Paulusviertel: Anwohner rebellieren gegen Pläne am Regierungspräsidium

1. November 2012 | Wirtschaft | 2 Kommentare

Unangenehme Post erhalten die halleschen Stadträte am Freitag. Eine Bürgerinitiative im Paulusviertel macht mobil gegen die Pläne der HWG zur Errichtung eines neuen Wohnkomplexes am ehemaligen Regierungspräsidium. Einige Anwohner drohen sogar bereits mit Klage gegen das Millionenprojekt.

„Mit großer Sorge beobachten wir die nur spärlich an die Öffentlichkeit getragene Planung eines großen Wohnungsbauvorhabens (ca. 130 Wohneinheiten) im Herzen des Paulusviertels durch die Hallesche Gesellschaft für Wohnen und Stadtentwicklung mbH, ein Unternehmen, das sich zur Hälfte aus der privaten Firma Papenburg und zur anderen Hälfte aus der städtischen HWG zusammen setzt. Wir bitten Sie, als Stadträte und Verantwortliche in der Politik, nehmen Sie Ihre Aufsicht und Verantwortung für das Paulusviertel und die Stadt Halle wahr und ernst“, heißt es in einem offenen Brief, der am Freitag zugestellt werden soll. Die Anwohner appellieren in ihrem Schreiben an die städtebauliche Verantwortung des städtischen Unternehmens.

Kritik wird insbesondere daran geübt, dass die neue Blockbebauung durchgezogen werden soll, obwohl es für das gründerzeitlich geprägte Paulusviertel eine Erhaltungssatzung gibt. Dieser Satzung widerspreche der Bauantrag in eklatanter Weise. Man begrüße zwar ausdrücklich die Sanierung des Regierungspräsidiums und der Villa auf dem Gelände, sehe aber den geplanten Neubau nebenan an „höchstproblematisch“ an, heißt es weiter. Hier solle ein Neubau mitten in den inneren Ring des Paulusviertels gesetzt werden, „der die Flächen in einer Weise verdichtet, die dem Viertel seinen Charakter nehmen werden. Der Neubau fügt sich nach den bisherigen, dem Bauantrag zugrunde liegenden Planungen architektonisch in keiner Weise in die vorhandene Bebauung ein. Der Baumbestand würde fast vollständig geopfert werden.“ Daneben sei die Infrastruktur des Paulusviertels 70 weiteren Wohnungen nicht gewachsen.

Alte Pläne des Parks

Die Idee deshalb: den alten historischen Park wieder aufleben lassen. „Offenbar bestand die historische städtebauliche Idee darin, das sehr groß dimensionierte Verwaltungsgebäude um eine entsprechende Grünfläche zu ergänzen und den Kern des Paulusviertels damit zu entlasten und aufzuwerten“, zeigt sich die Bürgerinitiative überzeugt. „Diesen ehemaligen Park gilt es wiederherzustellen, wenn man das Gelände des ehemaligen Regierungspräsidiums entsprechend den Ideen der Erhaltungssatzung der Stadt Halle und des Flächendenkmals des Landes Sachsen-Anhalt restaurieren will. Zum historischen Paulusviertel gehörte der kleine, zentrale Park, der dem Paulusviertel in seiner jetzigen Gestalt dringend fehlt.“

Die Anlieger fordern nun „eine städtebauliche Nutzung des Geländes bzw. der Grünfläche des ehemaligen Regierungspräsidiums, die dem Charakter des historisch gewachsenen Paulusviertels Rechnung trägt und den Nutzungsdruck auf die vorhandenen Frei- und Spielflächen nicht noch verstärkt .“ Daneben sei eine öffentliche Diskussion „über diesen massiven Eingriff in die Gestalt des Paulusviertels“ nötig. Auch dürfe keine Fällgenehmigung für die Bäume erteilt werden.

Bereits im Frühjahr 2013 will die HWG eigentlich mit bauen anfangen, 2014 sollen die ersten Mieter einziehen.

Weiterführender Artikel:
Regierungspräsidum: Baustart im Frühjahr 2013

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