aber ist der Unfallverursacher „unschuldig“.
Ich möchte weder in seiner und schon garnicht in der Haut der hinterbliebenen Menschen stecken.