Richtfest in Neustadt: Plattenbau bekommt Laubengang

26. Februar 2014 | Wirtschaft | Keine Kommentare

Die Menschen werden immer älter, das Treppensteigen fällt schwerer. Viele Senioren setzen deshalb auf Wohnungen mit Aufzug. Die aber gibt es in den meisten Plattenbauten nicht und sind auch nur schwer nachzurüsten.

LaubengängeIn einem Pilotprojekt ergänzt die Bau- und Wohnungsgenossenschaft Halle-Merseburg e.G. einen Halle-Neustädter Plattenbau nun durch ein Laubengang-Modul, an dem sich ein Aufzug anschließt. Am Mittwoch wurde in Anwesenheit von Bauminister Thomas Webel an der Azaleenstraße Richtfest gefeiert. Das Pilotprojekt in der Azaleenstraße 27-31 soll zum ersten Mal in Deutschland nachweisen, dass es möglich ist, an Gebäuden des industriellen Wohnungsbaus „Laubengänge“ nur an den oberen Geschossen zu installieren. Denn nicht nur Halle steht vor dem Problem, wie Plattenbauten altersgerecht umgebaut werden können. Das Projekt wurde auch schon in China vorgestellt. Die Asiaten haben ähnliche Probleme mit fehlenden barrierefreien Wohnungen für ältere Menschen.

Durch den Laubengang soll für 29 Wohnungen ein barrierefreier Zugang über einen Aufzug möglich sein. Die laufenden Betriebskosten sollen im Interesse der Bewohner minimiert werden. Die bauliche Lösung sichert, dass insgesamt keine Wohnflächenverluste entstehen, da die Treppenhausflächen als zusätzliche Wohnflächen genutzt werden. Auch dadurch entstehen sehr attraktive Grundrisse der dann barrierefrei erreichbaren und zum Teil auch barrierefreien Wohnungen.

IMAG5200Das Laubengangmodul wird an den Plattenbau angebaut. Die einzelnen Etagen der Laubengänge sind per Aufzug und Treppe erreichbar. „Schnüffeln“ an den Wohnungseingangstüren oder durchs Fenster lugen kann von Außen kein Fremder. Denn die Etagen sind jeweils nur mit speziellen Transpondern erreichbar. Besucher müssen sich auch keine Gedanken mehr machen, wo denn nun genau ihr Gastgeber wohnt: der Fahrstuhl fährt automatisch in die Etage, in der geklingelt wurde.

Umgestaltet werden aber auch die Grundrisse der Wohnungen. Unter anderem sind Wohnküchen geplant. Die Dachterrassen werden derzeit, weil sie in Richtung Norden zeigen, kaum genutzt. Deshalb werden sie zu einem vollwertigen Wohnraum mit großer Glasfront umgestaltet. Auch die bestehenden Treppenhäuser im Gebäudeinneren werden durch den Umbau nicht mehr benötigt, deshalb beseitigt und ebenfalls zu Wohnraum umgestaltet.

Die ersten Wohnungen in den Obergeschossen können bezogen werden. Der Abschluss der Arbeiten ist für Oktober 2014 geplant. Einher geht der Umbau mit einer Mieterhöhung auf 5.20 Euro kalt. Knapp zwei Millionen Euro kostet der Umbau, er wird mit 774.000 Euro gefördert.

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