Startseite Foren Halle (Saale) Geplante Polder sollen Hochwasserpegel an der Saale senken

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  • #236795

    @Halleandersaale,
    Du kannst die 900 m3/s nicht voll in den Polder leiten, denn dann würde die Saale flußabwärts kein Wasser mehr führen. Aber wenn du beispielsweise 500 m3/s gesteuert einleiten würdest, dann dauert es rechnerisch 7,77 Stunden bis der Polder „Röpzig“ voll ist. Dies wäre wohl vollkommen ausreichend, um die Flutwelle vor dem Erreichen des Stadtgebiet der Saale abzufangen.

    #236828

    @Kenno: ja, die 900m³ würden nicht komplett eingeleitet. Auch deswegen war ja auch hier die Frage, wieviel davon im Ernstfall abgeführt würden…

    Bisher spiegeln die Zahlen „nur“ die Rahmenbedingungen wider. Mich würde eher das Szenario interessieren, also ab welchem Pegel wird eingeleitet (und was wird Pegel-technisch dadurch im Stadtgebiet erreicht) und bis zu welchen Pegel funktioniert das Ganze System… Mich würde also normaler Funktionsablauf im Hochwasserfall und das Worst-Case-Szenario interessieren (was beides ja sicher bereits berechnet wurde 😉 )…

    #236843

    @Halleandersaale,
    du stellst Fragen, die nur der LHW wohl etappenweise ans Licht bringen kann.
    Ich kann mir vorstellen, dass es im System eine Führungsgröße für den Poldereinsatz geben muß und die wäre das Festlegen eines maximalen Saalewasserspiegels aus dem gefährdeten Wohngebiet der Stadt, der nicht überschritten werden soll.

    #236850

    Aber genau das wäre doch wichtig, um den Nutzen der Hochwasserschutzanlage beurteilen zu können. Und damit meine ich nicht das übliche Rumgemeckere am LHW sondern ganz einfach die Rückschlüsse, die man für die einzelnen betroffenen Stadtgebiete ziehen kann (und muss). Den Extremfall kann sicher keiner voraussagen, aber die Pegelhöhe (oder welche Parameter auch immer), ab die der Polder geflutet wird.

    #236859

    Und aufpassen, dass der Deich nicht mit einer Delle wie in Wörlitz gebaut wird:
    http://www.mdr.de/mediathek/mdr-videos/a/video-5392.html

    #236865

    Ist das nun gezielter Irrsinn, mit dem man die Saalekreisbewohner gegen die Hallenser aufbringen will?

    Nach dem Motto, die wollen keinen Deich in Halle, und SK muss dafür bluten?

    Ich kann mich nur der Meinung des Sachkundigen Bürger aus der Emmzett anschließen. Am Zusammenfluss von Elster und Saale rumzudoktern, ist zu spät, es braucht ein Flussmanagment.
    Die Wassermengen! kamen ja nicht aus dem Einzugsgebiet um Halle, sondern aus den Gebirgen.
    Mal war es Dauerregen, mal war es Tauwasser.

    #236867

    Das Überflutungsgebiet Saale-Elster-Aue gab es schon immer. Und auch dem äußeren Schein nach „Polder“. Das waren die Sickerbecken für giftiges Wasser aus der Aue, welches dann versickerte und aus den Auebrunnen als Trinkwasser nach Halle floss.
    Was neu wäre ist nur, dass erst im Bedarfsfall geflutet wird. D.H. zunächst fließt das Wasser, welches früher die Aue sofort geflutet hat, über die Saale ab. Erst bei einem bedrohlichen Pegelstand erfolgt eine Entlastung durch die Flutung Polder.

    #236868

    @Halleandersaale,
    wenn du unbedingt willst , dann sage ich mal, wenn die Flutspitze am Einlaufbauwerk angekommen ist!!

    #236875

    halleandersaale, ein genaues Pegelmaß, aber dem der Polder geöffnet wird, kann es ja gar nicht geben. Die Voraussetzung dafür wäre, dass auch immer das gleiche Hochwasser kommt. Die Wirkungsweise wurde hier schon vor einigen Wochen diskutiert. Der Polder wird einen Teil einer Flutwelle wegnehmen können, auch dieses Maß wird nicht immer gleich sein, denn es kann steile Flutwellen geben oder welche, die lange anhalten. Rein theoretisch kann es auch ein Hochwasser geben, welches das von 2013 übertrifft, wo der Polder vielleicht nur einen minimalen Effekt haben wird.
    Die beste Wirkung wird der Polder wohl bei einer kurzen steilen Flutwelle haben. Bei einem schnell ansteigenden Hochwasser könnte ich mir vorstellen, dass der Polder bereits weit vor der Flutspitze eingesetzt wird.

    #236882

    Auf jeden Fall dürfte ein Polder, der bisherige Aue blockiert, neben den Auswirkungen auf Flora und Fauna auch bedeuten, dass künftig jedes bessere Frühjahrshochwasser Flußanrainer zittern lassen wird.

    #236883

    Am besten wäre natürlich ein Überlaufbauwerk, das „automatisch“ anspringt. Auf das LHW würde ich mich mit Blick auf das Hochwasser 2013, nicht gern verlassen.

    Aber, 1994 verweist auf eine weitere Gefahr, da war die Saaleaue vereist. Muss dann, im Notdall, ein Damm gesprengt werden, um Wasser in einen Polder einzuleiten?
    Und ein vereister Polder ist ja auch nicht mehr aufnahmefähig!

    Und Dank farbspektrum glaube ich auch an vergiftetes Brunnenwasser im Trinkwasser von Halle. Das hat ganz offensichtlich Schäden hinterlassen!

    #236891

    Und Dank farbspektrum glaube ich auch an vergiftetes Brunnenwasser im Trinkwasser von Halle. Das hat ganz offensichtlich Schäden hinterlassen!

    Danke für den Dank.
    Hier ein Auszug:
    „1963/64 war die Situation der Trinkwasserversorgung der Bevölkerung der Stadt Halle durch
    anhaltende Trockenheit und Niedrigwasserführung der Saale derart verschärft worden, daß die
    Nitrat- und Nitritkonzentration im Trinkwasser die Hygieneinspektion der Stadt Halle zu der
    Anordnung veranlaßte, dieses Wasser nicht mehr zum Bereiten von Säuglingsnahrung zu verwenden.
    Zur Versorgung der Säuglinge wurde eine Extraversorgung mit nitratarmem Wasser organisiert.“
    http://public.bibliothek.uni-halle.de/index.php/hercynia/article/download/596/619

    #236895

    Anonym

    Wenn man jetzt noch wüsste, woher Nitrat- und Nitritbelastung kommen, wie das mit Niedrigwasser zusammenhängt und was der Unterschied zwischen „Sickerbecken für giftiges Wasser“ und „Anordnung Trinkwasser nicht für Säuglingsnahrung zu verwenden“ ist, das wär fein. Aber es kann nun wirklich keiner verlangen, die verlinkten Dokumente auch zu lesen!

    #236901

    Dabei steht das alles sogar drin.

    #236902

    Vielleicht schon zu viel Spinat gegessen? Nitrit stört bekanntlich auch die Sauerstoffversorgung.

    #236903

    Vielleicht schon zu viel Spinat gegessen? Nitrit stört bekanntlich auch die Sauerstoffversorgung.

    Lass ihn doch einfach weg.

    #236920

    Geraldo, warum?
    Warum sollte der Polder nicht auch für die regelmäßigen geringen Hochwasser genutzt werden?

    #236924

    halleandersaale, ein genaues Pegelmaß, aber dem der Polder geöffnet wird, kann es ja gar nicht geben. Die Voraussetzung dafür wäre, dass auch immer das gleiche Hochwasser kommt. Die Wirkungsweise wurde hier schon vor einigen Wochen diskutiert. Der Polder wird einen Teil einer Flutwelle wegnehmen können, auch dieses Maß wird nicht immer gleich sein, denn es kann steile Flutwellen geben oder welche, die lange anhalten. Rein theoretisch kann es auch ein Hochwasser geben, welches das von 2013 übertrifft, wo der Polder vielleicht nur einen minimalen Effekt haben wird.

    Ich glaube, so einfach kann sich der LHW das nicht machen (und macht er sicher auch nicht). Ich würde da Kennos These vertreten

    @Halleandersaale,
    Ich kann mir vorstellen, dass es im System eine Führungsgröße für den Poldereinsatz geben muß und die wäre das Festlegen eines maximalen Saalewasserspiegels aus dem gefährdeten Wohngebiet der Stadt, der nicht überschritten werden soll.

    und würde diese „Führungsgröße“ eben gern detaillierter erklärt bekommen. Das wird aber hier im Forum sicherlich schwer, außer @Frank äußert sich nochmal dazu 😉

    #236930

    Wie Kenno? Schon sagte: der Polder wird vor dem Scheitelpunkt geöffnet. Das hängt von dessen prognostizierte Höhe und Zeitpunkt ab, und ist jedesmal anders.

    #237056

    Bei dem Polder handelt es sich nicht um eine umsetzungsreife Planung. Bis dahin ist noch ein langer Weg zurückzulegen.Bemessungsgröße für diese ersten Ünerlegungen ist eine theoretische, aus bisher abgelaufenen Hochwassern ermittelte HQ100 Welle mit einem Spitzenabfluss von 847 m³/s, welche im Sommerhalbjahr zum Abfluss kommt. Die Betonung liegt bewusst auf Sommer, da bei gleichem Abfluss auf Grund der erheblich größeren Rauigkeiten durch den Bewuchs, ein bis zu 40cm höherer Wasserstand als im Winterhalbjahr auftritt. Ein Blick in die Pegelaufzeichnungen zeigt, dass bis auf das HW 2013 alle weiteren größeren Hochwasser immer als Ergebnis von Tauprozesssen und Starkniederschlägen aufgetreten sind. Das war 1994 so und auch 2011. Das erklärt auch, dass die Saaletalsperren im Winterhalbjahr einen erheblich größeren Hochwasserrückhalteraum vorhalten als im Sommer. In den Modellierungen wurde zunächst eine feste, im Vergleich zu der übrigen Deichhöhe abgesenkte Überlaufschwelle von rund 400m Breite angesetzt. Damit kann bei der in Ansatz gebrachten Welle der Scheitelabfluss um 160m³/s abgesenkt werden.D.h., es fließen dann noch 787 m³/s durch das Stadtgebiet. Dies wiederum bewirkt eine Wasserstandsreduzierung von ca. 60cm unmittelbar am Polderausgang und, bezogen auf den Pegel Trotha, immer noch ca 18 cm.Dies erscheint zwar recht wenig, aber für das Stadtgebiet und die Auswirkungen auf die Bebauung ist das eine nicht zu unterschätzende Größenordnung.Wie gesagt, erste Überlegungen.Wahrscheinlicher statt der Überlaufschwelle ist allerdings ein steuerbares Einlaufbauwerk.Damit kann zielgerichtet der Polder geflutet werden und kleinere Hochwasser in den Auenbereich, wie bisher auch eingelassen werden.

    • Diese Antwort wurde geändert vor 4 Jahre, 8 Monaten von Frank.
    #237101

    Danke @Frank,
    dann reden wir doch nur noch von einem Polder mit steuerbarem Einlaufbauwerk.Ziel der Steuerung müßte sein, ausgehend von den möglichen Hochwassereinlaufkurven den richtigen Zeitpunkt der Polderöffnung zu bestimmen und die weitere Ganglinie des Hochwassers so abzufahren bzw.zu kappen, dass im Stadtgebiet der Saale eine maximale Pegelspitzenabsenkung erzielt werden kann, ohne das es zu einem Polderüberlaufen kommt.
    Meine Milchmädchenrechnung von 500 m3/s und 7,77 Stunden Nutzungszeit des 14 Mio m3 fassenden Polders hat noch Reserven dergestalt, dass der Einlauf nicht plötzlich mit 500 m3/s sondern entsprehend der jeweiligen Hochwasserkurve kontinuierlich erfolgen wird und damit noch eine längere Zeit bis zur Vollflutung des Polders zur Verfügung steht.
    Daraus kann auch abgeleitet werden, dass der Polder auch noch für künftige höhere Hochwasserereignisse zu nutzen wäre, die > HQ 100 liegen.
    Zur Führungsgröße hat sich @Frank zurückgehalten, weil diese wie @hei-wu schon richtig sagte, von vielen Faktoren abhängig ist und letztlich davon, ob man den vom Hochwasser 2013 geschädigten Bürgern zum Zeitpunkt der Polderferigstellung noch einmal ein solches Ereignis zumuten kann.

    #237177

    „eine feste, im Vergleich zu der übrigen Deichhöhe abgesenkte Überlaufschwelle von rund 400m Breite angesetzt.“

    Hat sich diese Überlaufschwelle nicht die Natur schon selber geschaffen?
    Das hat doch dann mit einer Steuerung nichts mehr zu tun, das würde ich als Renaturierung bezeichnen. 😉

    #237179

    Anonym

    In den Modellierungen wurde zunächst eine feste, im Vergleich zu der übrigen Deichhöhe abgesenkte Überlaufschwelle von rund 400m Breite angesetzt. Damit kann bei der in Ansatz gebrachten Welle der Scheitelabfluss um 160m³/s abgesenkt werden.D.h., es fließen dann noch 787 m³/s durch das Stadtgebiet. Dies wiederum bewirkt eine Wasserstandsreduzierung von ca. 60cm unmittelbar am Polderausgang und, bezogen auf den Pegel Trotha, immer noch ca 18 cm.

    schön, dass jetzt so allmählich klarer wird, wo die Zahlen herkommen und was sie zu bedeuten haben.

    #237189

    @Frank: vielen Dank für die ausführliche(re) Darstellung. Natürlich klingen die 18cm Wasserstandreduzierung bezogen auf den UP Trotha erst einmal „wenig“, aber jeder der vom Hochwasser betroffen ist bzw. war, kann die enorme Tragweite von „ein paar Zentimetern“ ganz gut einschätzen.
    Ich fände es vor diesem Hintergrund wichtig, dass man auch in der Presse hier lieber „konservativer“ berichtet, dafür aber das Verständnis für die technischen Möglichkeiten in der Bevölkerung verbessert wird. Was nutzt es LHW und Betroffenen, wenn durch – nennen wir es mal „Faktenreduzierung“ – in tollen Zeitungsartikeln der MZ Vorstellungen erwachsen, die so am Ende dann doch nur die halbe Wahrheit sind.
    Danke also, dass man hier im Forum dann doch gewünschte Informationen erhält.

    Frohes Osterfest!

    #237208

    Anonym

    Dies wiederum bewirkt eine Wasserstandsreduzierung von ca. 60cm unmittelbar am Polderausgang und, bezogen auf den Pegel Trotha, immer noch ca 18 cm.

    Ich gehe jetzt mal davon aus, dass der Höhenunterschied in Halle nicht durch einen zweiten Hochwasserzufluss (z.b. an der weißen Elster bei einem Polder saaleaufwärtz z.B. bei Planena bzw. Kollenbey) erzeugt wird.

    Die Unterschiede in der Pegelhöhe bedeuten dann ja rein physikalisch, dass irgendwo im Stadtgebiet ein „Nadelöhr“ existiert, an dem der Durchfluss gebremst wird. Ich vermute je den Bereich der Klausberge bzw. etwas weiter vor der Giebichensteinbrücke.

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