Verarmung der Halleschen Kulturszene?

9. August 2020 | Kultur, Veranstaltungen | 1 Kommentar

Über die aktuelle, von der Corona-Pandemie geprägten Situation und den Perspektiven zu Kulturveranstaltungen in Halle sprach HalleSpektrum mit Ulf Herden, Inhaber des halleschen Cultourbüros und Manager der Georg-Friedrich-Händel Halle.

„Die letzte von meiner Agentur organisierte Veranstaltung war am 12.3.2020“ konstatierte resignierend Ulf Herden. Ihn trafen die coronabedingten Ausfälle und Beschränkungen besonders hart. Das von ihm organisierte, außerordentlich erfolgreiche Festival WOMEN IN JAZZ musste kurzfristig abgesagt werden. Eine vollständige Absage kam aber für den Jazz-Liebhaber nicht in Frage. Mit seinem Team erarbeitete er ein coronakonformes Replacement-Festival, das nun am 29.August beginnen wird (https://cultour-buero-herden.de/termine.php). Der Cultoursommer, eine beliebte Veranstaltungsreihe im Hof des neuen theaters muss jedoch in diesem Sommer ausfallen. „Durch die Corona bedingten behördlichen Auflagen werden die Besucherzahlen unter ein wirtschaftlich vertretbares Maß gedrückt“, erklärte Herden. „Um absehbare finanzielle Verluste zu vermeiden, mussten diese und etliche weitere Veranstaltungen gestrichen werden. Mit maximal 44 Plätzen im Hof des nt lässt sich eine attraktive Veranstaltung nicht finanzieren“, begründete er die Absagen. Trotz der angespannten Situation blickt der Kulturmanager mit verhaltenem Optimismus in die Zukunft. Für den Herbst ist ein CULTOUR-HERBST IN DER ULRICHKIRCHE: Konzerte – Kabarett – Krimilesungen mit jeweils 120 Plätzen ab 11.Oktober vorgesehen. „Die Einnahmen und Rücklagen der Agentur werden aber voraussichtlich nicht zur Kostendeckung ausreichen“, fürchtet Herden. Aber Hände in den Schoß legen, gilt nicht für den Unternehmer. Größere Vorhaben für 2021 wie WOMEN IN JAZZ 2021  werden weiter vorbereitet. Stadt und Land haben hierzu ihre Unterstützung zugesichert.

Die Frage, ob die Kulturangebote teurer werden müssten, verneint Ulf Herden. „Für die Veranstaltungen im Herbst ist das Preisniveau geblieben. Es wäre ein falsches Signal, die Preise zu erhöhen. Etliche Veranstaltungen sind ja auf 2021 verschoben. Da ist eine nachträgliche Preisanpassung nicht möglich.“

Wird das Kulturleben wiederbelebt werden können? „Die freien Künstler in Halle sind es gewohnt, von ihrer Kunst nicht leben zu können. Viele haben Nebentätigkeiten, so dass sie wirtschaftlich einigermaßen abgesichert sind. Sie befanden sich schon immer in einem permanenten Überlebenstraining“, meint Herden. „Für viele ist es ein Lebensgefühl, hier etwas zu machen und sie rappeln sich immer wieder hoch. Das sollte die Stadt viel mehr würdigen und fördern“, sagt Herden. Er fürchtet eine Verarmung der Kulturszene, da der Künstlernachwuchs seine Lebensplanung vorsichtiger überdenken wird. Kommerzielle Kulturagenturen, die in Halle bislang professionell und erfolgreich tätig waren, werden bei anhaltender Pandemie ihre Aktivitäten auf andere Gebiete verstärkt ausdehnen.

Vielen Dank für Ihre Einschätzung, Herr Herden.

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