Gestaltungsbeirat: beim Finanzamt nichts zu sagen, dafür beim Ostmoderne-Denkmal

5. November 2014 | Kultur | 3 Kommentare

Das neue Finanzamt an der Spitze ist eines der größten Bauvorhaben der nächsten Jahre in Halle (Saale). Doch der Gestaltungsbeirat blieb außen vor. Das hochkarätig besetzte Architektengremium wurde nicht einbezogen.

Knut Müller an einer HP-Schale im Gespräch mit OB Bern Wiegand

Knut Müller an einer HP-Schale im Gespräch mit OB Bern Wiegand


Dafür dürfen die Beiratsmitglieder nun über ein Denkmal in Halle-Neustadt entscheiden. Die Fraktionen Die Linke / Die PARTEI sowie die SPD schlagen die Errichtung einer Denkmal-Skulptur unter dem Arbeitstitel „Zeitspur Ostmoderne“ vor. Damit soll die moderne Architektur und Baukonstruktion in Halle-Neustadt gewürdigt werden. Im Mittelpunkt sollen dabei die HP-Schalen stehen, entwickelt von “Schalenmüller” noch ein Begriff. Der Architekt und Ingenieur Herbert Müller entwickelte die Hyperbolischen Paraboloid-Schalen, aus denen viele DDR-Schulturnhallen bestehen, die sogenannten Delta-Kindergärten, aber auch die Fußgängerbrücke am Riebeckplatz beruht auf dem HP-Schalen-Prinzip.

Es gibt sogar bereits eine Initiative, die sich für das Denkmal einsetzt und es mit Hilfe von Spenden und Sponsoren realisieren will. Auf die Stadt selbst würden damit also keine Kosten zukommen. Knut Müller, Sohn von Schalen-Müller, hat zusammen mit einem Planungsbüro ein Denkmal entworfen. Dies besteht aus einem 10 Mal 10 Mal 10 Meter großen Kubus, durchtrennt von einer 12 Meter langen HP-Schale. Etwa 60.000 Euro würde die Realisierung kosten, als Standort ist die Schwimmhalle in Halle-Neustadt vorgesehen.

Im Kulturausschuss gab es am Mittwoch eine heftige Debatte um die Skulptur. „Ich lehne das ab, es ist befremdlich, einem Bauteil ein Denkmal zu setzen“, sagte Christian Kenkel, sachkundiger Einwohner der CDU-Fraktion. Anders sieht das Christian Feigl (Grüne). Die HP-Schale sei eine bautechnische Innovation und es wert, ihr ein Denkmal zu setzen. Doch bei der geplanten Skulptur gehe es ja sogar um die gesamte Ostmoderne. Feigl ist aber der Meinung, man könnte mehr aus so einem Denkmal holen und schlug vor, zwei weitere Entwürfe abzufragen. „Es kann doch hier nicht jeder Bürger irgendwas aufstellen, das geht doch städtebaulich nicht“, meinte Ulrike Wünscher (CDU).Hans-Dieter Wöllenweber (FDP) sprach sich grundsätzlich für das Denkmal aus, will aber zuvor den Gestaltungsbeirat ebenfalls über den Entwurf schauen lassen. Dass sahen die meisten Räte so und entschieden sich für eine Anhörung des Gremiums. Das wird voraussichtlich im kommenden Frühjahr passieren.

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