Wieder steigende Arbeitslosenzahlen in Halle

30. Juli 2015 | Wirtschaft | Keine Kommentare

Am Juli sind in Halle (Saale) und Sachsen-Anhalt die Arbeitslosenzahlen gestiegen. In der Saalestadt sind demnach 13.317 Männer und Frauen ohne Job. Das sind 284 als im Juni. Die Quote liegt mit 11,5 Prozent deutlich über dem Landesdurchschnitt von 10 Prozent. Sachsen-Anhalt-weit stieg die Zahl der Arbeitslosen um 2.833 auf 116.275.

Wie gewohnt aber an dieser Stelle auch der Blick hinter die Zahlen. Denn in der offiziellen Quote tauchten etliche Personen gar nicht auf. So waren in Halle (Saale) 702 Personen in Arbeitsgelegenheiten beschäftigt. Zudem befanden sich 610 Personen in Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung MAbE nach § 45 SGB III, 837 Personen in der Förderung der beruflichen Weiterbildung FbW, 504 Personen erhielten Eingliederungszuschüsse EGZ (einschließlich §§ 131, 421 f SGB III), eine Förderung der Selbständigkeit erhielten 240 Personen.

Viele Hallenser verdienen aber auch so wenig, dass sie als Aufstocker gelten. Sie erhalten also zusätzlich zum Lohn einen Zuschuss von der Arbeitsagentur. 34.620 Personen in Halle beziehen Hartz IV. Von diesen Personen erhielten 9.761 Sozialgeld, es handelt sich also um Kinder oder Behinderte. Es gibt 19.650 Bedarfsgemeinschaften.

Sachsen-Anhalts Arbeitsagenturchef Kay Senius spricht von einer „saisontypischen Sommerflaute“. Derzeit würden viele Ausbildungsverhältnisse und befristete Jobs enden. Die Arbeitgeber hingegen stellen dagegen häufig erst nach der Sommerpause neue Mitarbeiter ein, was vor allem den höheren Anstieg bei jungen Menschen und Frauen erkläre. Letztere seien überdurchschnittlich in befristeten Jobs beschäftigt. „Der Arbeitsmarkt hat derzeit zu wenig Dynamik, um diese Saisoneffekte auszugleichen. Grundsätzlich werden seit Jahresbeginn weniger Menschen entlassen, aber auch weniger eingestellt als in den Vorjahren. Dennoch ist der Arbeitsmarkt in einem sehr robusten Zustand. Ich gehe davon aus, dass die Arbeitslosigkeit im September wieder sinkt“, so Senius.

„Der leichte saisontypische Anstieg der Arbeitslosigkeit ist nicht verwunderlich. Viele Jugendliche beenden im Juli die Schule oder ihre Ausbildung und melden sich im Anschluss arbeitslos“, erklärt Brigit Kleinert, Geschäftsführerin Operativ der örtlichen Arbeitsagentur. Die Aufgabe der Agentur ist es weiterhin, den jungen Menschen zeitnah Vermittlungsvorschläge zu unterbreiten und sie auf dem Weg in die erste Erwerbstätigkeit oder Ausbildung zu unterstützen. „Der Arbeitsmarkt ist weiter aufnahmefähig“, betont Kleinert. Ein Beleg dafür sei der Bestand an freien Arbeitsstellen, der sich weiterhin auf einem guten Niveau bewegt. „Aber: Trotz guter Arbeitskräftenachfrage ist eine Knappheit auf der Bewerberseite in bestimmten Berufen und Branchen zu verzeichnen. Hier sollten die Unternehmen umdenken, es muss nicht immer der Spezialist sein, auch über eine kurzzeitige Anpassungsqualifizierung oder Probearbeit kann eine zeitnahe Stellenbesetzung erfolgen“, weiß Kleinert. „Die Instrumente der Arbeitsmarktpolitik gewinnen in Zeiten des demografischen Wandels zunehmend an Bedeutung“, so Kleinert weiter.

Print Friendly, PDF & Email

Kommentar schreiben