Wohnpark Paulusviertel: Wiegand stellt sich hinter Bauprojekt

31. Mai 2013 | Wirtschaft | 1 Kommentar

Der umstrittene Wohnpark Paulusviertel bekommt Rückendeckung von Oberbürgermeister Bernd Wiegand. Zwar lies er sich in einer Bürgerversammlung im Paulusgemeindehaus nur selten zu konkreten Aussagen hinreißen, verwies hauptsächlich auf Gesetze und Verordnungen. Doch während der Debatte machte er deutlich dass er hinter dem Projekt steht. „Ich bin zufrieden, wie es momentan läuft“, erklärte das Stadtoberhaupt. „Ich finde es gut, dass gebaut wird. Es erfreut mich, dass eine solche Ecke, die jahrelang verkommen ist, endlich hergerichtet wird.“ Es gebe durchaus eine Not an Wohnungen in Halle.

Anderthalb Stunden hatte die Bürgerversammlung gedauert. Oberbürgermeister Bernd Wiegand, HWG-Chef Heinrich Wahlen sowie Yvonne Winkler und Georg Breidenstein von der Initiative Pro Pauluspark stellten sich den Fragen von MZ-Redakteur Gert Glowinski. Im Anschluss kamen die Bürger zu Wort. Und die kritisierten in großen Teilen das Projekt. Zustimmung war nur äußerst selten zu vernehmen.

Die Firma Hallesche Gesellschaft für Wohnen und Stadtentwicklung (HGWS), ein Gemeinschaftsunternehmen des städtischen Vermieters HWG und der Baufirma Papenburg, will insgesamt 20 Millionen Euro in das Projekt investieren. Neben der Sanierung von Regierungspräsidium und Villa ist auch ein Neubau vorgesehen. Die Ursprungsplanung hatte abgespeckt werden müssen, nachdem es aus Richtung Stadtverwaltung Signale gab, dass diese nicht genehmigungsfähig sein. Nun sollen noch 113 Wohnungen (vormals 130) auf einer vermietbaren Fläche von 10.400 Quadratmetern (vormals 12.000) entstehen. Auch die Zahl der Stellplätze wurde reduziert. Der Grünflächenanteil steige von aktuell 13 auf dann 48 Prozent, sagte HWG-Chef Wahlen, der mit der nun erfolgten Verkleinerung das Gesamtprojekt am unteren Rand der Wirtschaftlichkeit sieht. Die Gesamtrentabilität sei um 25 Prozent reduziert. Für die HGWS bedeute dies erhebliche Umsatzverluste. Die Geschäftsführung eines Unternehmens habe in erster Linie die Aufgabe der Gewinnerzielung, verteidigte er die Notwendigkeit des Projekts. Der Neubau sei nötig, um die Gesamtwirtschaftlichkeit herzustellen. Wahlen sieht das Bauprojekt als einen „guten Beitrag für die Entwicklung des Paulusviertels“ an.

Das sieht Yvonne Winkler von der Initiative Pro Pauluspark natürlich anders. Sie hält den Neubau für überdimensioniert, im Schnitt sei er eine Etage zu hoch. Die Ecksituation an der Robert-Blum-Straße/Schleiermacherstraße sei nicht geglückt, weil diese in einem 90-Grad-Winkel ausgeführt wird und nicht abgerundet wie an den Altbauten. Zudem folge der Neubau nicht dem Straßenverlauf. Insgesamt sprach Winkler von einem „Übermaß der baulichen Nutzung“, das sei denkmalrechtlich nicht in Ordnung. Auf die Traufhöhen verwies Georg Breidenstein, der sich zudem gegen eine weitere Verdichtung aussprach. Er hoffe, die Stadt als Genehmigungsbehörde lese die Pläne kritisch. Es gebe im Paulusviertel keinen Bedarf an Wohnungen, stattdessen seien Kitas und Schulen nötig. Breidenstein forderte außerdem erneut ein Bebauungsplanverfahren als demokratische Form der Mitbestimmung. Die Konstruktion HWG und Papenburg in einer Gesellschaft sieht Breidenstein kritisch. Die HWG müsse bei solchen Bauprojekten ausschreiben, die HGWS dagegen nicht. Daneben werde die Stadt wohl nicht einen einzigen Euro aus der Rendite sehen.

Auch viele Bürger meldeten sich kritisch zu Wort. Das Vorgehen erinnere ihn an Stuttgart 21, meinte ein Mann, der von einer „Flak-Bunker-Allee“ sprach. Eine Frau äußerte eine drohende Verschärfung der Parkplatzproblematik, was HWG-Chef Wahlen anders sieht. Für die 113 Wohnungen würden 136 Stellplätze geschaffen. Daneben geben es im Paulusviertel genügend kostenpflichtige Stellplätze. Doch genau das ist der Punkt: die Bewohner wollen ihr Auto lieber kostenlos abstellen, das wurde aus Zwischenrufen deutlich. Mehrere Redner forderten zudem Grünflächen für die Kinder, damit die Kleinen dort zum Beispiel auf Bäume klettern können. Es sei für ihn erschreckend, wie leichtfertig Halle bei der Beseitigung von Grün vorgehen, meinte Andreas Liste (AHA). Es würde Halle gut zu Gesicht stehen, mehr Grün zu schaffen. Eine Frau machte den Vorschlag, doch liebe erstmal die Baulücken zu schließen anstatt auf der als Park geplanten Fläche einen Neubau zu errichten. Kritik gab es aber auch an der wenig aufwendigen Gestaltung des Neubaus. „Wenn Plattenbauten gewollt hätten, wären wir in ein anderes Viertel gezogen“, erklärte eine Frau. Andere Redner verwiesen auf den Flächennutzungsplan, wonach die Baufläche als Gemeinfläche ausgewiesen sei. Auch Wahlens Argument, man schaffe hier barrierefreien Wohnraum, der im Paulusviertel selten sei, wurde zerpflückt. Denn wie soll so ein Rollstuhlfahrer über die Straße kommen, meinte eine Frau.

Inzwischen haben sich in einer Petition 6.500 Menschen gegen das Bauprojekt und für die Schaffung eines Parks ausgesprochen. Zudem gibt es Spendenzusagen über 33.700 Euro. Georg Breidenstein will das als Anteil der Bürger zur Aufbringung des Eigenanteils für die Schaffung eines Parks verstanden wissen.

Print Friendly, PDF & Email

Kommentar schreiben