Startseite Foren Halle (Saale) DER SCHNEE VON GESTERN IST DIE SINTFLUT VON HEUTE

Dieses Thema enthält 45 Antworten und 15 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  teu vor 1 Woche, 1 Tag.

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  • #359396

    „Keiner konnte sich damals jedoch vorstellen, dass die westlichen Architekten von Anschluß und Währungsunion vom Schlage eines Sarrazins eiskalt eine ganze Volkswirschaft zum Abschuß freigeben würden.“

    Die Volkswirtschaft wurde durch den Fall der Mauer und die Möglichkeit für alle Ostdeutsche, in den Westen zu gehen, zum Abschuss freigegeben. Damit mussten zumindest großen Teilen der Beschäftigten auf mittlere Sicht Löhne gezahlt werden, die einen Lebensstandard ermöglichten, der nicht eklatant unter dem westdeutschen lag. Dafür reichte die Produktivität der Betriebe im Osten aber nicht aus.

    „Mit dieser jeglicher volkswirtschaftlichen Vernunft abholden betriebswirtschaftlichen Weichenstellung konnte sich ab 1990 die westliche Wirtschaft ungeheuer an dem unverhofften Festtagsmahl laben.“

    Der Vereinigungsboom dauerte nur bis 1992, danach ging es den (west-)deutschen Unternehmen viele Jahre lang nicht gut. Der Anteil der Kapitaleinkommen am gesamten Volkseinkommen war in Deutschland nach der Vereinigung mit etwa 29% deutlich niedriger als in Westdeutschland Ende der 80er (etwa 32%) und ist erst Anfang der 2000er wieder kräftig gestiegen.

    „Die seitdem volkswirtschaftlich weitgehend toten, östlichen Bundesländer..“

    Der Anteil der Industrie an der gesamten Wertschöpfung in Ostdeutschland ist zwar deutlich niedriger als in Westdeutschland, aber höher als etwa in Frankreich oder Großbritannien. Konzernzentralen sind in Ostdeutschland tatsächlich kaum entstanden, im Westen sind allerdings auch keine neuen dazugekommen, wohl auch weil in Deutschland die alten Industrien weiter dominieren und beispielsweise die Digitalbranche verglichen etwa mit den USA recht schwach ist.

    „der paternalistische Wunsch endlich als ebenbürtige Deutsche in ihrem ökonomischen Elend..“

    Das durchschnittliche verfügbare Realeinkommen in Ostdeutschland beträgt, berücksichtigt man das etwas niedrigere Preisniveau, knapp 90% von dem im Westen. Aber da gibt es ja auch viel Elend, könnte erwidert werden.

    #359397

    „Die Ersparnisse in Mark waren natürlich futsch.“
    Ich würde denken, dass jeder weiß, dass das so nicht richtig ist. Aber vielleicht lerne ich ja was neues.

    #359398

    Und dafür wählen sie mit zielsicherem Griff rechtsextreme Pseudopolitiker mit maximalem Unvermögen.

    Nein. Schuld daran sind arrogante und ignorante, selbtstgefällige Typen wie du und deinesgleichen. Ihr habt euren Zenit überschritten und merkt es nicht einmal.

    Solange das nicht erkannt wird und bestimmte Parteien nicht wieder ihr eigenes Profil schärfen, wird die AfD auch weiter Zuwächse erzielen.

    #359399

    Aha. Björn Höcke soll der neue Stern am Himmel sein? Ich glaube es hackt!

    #359408

    Ich teile die Sichtweise von fractus.

    #359412

    Die Volkswirtschaft wurde durch den Fall der Mauer und die Möglichkeit für alle Ostdeutsche, in den Westen zu gehen, zum Abschuss freigegeben.

    Da kam sie (nur) unter zusätzlichen Druck. Der Abschuss erfolgte am 01.07.1990.

    Der Vereinigungsboom dauerte nur bis 1992, danach ging es den (west-)deutschen Unternehmen viele Jahre lang nicht gut.

    Wann hatte Daimler Crysler aufgekauft und wann ging die Deutsche Bank in den Staaten durch Übernahme des Bankers Trust auf Einkaufstour (beides 1998)? Woher kam dann Ende der 90er Jahre das ganze flüssige Kapital (nach dem fleißig auch in Osteuropa billig übernommen worden ist?)

    Die Pokerspiele zu Global Players waren nur mit den zusätzlichen Gewinnen aus der Vereinigung möglich.

    #359421

    Es ist immer wieder schön anzusehen, wie Westdeutsche den Ostdeutschen erklären, wie Ostdeutschland war, oder wie man es hätte besser machen können.

    Die DDR war am Ende und es gab nicht viel Zeit für Experimente.
    Für den überwiegenden Teil des ausgehungerten Ostens war damal der Westen das Paradies. Das mag naiv gewesen sein, aber so war es.
    Wie kann sich denn ein Westdeutscher vorstellen, was in einem Ossi vorging, der in stinkenden verfallenden Städten aufwuchs und froh war mal einen FDGB-Platz an der Ostsee zu bekommen, alle 15 Jahre?

    Dieser heuchlerische Oberlehrerton eines hei-wu ist doch im Grunde nur lächerlich. Er klagt an, wieso wurde CDU gewählt?
    Ganz einfach, weil die CDU im Westen regierte und Kohl der einzige war, der die Wiedervereinigung wirklich wollte. Womit wir bei den vielen westdeutschen Parteigenossen sind, die 40 Jahre von Einheit redeten und als sie möglich war, durch zahlreiche Bedenken auffielen. Am Ende wollten sie auch noch in ihrer Privatpension in Bonn bleiben, wo doch eigentlich klar war, dass die Hauptstadt des vereinigten Deutschlands nur Berlin sein kann. Nicht mal das haben sie ohne Diskussion hingekriegt in ihrer bequemen Sattheit. Aber dem Ostler vorwerfen, dass er aus seinem Elend rauswollte!

    Heute schaut der westdeutsche hei-wu der DDR-2 unter Merkel unkritisch zu!! Da kommen keine Proteste, wegen der Einschränkung der Meinungsfreiheit, dem erneuerbaren Energie-Selbstmord, der SUV-Hysterie oder illegaler Massenzuwanderung. Wo sind denn seine Bedenken?
    Im Gegenteil, er jammert wie ein Baby, wenn im Osten nicht so gewählt wird, wie er es sich vorstellt. Welch demokratisches Gedankengut.
    Und an Merkel, die man durchaus als das perfekte Instrument ansehen kann, dieses Land kaputtzumachen, hat er nicht das Geringste auszusetzen. Da kommt man ins Grübeln.

    #359460

    „Da (beim Fall der Mauer) kam sie (nur) unter zusätzlichen Druck. Der Abschuss erfolgte am 01.07.1990.“

    Weil durch die Umstellung auf DM-Preise und -Löhne die Produktion der ostdeutschen Betriebe zu teuer wurde? Wie niedrig hätten denn ein Ostmark-Westmark-Wechselkurs und dementsprechend die Löhne in Ostdeutschland sein müssen, um die ostdeutschen Betriebe wettbewerbsfähig zu halten?

    „Wann hatte Daimler Chrysler aufgekauft und wann ging die Deutsche Bank in den Staaten durch Übernahme des Bankers Trust auf Einkaufstour (beides 1998)?“

    Mittlerweile hat ja FIAT Chrysler aufgekauft, und Peugeot Opel. Woher haben die das Geld wohl genommen?
    Mit Einzelfällen kommt man nicht weit, wenn man gesamtwirtschaftliche Prozesse verstehen will. Da muss man sich auch gesamtwirtschaftliche Zahlen anschauen, und die sahen für die deutschen Firmen in den 90ern deutlich schlechter aus als im Jahrzehnt davor oder danach.

    (Übrigens möchte ich gar nicht abstreiten, dass ein unwillkommener Seiteneffekt der Vereinigung vermutlich eine Zunahme der Marktmacht mancher westdeutscher Unternehmen gewesen ist. Die westdeutschen Unternehmen als Ganzes haben aber nicht profitiert.)

    #359463

    Aha. Björn Höcke soll der neue Stern am Himmel sein? Ich glaube es hackt!

    Das du wieder mal keinen Durchblick hast, hast du damit eindrucksvoll bewiesen. Es war gerade Nicht die AfD gemeint.

    #359468

    Die westdeutschen Unternehmen als Ganzes haben aber nicht profitiert.)

    Da bin ich mir nicht ganz so sicher, denn Ende der 80er steuerte die deutsche Wirtschaft auf eine Rezession zu, da kam die Wende-Euphorie gerade recht. Und sie hat der abgewirtschafteten Kohl-Regierung den Arsch gerettet.

    #359469

    Ja, es gab den starken Vereinigungsboom, dem aber schon im Lauf von 1992 eine Rezession folgte. Danach ging es eher mau weiter.

    #359470

    Wer 1990 sagte, das auch der Westen sich den Reichtum erarbeiten musste, wurde nur ungläubig angestarrt. Anstrengungsloser Reichtum war das Ziel!

    #359471

    dem aber schon im Lauf von 1992 eine Rezession folgte. Danach ging es eher mau weiter.

    Offenbar hatte diese Rezession dann doch eher geringe Auswirkungen auf das BIP. Auch die Mauheit findet sich dann aber doch eher weniger im BIP wieder:
    https://de.statista.com/statistik/daten/studie/4878/umfrage/bruttoinlandsprodukt-von-deutschland-seit-dem-jahr-1950/

    Auch scheinen die ganzen in den Westen Abgewanderten dort ihre Arbeitsplätze behalten zu haben.

    #359474

    @fractus:
    Der Link führt auf eine Darstellung, die den Zeitverlauf des nominalen Bruttoinlandsprodukts zeigt. Das wächst auch dann, wenn weniger Güter produziert werden, aber die produzierten Güter so viel teurer werden, dass der Geldwert aller Güterkäufe steigt. Das war 1993 der Fall.

    Wenn man den Effekt der Preissteigerungen herausrechnet, also die tatsächlich produzierte Gütermenge betrachtet, und den Quartalsverlauf des so bereinigten Bruttoinlandsprodukts anschaut, stellt man fest, dass im Lauf des Jahres 1992 das Bruttoinlandsprodukt zu sinken begann. Das setzte sich 1993 noch fort.
    Die Gesamtproduktion im Jahr 1992 lag noch über der im Jahr 1991, die von 1993 unter der von 1992.

    #359475

    Leider funktioniert der Kapitalismus nicht ganz so gut wie es nach dem von fractus angegebenen Link scheint!

    #359498

    Es ist ja nicht so, dass die hundertausenden Menschen, wenn nicht gar mehr als einer million Menschen, die dem Osten der Arbeit wegen den Rücken gen Westen gekehrt haben, am sogenannten Ende des Booms nach 1993 wieder arbeitslos geworden sind.

    https://www.ifo.de/DocDL/ifoDD_19-03_23-25_Roesel.pdf

    #359524

    Sind sie sicher nicht. Hat das jemand behauptet?

    #359591

    Deine Deutung möchte ich ersteinmal so stehen lassen. (wenn ich auch nicht vollends überzeugt bin, zu viele Aspekte sind nicht einmal angerissen)

    Sie bedeutet, dass der Vereinigungsprozess volkswirschaftlich nicht nur für den Osten ein Desaster war. Auch im Westen wurden keine nachhaltigen volkswirtschaftlichen Effekte außer einem kurzen Strohfeuer erzielt.

    #359593

    Das sehe ich so, aber ein Verzicht auf die Vereinigung wäre wohl noch sehr viel teurer geworden.

    Abgesehen davon ist die ökonomische Perspektive nicht die einzige, vielleicht nicht einmal die wichtigste.

    #359710

    Die Rache der ehemaligen DDR-Bürgerin an Einheits-Deutschland.

    Erst vermurkst sie dieses Land und dann bedankt sie sich brav für die Zuarbeit aus dem Süden:

    https://www.welt.de/wirtschaft/article202670476/CDU-Wirtschaftsrat-geisselt-Merkels-Draghi-Lob.html?wtrid=kooperation.reco.taboola.free.welt.desktop

    Wer kann das noch aushalten?
    Wie ist das überhaupt möglich?
    Ist die politische Klasse Deutschlands sediert?

    #359711

    teu

    Ist die politische Klasse Deutschlands sediert?

    Komplett sediert wohl nicht, weil da Fremdeinwirkung, also Geld, vonnöten ist.
    Für CDU, SPD und GRÜN würde da ich nicht die Hand ins Feuer legen.

    Ich würde für degeneriert plädieren.
    Das trifft auf alle zu.

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