Magdeburg, 9. Januar 2026 – Zum Beginn des neuen Jahres sind viele Menschen motiviert, ihre Essgewohnheiten zu überdenken und sich gesündere Routinen anzueignen. Doch was oft als guter Vorsatz beginnt, kann für manche in einem gefährlichen Trend enden. Die BARMER warnt vor den Auswirkungen eines Social-Media-Trends, der insbesondere junge Frauen unter Druck setzt: „Skinny Tok“. Auf Plattformen wie Instagram und TikTok werden extrem schlanke Körperbilder propagiert, die unrealistische Schönheitsideale vermitteln und zu Essstörungen führen können.
Obwohl es keine eindeutigen statistischen Belege für einen direkten Zusammenhang zwischen Social Media und Essstörungen gibt, zeigt eine Auswertung der BARMER alarmierende Zahlen. In Sachsen-Anhalt ist die Zahl der diagnostizierten Essstörungen bei Mädchen und jungen Frauen zwischen 12 und 29 Jahren in den letzten fünf Jahren um fast 88 Prozent gestiegen. Waren es 2018 noch 7,2 von 1.000 jungen Frauen, die wegen einer Essstörung behandelt wurden, lag die Rate 2023 bereits bei 13,5 pro 1.000.
„Der Jahreswechsel bietet die Gelegenheit, alte Gewohnheiten zu überdenken und gesunde Routinen zu etablieren. Wichtig ist jedoch, dass wir niemandem gefallen müssen und nicht auf Diät-Trends setzen, die das Risiko einer einseitigen Ernährung und gesundheitlicher Nachteile bergen“, sagt Birgit Dziuk, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Sachsen-Anhalt. Familien, aber auch Freundeskreise, sollten auf Anzeichen von Essstörungen achten und im Zweifelsfall frühzeitig professionelle Hilfe suchen.
Warnsignale und Ursachen
Zu den typischen Warnzeichen einer Essstörung zählen auffällige Gewichtsveränderungen in kurzer Zeit sowie das Vermeiden gemeinsamer Mahlzeiten. Auch das häufige Reden über Kalorien, Diäten oder Schlankheitsziele ist ein Indiz. Dziuk weist darauf hin, dass die in sozialen Netzwerken verbreiteten Inhalte von vermeintlich „schönen“, dünnen Models und Influencerinnen einen enormen sozialen Druck ausüben können. Es sei wichtig, dass junge Menschen verantwortungsvoll mit diesen Inhalten umgehen, um keine krankhaften Selbstbilder zu entwickeln. Wenn die Beschäftigung mit bestimmten Influencerinnen nicht gut tue, sei es ratsam, ihnen konsequent zu entfolgen oder auf Social Media ganz zu verzichten – auch bekannt als Digital Detox.
Hochburgen der Essstörungen
In Sachsen-Anhalt sind Essstörungen bei jungen Frauen insbesondere in den Städten Halle und Magdeburg weit verbreitet. In Halle liegt die Rate bei 26,8 von 1.000 jungen Frauen, gefolgt von Magdeburg mit 15,3 von 1.000. Der Saalekreis verzeichnet eine Rate von 13,6, während die niedrigsten Zahlen im Burgenlandkreis (5,7 von 1.000) und im Landkreis Wittenberg (6,4 von 1.000) zu finden sind.
Die verschiedenen Arten von Essstörungen
Es gibt mehrere Formen von Essstörungen, die sich in ihrem Krankheitsbild unterscheiden. Die Anorexia nervosa ist durch extremen Gewichtsverlust und eine verzerrte Wahrnehmung des eigenen Körpers gekennzeichnet. Betroffene verzichten häufig auf Nahrung und betreiben oft exzessiv Sport. Bei der Bulimia nervosa leiden die Patienten unter Essanfällen, gefolgt von kompensatorischen Maßnahmen wie Erbrechen oder exzessivem Sport. Eine weitere Form ist die Binge-Eating-Störung, bei der Betroffene ebenfalls Essanfälle haben, diese jedoch nicht kompensieren, was häufig zu Übergewicht führt.
Kritik an Social-Media-Inhalten
Die Social-Media-Plattform TikTok hat 2025 den Hashtag #SkinnyTok gesperrt und verweist bei entsprechenden Suchanfragen auf Hilfsangebote für Menschen mit Körperwahrnehmungsstörungen. Allerdings sind Inhalte, die extremes Dünn-Sein glorifizieren, unter neuen Hashtags weiterhin weit verbreitet. Die BARMER sieht in der zunehmenden Popularität dieser Inhalte einen gefährlichen Trend, der die Gefahr birgt, dass junge Menschen krankhafte Körperbilder entwickeln. Die kritische Auseinandersetzung mit diesen Inhalten ist für Dziuk und andere Gesundheitsexperten von zentraler Bedeutung.
Prävention und Unterstützung
Die BARMER bietet verschiedene Programme und Initiativen zur Prävention von Essstörungen an. Das Präventionsprogramm „Durchblickt!“ richtet sich an Schulen und Familien, um die digitale Kompetenz zu stärken und eine gesunde Mediennutzung zu fördern. Weitere Angebote, wie die „Familienküche“ der Sarah Wiener Stiftung und der BARMER, bieten Eltern praktische Tipps, wie sie ihre Kinder aktiv in den Essalltag einbinden und eine positive, gesunde Beziehung zu Nahrung fördern können.
One comment on “Gefährlicher Social-Media-Trend: Zahl der Essstörungen in Sachsen-Anhalt steigt”
Ich denke durch den ganzen Internetscheiß werden die jungen Leute erst recht auf die falsche Richtung gezerrt. Muß man denn alles nachmachen? Ist die Verbödung wirklich schon soweit fortgeschritten?