Verantwortungspartner für die Region: Unternehmen und Einrichtungen wollen Fachkräfte gewinnen

26. Juni 2014 | Wirtschaft | Keine Kommentare

Immer mehr Unternehmen in der Region um Halle (Saale) kommen Fachkräfte abhanden. Entweder haben junge Leute keine Luste auf den Beruf oder ihnen fehlen die Voraussetzungen. Aus diesem Grund haben sich schon 2008 Firmen und Einrichtungen der Region zusammengetan und haben die „Verantwortungspartner für die Region“ gegründet.
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Am Donnerstag trafen sich die Partner zum zweiten Meilensteintreffen. Dabei wurden sechs Arbeitsgruppen ins Leben gerufen.

In einer geht es ums Unternehmerische Handeln. Hierbei wird darüber beraten, wie man unternehmerisches Denken und Handeln in der Schule zum Thema machen kann. Die Schüler sollen sensibilisiert werden. So will man ihnen klar machen nur das auszugeben was auch eingenommen wird. Die Arbeitsgruppe unterstützt die Kinderstadt. In der Kreativitätsschule in Halle-Neustadt wird die erste Schülerfirma einer Grundschule gegründeti Die Krea-Kleckse gehen in zwei Wochen an den Start. „Wir stellen fest, dass Schüler bestimmte Kompetenzen nicht haben“, begründet Angela Papenburg vom Bauunternehmen Papenburg das Projekt.

In der Arbeitsgruppe Kompetenzentwicklung dreht sich alles um soziale Kompetenzen. So soll die Kommunikationsfähigkeit Jugendlicher verbessert werden. Denkbar wäre die Entwicklung von Kursen, in denen Azubis älteren Menschen beispielsweise Technikkurse geben und so auch mit anderen Generationen in Kontakt kommen. Auch sollen Angebote am Übergang von der Schule zum Beruf gesammelt werden. Zur Zeit steht man in Gesprächen mit einer Schule in Halle-Neustadt, um einen Testballon zu starten. Dabei will man der Schule auch zeigen, welche Erwartungen die Unternehmen haben.

Die Arbeitsgruppe Berufsorientierung hat die Idee zu einem Ringpraktikum in Halle für kleine Unternehmen. So haben diese auch einmal die Chance, einen Praktikanten ins Unternehmen zu lassen. Mehrere kleine Firmen sollen sich dabei einen Praktikanten teilen.

Die Arbeitsgruppe Fachkräftesicherung sucht unter anderem nach schlummernden Potentialen. Die könnten zum Beispiel in Studienabbrechern stecken. Doch auch eine Teilzeit-Ausbildung für junge Mütter wäre denkbar. Das scheitert aber momentan noch an den Berufsschulen.

Inklusion funktioniert heißt eine weitere Arbeitsgruppe. Ziel soll es sein, Unternehmen zu sensibilisieren, auch Behinderte in die Firmen zu holen und Inklusionsbeauftragte zu schaffen. Ende September ist dazu eine Arbeitgeberfrühstück geplant.

Gegründet wurde zudem eine MINT-Arbeitsgruppe. Diese will die Kompetenzen in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik stärken.

Messe für die MINT-Berufe
MINT11Um Jugendliche zu begeistern, wird am 5. Juli zu einer MINT-Messe ins Halloren- und Salinemuseum eingeladen. Auf spielerische und spannende Weise sollen die Jungen und Mädchen an die Themen herangeführt werden. Dabei geht es um Fragestellungen, wie man die Bundesliga vermessen kann, wie ein Salzkristall gezüchtet wird und die DNA aus einer Banane gefilter wird. Die Messe findet von 10 bis 15 Uhr statt, der Eintritt ist frei. Jeder Teilnehmer am MINT-Parcours nimmt an der stündlichen Verlosung der Hauptpreise (4 x 500 Euro) teil! Die Messe hat ein großes Ziel: Schüler/-innen der Region für MINT-Berufe zu begeistern. Fachkräfte werden hier dringend gesucht, wir zeigen in welchen Berufen die MINT- Fans ihr Glück finden können. Unternehmen und Institutionen der Region sind vor Ort und stellen sich und ihre MINT-Ausbildungsberufe, Studiengänge und Praktikumsangebote vor. Für Unterhaltung sorgt ein DJ und zur Entspannung kann MINT Eis ausprobiert werden. MINT steckt in fast allen Produkten, die wir verwenden: egal ob Zahncreme, Handy oder Sport-Top. Physik in der Umkleidekabine – welches Mädchen möchte nicht wissen, wie das funktioniert? Die Aussteller zeigen faszinierende MINT-Phänomene aus Forschung und Alltag. Das Einstein-Wellen-Mobil hilft, Wissenschaft aktiv zu verstehen. Schülerinnen und Schüler sowie die interessierte Öffentlichkeit sind eingeladen, sich mit Gravitationswellen, Relativitätstheorie und Urknall auseinanderzusetzen, auf spielerische Art zu erkunden. „Die Vorbereitung auf das Berufsleben solltet Ihr so früh wie möglich in den Blick nehmen. Schaut, was es alles für spannende Berufe in Eurer Nähe gibt,” so Dr. Petra Bratzke die Chefin der Arbeitsagentur Halle. Man wolle MINT begreifbar und erlebbar machen. 30 Aussteller werden vor Ort sein.

Es gebe zu wenig Jugendliche, die sich für die technischen Berufe begeistern, beklagt Prof. Dr. Jörg Kirbs von der Hochschule Merseburg. Zudem gebe es sehr viele Studienabbrecher. Deshalb habe man das Projekt „be an ing“ gestartet. „Mir geht das Herz auf wenn ich sehe, wie 12-jährige Kinder vor Begeisterung auf den Tischen stehen“, so Kirbs. Man müsse das Thema so rüberbringen, dass die Kinder es verstehen. Deshalb müssten diese in Experimente einbezogen werden. Kirbs schimpfte dabei auf angebliche Superstars ala DSDS. Die wirklichen Stars seien die Gewinner von Wettbewerben in Mathe oder Chemie, diese müssten auf Titelseiten erscheinen. Dann würden die MINT-Wissenschaften mehr Bedeutung in der Bevölkerung gewinnen. Schließlich seien die technischen Berufe das Zentrum des Wertschöpfungsprozesses.

Auch Ulrich Müller vom Cantor-Gymnasium ist der Meinung, dass Kinder und Jugendliche frühzeitig sehr intensiv mit technischen Fragestellungen vertraut gemacht werden müssten. Technik spiele derzeit an Gymnasien kaum eine Rolle. Problem seien die Lehrer, davon gebe es zu wenig. Müller befürchtet sogar eine weitere Abnahme. Es gebe in Zukunft kaum Lehrer in Physik, Technik und Informatik. Die bisherigen gehen in Rente, doch der Nachwuchs fehlt. Deshalb engagiere man sich am Cantor-Gymnasium, Lehrer-Nachwuchs zu gewinnen. Doch die Unterstützung durch das Land fehle. Wie Müller sagte, habe man Spezialkurse in Physik und Chemie mit der Hochschule Merseburg gestartet. So könnten bis zu 20 Jugendliche alle 14 Tage an einer intensiven physikalisch praktischen Ausbildung teilnehmen. Dafür gebe es Zertifikate und Leistungspunkte. Müller räumte auch mit der Mär auf, Technik sei nur etwas für Jungs. Am Cantor-Gymnasium gebe es in diesem Jahr vier Absolventen mit einem 1,0-Abitur, alles sind Mädchen. „Und das fünfte Mädchen ist mit 1,1 knapp vorbeigeschrammt.“ Das Cantor-Gymnasium bietet pro Jahr 72 Plätze in drei Klassen. Dafür gibt es 200 Bewerber.

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