Update: Stummer Frühling

12. Mai 2017 | Natur & Gesundheit | 6 Kommentare

Jetzt im Frühjahr ist es schwieriger als im Winter, die kleinen Sänger im zunehmend dichter werdenden Laub zu entdecken. Dafür erfreuen sie uns mit ihrem Gesang, über den wir sie auch identifizieren können. Wer es schafft, in den Morgenstunden zu zählen, wird mit einem einzigartigen Konzert in der unvergleichlichen Atmosphäre des ersten Tageslichts belohnt. Wünschen wir uns geeignetes Wetter, um diese Stunde an diesem Wochenende zu genießen.

Stunde der Gartenvögel

Dieses Wochenende, vom 12. bis 14. Mai, findet die diesjährige „Stunde der Gartenvögel“ statt. Garten- und Naturfreunde sind aufgerufen, durch ihre Zählergebnisse einen Beitrag zur Erfassung der Artenvielfalt zu leisten. Diese sogenannte „Bürgerwissenschaft“ (citicen science) ist eine wichtige Zuarbeit für die Wissenschaftler zur Erhebung großer Datenmengen, hier der Bestandsdichte von Vögeln in Siedlungsräumen (Städte, Dörfer).
Es funktioniert prinzipiell genauso wie bei der „Stunde der Wintervögel“: Man setzt sich in den Garten oder Park und beobachtet, wieviele Vögel einer Art man jeweils gleichzeitig sehen kann (also nicht dieselbe Amsel 5x zählen). Am besten geeignet ist eine Stunde am frühen Morgen, aber auch jede andere Tageszeit kann gewählt werden. Auch was über dem Beobachtungsplatz fliegt, wird mitgezählt, wie Mauersegler, Schwalben oder Tauben. Dann werden die gezählten Vögel in ein Zählprotokoll eingetragen und entweder online oder per Post an den Nabu geschickt.
Hier findet man neben Infos den Link zum Zählprotokoll und Bestimmungshilfen:

Stunde der Gartenvögel 2017 – NABU

Tatort: Die Peißnitz

Am letzten Mittwoch hatte das HalleSpektrum die Gelegenheit, zusammen mit der Bundestagsabgeordneten Steffi Lemke, mit Grit Michelmann, Direktkandidatin für die Bundestagswahl 2017 im Wahlkreis Halle, und dem Schriftsteller und EuroNaturpreisträger Dr. Ernst Paul Dörfler den Singvögeln auf der Peißnitz auf die Spur zu kommen. Besonders zur Nachtigall gab es eine Menge zu erzählen. Und wir hatten Glück: Außerhalb der Peißnitz auf der anderen Seite der wilden Saale konnten wir den Gesang der Nachtigall tatsächlich lauschen. Wie lange noch?

Dr. Ernst Paul Dörfler erklärte uns die Nachtigall

Drohen stumme Frühlingsmonate in der Zukunft?

In Europa gibt es einen dramatischer Verlust von rund 300 Mio. Brutpaaren zu verzeichnen. Dabei mussten die Vogelarten der Agrarlandschaft die stärksten Einbußen hinnehmen. So gibt es große Bestandsrückgänge um bis zu 80% bei Kiebitz, Braunkehlchen, Uferschnepfe und Rebhuhn. Das erklärt die Bundesregierung in den Antworten auf eine Kleine Anfrage (18/11877) von Steffi Lemke. Als Ursachen für den Rückgang macht die Bundesregierung Lebensraumveränderungen, die Verringerung des Nahrungsangebot (durch den Rückgang von Insektenbiomasse um bis zu 90%) und Herbizideinsatz aus.

Das Ermittlerteam: Dr. Ernst Paul Dörfler, Steffi Lemke, Grit Michelmann

Fast ¾ der einheimischen Vogelarten des Offenlandes stehen auf der aktuellen Roten Liste der Brutvögel Deutschlands, 17 von 24 Arten sind mindestens gefährdet. Der Farm Bird Index zeigt, dass sich die Bestände der Agrarvögel seit 1980 um 43% reduziert haben. „Es gibt nur einen geringen Zuwachs an ökologisch hochwertigen Flächen durch das Greening“ . Hier gesteht die Bundesregierung zu, dass das Greening nichts bewirkt hat. Grünland darf ausgerechnet in Vogelschutzgebieten umgewandelt und umgebrochen werden, solange an anderer Stelle neues Grünland angelegt wird. Besorgniserregend ist insbesondere die Möglichkeit zum Grünlandumbruch in Vogelschutzgebieten, wodurch ein zusätzlicher Druck auf die ohnehin im Rückgang begriffenen Populationen von Wiesenbrütern wie Kiebitz und Brachvogel zu erwarten ist. In den deutschen Vogelschutzgebieten liegen 803.000 ha Grünland (17,4 % des bundesweiten Grünlands) (tI 2014), auf denen ein striktes Umwandlungsverbot aus Sicht des Naturschutzes besonders dringlich wäre.

Steffi Lemke erklärte dazu: „Das Arten-und Vogelsterben schreitet voran, doch die Bundesregierung bleibt tatenlos. Wir brauchen eine Agrarwende , die es ernst meint mit einer Landwirtschaft im Einklang mit der Natur, die Schluss macht mit dem massiven Gifteinsatz auf den Feldern und die monotone Agrarlandschaft abschafft. Die Bundesregierung ist aufgefordert Gelder zu Gunsten des Naturschutzes umzuschichten, das wäre bereits jetzt schon möglich. In der nächsten Förderperiode der Gemeinsamen Agrarpolitik ab 2020 soll es nur noch öffentliches Geld für öffentliche Leistungen geben. Um den Artenschutz zu stärken, ist dann auch ein eigener Fond für Naturschutz notwendig.“

TK, AK u. Büro Lemke

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