Von der Entwendung weihnachtlicher Grüße

29. Dezember 2020 | Gedanken zum Wochenstart, Glosse | 1 Kommentar

 

An Weihnachten haben Post- und Paketboten so einiges zu tun – das ist bekannt. In diesem Jahr sogar noch deutlich mehr als sonst, da durch Pandemie und Lockdown bedingt vor allem das Online-Liefergeschäft boomte und Briefe und Pakete wie nie zuvor versendet wurden.

Ebenfalls bekannt ist allerdings auch, dass viele Menschen vor allem in der Weihnachtszeit Geschenke und oder Geld per Post an ihre Freunde und Familienmitglieder verschicken. So häufen sich fast schon erwartungsgemäß gerade gegen Ende des Jahres auch die Berichte über Diebstähle und Postverluste.

Wenngleich nach Aussagen der Post selbst kaum belegt werden kann, dass Geschenke ein begehrtes Ziel von Dieben sind und viel eher gezielt nach Kreditkartensendungen gesucht werde, zeichnen Nachrichten aus dem ganzen Bundesgebiet ein eindeutiges Bild.

Erst im letzten Jahr wurde so zum Beispiel von ganzen Briefkästen im Ruhrgebiet berichtet, die kurz vor Weihnachten abmontiert worden waren. Zahlreiche Briefe wurden von den Dieben dann nach Bargeld durchsucht und später an verschiedenen Stellen der Stadt geöffnet wiedergefunden.

Da es sich in den meisten solcher Fälle allerdings nur um Kleinstbeträge oder Geschenke mit eher individuellem statt einem tatsächlich finanziellen Wert handelt, bleibt den Betroffenen in den meisten Fällen nur das kurze Ärgernis über den Verlust. Schließlich gibt es für gewöhnliche Briefe keine Sendungsverfolgung und nach den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Post daher auch keine Haftung. – Und wer schickt schon einen kleinen Brief vollumfänglich versichert zu den Verwandten in der Nachbarstadt!?

So geschehen nun auch in Halle. Gegenstand: Ein DIN-A5-Briefumschlag mit 1,55 Euro Frankierung. Inhalt: ein dünnes, personalisiertes Ausmalbuch für das Patenkind und eine weihnachtliche Grußkarte an die Eltern. Antwort auf die Frage, ob der Brief versichert versendet werden soll: „Nein, danke, bitte ganz normal versenden!“ Resultat: Nur einen Tag nach Absendung trifft ein geöffneter Briefumschlag in Hamburg ein. Der saubere Schnitt eines Cuttermessers ist auf seinem Rücken zu erkennen. Das Ausmalbuch ist weg, die Grußkarte ist da. – Ärgerlich, aber nichts Weltbewegendes … das wissen vermutlich auch die Diebe.

Was bleibt ist die Gewissheit: Wo Menschen arbeiten, passieren Fehler. Und in einem Massengeschäft wie der Deutschen Post, mit weltweit mehr als 500 000 Mitarbeitern kann immer auch mal etwas nicht so funktionieren, wie es soll. Klar ist auch, dass Verluste und Diebstähle von Sendungen sicherlich die Ausnahme sind und in Spitzenzeiten vor Weihnachten, in denen täglich Unmengen Briefe versendet werden, natürlicherweise eher vorkommen können. Dennoch ist es traurig zu wissen, dass es scheinbar immer noch Menschen gibt, die es für nötig erachten, Geschenke und Geld aus Briefen entwenden zu müssen, um der eigenen Familie zu Weihnachten etwas bieten zu können.

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