Regierungspräsidium: HWG hält an Neubau fest, Baustart im Februar

7. Dezember 2012 | Wirtschaft | 1 Kommentar

Die Hallesche Wohnungsgesellschaft hält zusammen mit ihrem Partner GP Papenburg Hochbau an den Plänen für den Wohnpark Paulusviertel fest. Demnach sollen nicht nur das bestehende Regierungspräsidium und die benachbarte Villa saniert, sondern auch ein Neubau entlang der Robert-Blume-Straße errichtet werden. Insbesondere hiergegen hatten sich Anwohner gewehrt. Sie setzen sich stattdessen dafür ein, dass auf der Fläche ein Park entsteht.

Für die HWG keine Option. HWG-Chef Heinrich Wahlen sieht es nicht als Aufgabe er gemeinsamen Gesellschaft von HWG und Papenburg an, öffentliche Grünflächen zu erreichten. Das müsste die Stadt schon selbst tun und Geld und Willen dazu aufbringen. Wahlen machte auch deutlich, dass der Neubau zur Finanzierung der Altbausanierung nötig sei. „Eine Sanierung von denkmalgeschützten Altbauten ist immer teurer. Eine Umnutzung wird noch teurer.“ Nur den Altbau zu sanieren ohne einen Neubau zu errichten sei finanziell nicht darstellbar. Es gebe keine Fördermittel für das Gesamtprojekt, weshalb es sich auch rechnen müsse. Wahlen stellte aber auch klar, dass sich sein Unternehmen zuvor von der Bebaubarkeit überzeugt habe. „Wären die Freiflächen nicht bebaubar, hätten wir das Grundstück nicht gekauft.“ Sein Geschäftspartner Frank Heinze von Papenburg wurde deutlicher: „Wir werden nicht das Denkmal sanieren ohne einen Neubau zu errichten. Das wäre zu teuer.“ Man gehe davon aus, dass das Vorhaben genehmigungsfähig sei.

Vorgesehen sind insgesamt 130 Mietwohnungen im oberen Preissegment (8 Euro / qm), darunter 79 im Neubau – die zur Hälft barrierefrei sein werden und über KFW 70-Standard verfügen. Solarthermie soll zum Einsatz kommen. Alle Wohnungen werden über Balkons sowie im Erdgeschoss über Terrassen und Mietergärten verfügen. Wie Architekt Gregor Fuchshuber sagte, habe man darauf geachtet, dass sich der Neubau in die Umgebungsbebauung einfügt. Genau das zweifeln die künftigen Nachbarn an. Demnach nehmen die Bauteile in der Robert-Blum-Straße Bezug auf die gegenüberliegende Bebauung. Man baue bewusst keinen Riegel, wie ihn beispielsweise der Gestaltungsbeirat vorgeschlagen hatte. Das Architektengremium sprach sich für eine mächtigere Bebauung aus. Laut Fuchshuber seien die Gebäudeteile fünf bis sieben Meter in das Grundstücksinnere versetzt, so dass es Platz für Vorgärten gibt, so wie es in der Bestandsbebauung drumherum schon der Fall ist. Fuchshuber hob auch eine „sehr hohe Entsiegelung“ hervor. Bislang bestehe das Gelände zu 14 Prozent aus Grünflächen, künftig zu 42 Prozent. Zumindest tagsüber soll der Bereich öffentlich zugänglich sein. Zwei Spielflächen sind vorgesehen, für Kleinkinder und Hortkinder. Die Pflanzung von 7 Großbäumen sowie diversen Obstbäumen ist vorgesehen. Doch zuvor kommt erstmal die Kettensäge. 39 Bäume werden gefällt, darunter 7 Großbäume. Die Straßenbäume wie beispielsweise die Platane an der Direktorenvilla – die ein Ärztehaus werden soll – bleiben erhalten.

Schon im Februar soll Baustart sein. Laut Baudezernent Uwe Stäglin sei aber noch keine Baugenehmigung erteilt. „Der Flächennutzungsplan sieht hier auch eine Baufläche vor“, so Stägling, allerdings für Verwaltung und Sport. Aus diesem Grund reiche eine Genehmigung nach §34 des Baugesetzbuches. Es habe zwar einst tatsächlich Pläne für einen Park gegeben, kurz danach aber auch für Bebauung. Das jetzige Vorhaben entspreche der Erhaltungssatzung.

Diskussionen gab es auch darum, dass die vielen Wohnungen auch die Parkplatznot im Viertel verschärfen. Man baue in zwei Tiefgaragen 143 Stellflächen (laut HWG über dem Grundwasserspiegel und weg vom unterirdischen Bach faule Witschke), hinzu kämen 12 auf dem Gelände. Das Unternehmen weist dabei darauf hin, dass rein rechnerisch auf 100 Wohnungen in Halle 63 Autos kommen. Demnach seien sogar noch Reserven vorhanden, die von Mietern benachbarter Grundstücke genutzt werden können. Vergessen werden darf aber auch nicht, dass es derzeit im Hof des ehemaligen Regierungspräsidiums 90 Stellflächen gibt, die wegfallen. 318 Fahrradabstellflächen sind geplant.

Die Arbeiterwohlfahrt will auf dem Gelände eine Kita mit Hort für 120 Kinder einrichten. Dadurch sollen insbesondere die Lessing- und die Dürer-Schule entlastet werden.

Insgesamt werden mehr als 20 Millionen Euro investiert. Im Oktober 2014 soll alles fertig sein.

Am kommenden Dienstag sollen die Anwohner offiziell informiert werden. Um 19.30 Uhr gibt es in der Dürer-Schule eine Bürgerversammlung. Eine Petition für die Errichtung eines Parks haben schon mehr als 3.100 Menschen unterzeichnet:
https://www.openpetition.de/petition/online/pro-paulus-park

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