Rente mit 63 und Mindestlohn: Firmen in Halle wollen Jobs abbauen

12. Februar 2015 | Wirtschaft | 4 Kommentare

In Sachsen-Anhalt droht ein Job-Abbau. Das geht zumindest aus dem Geschäftsklimaindex der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau hervor. Dieser ist in der Region Halle (Saale) und Saalekreis ist zum Jahresende 2014 im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal gefallen.

Mit 18,8 Punkten liegt der Indikator aber weiter klar im positiven Bereich. Dabei blieb die Lage stabil, während sich die Erwartungen der Unternehmen deutlich eintrübten. Zu diesen Ergebnissen kommt die Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau (IHK) in ihrem jüngsten Konjunkturbericht für die Region.

„Dies entspricht grundsätzlich der Entwicklung im ganzen Süden Sachsen-Anhalts, allerdings fällt die Stimmungseintrübung in Halle und im Saalekreis etwas moderater aus“, erläutert Dr. Christof Altmann, Leiter des Geschäftsfeldes Standortpolitik bei der IHK, die Ergebnisse der Unternehmensbefragung. „Die Gründe dafür sind eine überdurchschnittlich starke Entwicklung der Industrie und sehr gute Lagebeurteilungen aus dem Baugewerbe und dem Dienstleistungsbereich. Deutliche Eintrübungen der Lage vermelden hingegen der Handel und das Verkehrsgewerbe“, so Altmann weiter.

Bei den Geschäftserwartungen hingegen sorgten die allgemeine konjunkturelle Abkühlung und die gestiegenen politischen Risiken dafür, dass die Unternehmen mittlerweile eher pessimistisch als optimistisch in die Zukunft blicken. Besonders die bundespolitischen Änderungen bei der Rente und auf dem Arbeitsmarkt verunsichern viele Unternehmen. So sind die Beschäftigungspläne mittlerweile per Saldo negativ. Das heißt: Mehr Unternehmen wollen Personal abbauen als aufbauen. „Die Rente mit 63 und der gesetzliche Mindestlohn verschärfen die Probleme Fachkräftemangel und Arbeitslosigkeit gleichzeitig“, stellt IHK-Arbeitsmarktexperte Danny Bieräugel dazu fest. „Viele Strukturprobleme des regionalen Arbeitsmarktes schienen eigentlich überwunden und werden nun ohne Not wieder verschärft“, so das Urteil der IHK.

Die Ergebnisse des IHK-Konjunkturberichtes im Einzelnen:
Die Industrie hält ihr hohes Niveau. Der Geschäftsklimaindex für die Branche ist mit 28,7 Punkten gegenüber dem Vorjahresquartal unverändert. Anders als im IHK-Bezirk insgesamt zeigt die Branche regional keine Schwäche. Dabei verbessert sich die Geschäftslage erneut. Insbesondere die Umsätze und die Gewinne konnten dabei im aktuellen Quartal zulegen. Die Geschäftserwartungen sind zum Vorjahr dagegen verschlechtert. Der Saldo fällt unter die Nulllinie. Auch die Beschäftigungs- und Investitionsplanungen sind aktuell mehrheitlich negativ.

Im Baugewerbe ist die Stimmung leicht rückläufig. Das Geschäftsklima sinkt etwas ab. Mit 4,3 Punkten liegt der Index auf einem weitgehend ausgeglichenen Niveau. Dabei hat sich die Geschäftslage angesichts guter Umsatzentwicklung gegenüber dem Vorjahr sogar nochmals verbessert und erreicht einen sehr guten Wert. Die Geschäftserwartungen sinken dagegen bis in den negativen Bereich ab und sind deutlich schlechter als im Vorjahresquartal. Es wird mit entsprechenden Umsatzrückgängen gerechnet.
Das Dienstleistungsgewerbe ist Stütze der Konjunktur. Das Geschäftsklima bleibt mit 27,3 Punkten nahezu unverändert auf seinem guten Niveau. Dabei hielt die Geschäftslage ihr außerordentlich hohes Niveau das ganze Jahr über. Die Geschäftserwartungen sind zum Vorjahr unverändert per Saldo ausgeglichen und lassen auch weiterhin eine stabile Entwicklung erwarten. Die Beschäftigungsabsichten dagegen trüben sich deutlich ein. Grund ist hier vor allem der gesetzliche Mindestlohn, der besonders Unternehmen im arbeitsintensiven Dienstleistungsgewerbe trifft.

Der Handel ist deutlich schwächer. Das Geschäftsklima fällt nach dem guten Niveau des Vorjahres unter die Nulllinie. Der aktuellen Situation ging aber eine fulminante Entwicklung im Jahresverlauf voraus: Während in der ersten Jahreshälfte ein regelrechte Boom zu verzeichnen war, stellt der Rückgang in der zweiten Jahreshälfte eine Art Normalisierung dar. Dementsprechend sinkt die Geschäftslage auf ein Niveau leicht oberhalb der Nulllinie. Die Erwartungen sind deutlich negativ, es werden Umsatzrückgänge erwartet.

Im Verkehrsgewerbe sind die Aussichten trübe. Das Geschäftsklima zeigt gegenüber dem Vorjahresquartal einen deutlichen Rückgang. Mit 0,4 Punkten ist der Index nur noch ausgeglichen. Dabei verschlechtert sich die Geschäftslage zwar deutlich, bleibt aber noch solide im positiven Bereich. Deutliche Eintrübungen dagegen zeigen die Geschäftserwartungen. Nach stark optimistischen Aussichten im Vorjahresquartal äußern sich die Unternehmen aktuell mehrheitlich pessimistisch. Es wird mit Umsatzrückgängen gerechnet. Besonders stark sinken hier die Beschäftigungsplanungen.

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