Russisches Arbeitsamt holt sich Tipps in Halle

22. Oktober 2013 | Wirtschaft | Keine Kommentare

Probleme mit der Jugendarbeitslosigkeit, die gibt es nicht nur in Sachsen-Anhalt, sondern auch in der Russischen Föderation. Deshalb besucht jetzt eine russische Delegation die Regionaldirektion der Bundesarbeitsagentur in Halle und die Arbeitsagentur Weißenfels. Das Ziel: Mehr über deutsche Strategien gegen Jugendarbeitslosigkeit erfahren. Mit dabei ist auch eine Ministerin aus dem 3.200 km entfernten Ufa in Baschkortostan, der Partnerstadt von Halle.

Um 60 Prozent ist die Jugendarbeitslosigkeit in Sachsen-Anhalt seit 1991 gesunken. Allerdings nicht, weil mehr Jobs geschaffen wurden. Viele Jugendliche sind in den Westen abgewandert, hinzu kommt der Geburtenknick. Zwar herrscht mittlerweile in Sachsen-Anhalt Fachkräftebedarf. Trotzdem ist die Situation der arbeitslosen Jugendlichen hierzulande weiterhin problematisch: Jeder siebte junge Arbeitslose hat keinen Hauptschulabschluss, mehr als jeder Dritte keine abgeschlossene Berufsausbildung. Und die Arbeitslosenquote der Menschen unter 25 Jahren liegt mit 10 Prozent noch weit über dem Bundesdurchschnitt.

In Russland liegt die Arbeitslosenquote nach offiziellen Angaben insgesamt zwar aktuell bei nur 5,2 Prozent, sie ist allerdings laut Presseberichten allein in den letzten sechs Monaten um 0,5 Prozent gestiegen. In manchen Teilrepubliken liegt die Arbeitslosenquote bei über 15 Prozent. „Wir wissen, dass insbesondere in der Peripherie der Föderation – weit weg von Moskau und St. Petersburg – der Strukturwandel und die Integration geringqualifizierter junger Menschen viele Probleme bereiten. Auch Sachsen-Anhalt hat in den 90er und 2000er Jahren einen erheblichen Strukturwandel erlebt. Unsere Gäste wollen deshalb von unseren Erfahrungen und Strategien profitieren“, erklärt der Chef der Arbeitsagenturen in Sachsen-Anhalt und Thüringen, Kay Senius.

So wird die vierköpfige Delegation von den Experten der Regionaldirektion in die Arbeitsmarktentwicklung und Herausforderungen des Landes Sachsen-Anhalt eingewiesen. Dazu gibt es Vorträge und Diskussionen über die aktuellen Strategien zur Vermeidung von Jugendarbeitslosigkeit sowie zur Qualifizierung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

In der Arbeitsagentur Weißenfels informieren sich die Gäste über Abläufe und Prozesse vor Ort und lernen im Berufsinformationszentrum Merseburg kennen, wie die Berufsorientierung und Berufsberatung für Jugendliche in Deutschland funktioniert. Aber auch mit Vertretern der Wirtschaft treffen sich die Arbeitsmarktspezialisten aus Russland. So besuchen sie die Ausbildungswerkstatt der MIBRAG in Theißen, denn fast überall im Ausland herrscht reges Interesse am dualen Ausbildungssystem und wie die Einstellung von benachteiligten Jugendlichen in der Wirtschaft in Praxis wirklich läuft.

Lenara Ivanova ist die Arbeitsministerin der Republik Baschkortostan, im östlichsten Teil Europas. Für sie hat sich die 3.200 km lange Reise nach Sachsen-Anhalt auf jeden Fall gelohnt: „Die Situation auf dem russischen Arbeitsmarkt ist zwar stabil, dennoch gibt es Strukturprobleme. Zum Beispiel Missverhältnisse zwischen den Qualifikationen potentieller Arbeitnehmer und den Anforderungen der Arbeitgeber. Unsere Hauptaufgabe ist es, die Überwindung des Ungleichgeweichtes auf dem Arbeitsmarkt anzupassen. Es gibt deshalb auch schon Programme zur Beschäftigungsvermittlung benachteiligter Jugendlicher oder Schwerbehinderter. Die im Juni des Jahres in Wolgograd vereinbarte Kooperation zwischen der russischen Arbeitsverwaltung und der Bundesagentur für Arbeit wird in Halle fortgeführt und trägt erste Früchte. Die russische Seite will dabei auch von den großen Erfahrungen der Deutschen bei der Lösung von Beschäftigungsproblemen profitieren. Diese Kooperation gilt es durch den Austausch von Erfahrungen und guten Beispielen auszubauen.“

Print Friendly, PDF & Email

Kommentar schreiben