Uni-Kürzungen: Wirtschaftsbeirat und OB schicken offenen Brief ans Land

3. Juni 2014 | Wirtschaft | 1 Kommentar

Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand und der vor wenigen Wochen von ihm ins Leben gerufene Wirtschaftsbeirat wenden sich laut Stadtverwaltung mit einem offenen Brief ans Land. Anlass sind die drohenden Schließungen der Uni-Studiengänge Informatik und Medien- und Kommunikationswissenschaften. Nachdem eine Stellungnahme der Stadt zunächst verspätet an das Land ging, versucht sich die Stadt nun mit dem Offenen Brief doch wieder in die Offensive zu bringen.
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Adressiert ist das Schreiben an Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff, Staatsminister Rainer Robra und Wirtschaftsminister Hartmut Möllring. In dem Brief wird gefordert, die Studiengänge zu erhalten, „insbesondere in Bezug auf die wirtschaftliche Bedeutung für die Stadt Halle (Saale) und die Region“, heißt es. „Beide Studiengänge sichern Know-how und Fachkräfte für die Wachstumsbranchen Medien- und Kreativwirtschaft sowie für die IT-Branche. Dazu kommt, dass mit Themen wie Big Data, Industrie 4.0 sowie die Zunahme von Mobilität in allen Branchen Informatik-Kenntnisse immer wichtiger werden.“

Verwiesen wird darauf, dass in der IT-Wirtschaft in der Region Mitteldeutschland zurzeit ca. 43.000 Mitarbeiter beschäftigt seien. In Halle sei in der IT-Branche zwischen 2005 und 2010 ein Anstieg der Mitarbeiter von 34 Prozent zu verzeichnen, bezieht sich die Stadt auf Untersuchungen des Clusters IT Mitteldeutschland. In Halle verzeichnete die IT-Branche von 2005 bis 2010 einen Anstieg der Beschäftigten von 34 Prozent. Der Branchenverband Bitkom rechne für die Informationstechnologie in Deutschland im Jahr 2014 mit einem Umsatzwachstum von 2,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Laut Medienstudie Halle/Saalekreis seien zudem etwa 4.500 Mitarbeiter in der Medien- und Kreativwirtschaft sozialversicherungspflichtig angestellt. Hinzu kämen die Angestellten der öffentlich-rechtlichen Sender sowie die freien Mitarbeiter. Demnach machen 7.100 Menschen in der Region etwas mit Medien. 243 Millionen Euro Umsatz seien 2010 erzielt worden, die Gesamtwachstumsrate habe 5,8 Prozent betragen.

„An dieser Entwicklung können die Europäische Metropolregion Mitteldeutschland sowie das Land Sachsen-Anhalt nur partizipieren, wenn entsprechende Fachkräfte und Absolventen der relevanten Studiengange verfügbar sind“, heißt es im offenen Brief weiter. „Gleichzeitig wird durch Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten in diesen Zukunftsbranchen die Attraktivität der Region für junge gut ausgebildete Fachkräfte und Studierende nachhaltig und langfristig erhöht.“

Das Land solle in der kommenden Haushaltsklausur prüfen, ob freigewordene Mittel zur Förderung der Studiengänge Informatik und Medien- und Kommunikationswissenschaften verwendet werden können. „Der Erhalt dieser Institutionen wird maßgeblich zum wirtschaftlichen Erfolg der Stadt Halle, der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland und des Landes Sachsen-Anhalt beitragen. Dieses Anliegen wird zudem vom Verband IT- und Multimediaindustrie (VITM), dem Cluster IT Mitteldeutschland und dem Arbeitgeberverband des Landes Sachsen-Anhalt unterstützt.“

Neben Wiegand haben das Schreiben Volker Ciesiolka (Geschäftsführer PS Union Holding GmbH), Matthias Lux (Vorsitzender Geschäftsführer der Stadtwerke Halle GmbH), Klaus Papenburg (Geschäftsführer der GP Gunter Papenburg AG), Jens Rauschenbach (Wirtschaftsbeauftragter und Finanzberater), Michael Schädlich (Geschäftsführer des Institutes für Strukturpolitik und Wirtschaftsforderung gGmbH Halle und Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates sowie HFC-Präsident), Roger Schenkel (Vorsitzender des Vorstandes der Saalesparkasse Halle), Udo Sträter (Rektor der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg), Ralf B. Wehrspohn (Leiter des Fraunhofer Institutes für Werkstoffmechanik IWM) sowie Barbara Wittmann (General Manager Dell Deutschland).

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