Halles Sahnehäubchen: Kaffeetafel zur UNESCO-Bewerbung der Franckeschen Stiftungen

13. Juni 2015 | Vermischtes | 4 Kommentare

115 Meter ist das längste Fachwerk-Wohnhaus Europas. Das „Lange Haus“ hatte einst August Hermann Francke auf seinem Stiftungsgelände errichten lassen.

Und weil die Franckeschen Stiftungen gern UNESCO-Weltkulturerbe werden wollen, diente die Größe des Hauses als Vorbild für eine spezielle Aktion des Stadtmarketing. Denn wichtig für die Welterbe-Bewerbung ist es, dass auch die Bevölkerung hinter dem Prozess steht. Deshalb wurde am Samstagnachmittag auf dem halleschen Marktplatz eine 115 Meter lange Kaffeetafel aufgebaut. Zum Auftakt wurde die eigens vom Backmischungs-Hersteller „Kathi“ kreierte Francke-Torte angeschnitten.

Die Franckeschen Stiftungen hatten nach langer Vorbereitung im Januar ihren 400 Seiten dicken Antrag bei der UNESCO-Kommission in Paris eingereicht. Der Weg bis dahin war lang und steinig. Denn schon 1998 erfolgte die Aufnahme in die deutsche Vorschlagsliste, 2012 begannen die Arbeiten am Antrag, erklärte der UNESCO-Beautragte der Stiftungen, Holger Zaunstöck, der den Weg mit den Vorbereitungen für einen Marathonlauf verglich. Im Frühjahr 2015 soll die internationale Evaluierung erfolgen, im Sommer 2016 wird über den Antrag entschieden. Inzwischen ist auch klar, das über die Bewerbung im Rahmen einer UNESCO-Tagung in Istanbul entschieden wird.

Im Antrag werden unter anderem die hervorragende Architektur, weltgeschichtliche relevante Ideen und die Authentizität hervorgehoben. Als Kernzone für den Antrag wurden das Waisenhaus und die Gebäude am Lindenhof eingereicht. In der Pufferzone liegen unter anderem das Francke-Denkmal und das frühere Königliche Pädagogium, in dem heute die Montessorischule untergebracht ist. Ebenso zählen Waisenhausbuchhandlung, Francke-Wohnhaus, Vorplatz, Druckerei und das Brau- und Backhaus dazu.

Die Franckeschen Stiftungen wurden 1698 durch den Theologen und Pädagogen August Hermann Francke (1663–1727) als Armenschule und Waisenanstalt gegründet. Er hatte damals ein Startkapital von 4 Talern und 16 Groschen. Es entstand in der Folge eine ganze „Schulstadt“, zu der zahlreiche Bildungs- und Erziehungseinrichtungen, die Ostindische Missionsanstalt, die Cansteinsche Bibelanstalt, die Bibliothek sowie Buchdruckerei, Verlag und Wirtschaftsbetriebe gehörten. Heute befinden sich wieder mehr als 40 Bildungs- und Sozialeinrichtungen auf dem Gelände der Stiftungen.

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