„Ortsunüblich“: Dölauer kämpfen gegen Wohngebiet am Heiderand

28. Oktober 2013 | Wirtschaft | 3 Kommentare

Nicht ortsüblich, zu groß, Wildwuchs, Lüge, wir werden verarscht … Stadtverwaltung und GWG sahen sich am Montagabend kräftigem Widerstand ausgesetzt. Anlass ist ein geplantes neues Wohngebiet am Heiderand. Die Anwohner machten im Rahmen einer Bürgerversammlung im vollbesetzten Saal der Kirchgemeinde deutlich, dass sie die Neubauten nicht wollen.

Die GWG befindet sich derzeit in der Vorplanung für das Areal, welches sie 2011 vom Land Sachsen-Anhalt erworben hatte, und will 55 Wohnungen in insgesamt sechs Neubauten schaffen. Zwischen 9 und 12 Metern hoch sollen die Gebäude werden, erläuterte Prokurist Alexander Conrad. Unter dem Komplex ist eine Tiefgarage vorgesehen mit einem Stellplatz pro Wohnung. Geplant ist auf dem Gelände auch ein Kinderspielplatz. Dieser soll direkt neben dem Regenrückhaltebecken entstehen. Das dürfte vor allem mit Blick auf vergangene Unglücke Sorgenfalten bei Eltern aufwerfen. Laut GWG soll aber eine Absturzsicherung eingebaut werden. Wann genau Baustart ist und wie viel investiert werden, steht noch nicht fest.

Eine Vielzahl an Argumenten brachten die Einwohner gegen das Projekt vor. Immer wieder hörte man „ortsunüblich“. Ein Anwohner bemängelte die geplante Versiegelung des Geländes von 60 Prozent. Irgendwo müsse das Wasser ja hin, und der Hechtgraben als Ableiter sei jetzt schon überlastet, bei Starkregen würden Grundstücke überschwemmt. „Wir werden prinzipiell absaufen“, schimpfte er. Die GWG verwies auf ein Regenrückhaltebecken, daneben werde die Tiefgarage begrünt. Das wirke wie ein Schwamm, hieß es von der GWG.

Von „Windeiern“ sprach ein anderer Mann, der sich zudem beruflich um Querschnittskranke kümmert. „Lassen Sie sich keinen Sand in die Augen streuen.“ Mit dem Projektbestandteil Senioren solle offenbar der Stadtrat umgarnt werden. Alte Menschen aber würden in der neuen Anlage isoliert, die nächste Einkaufsmöglichkeit sei weit weg. Er äußerte auch die Befürchtung, bald müsse man wohl in der Heide nach dementen Personen suchen. Ihm sprang sogleich eine Pflegeunternehmerin beiseite. „Senioren sehnen sich nach Leben, nicht nach Wald“, sagte die Frau, die einmal selbst ein Pflegeheim in Dölau einrichten wollte, davon aber wieder Abstand nahm. Abgeschnitten sei das Areal, meinte ein Mann, schwer zu finden, auch vom Notarzt. Der Winterdienst lasse zu wünschen übrig, meinte eine Frau. Da kämen die Senioren gar nicht raus aus dem Areal. Offenbar hatte sie vergessen, dass sie als Anliegerin selbst vor ihrem Haus räumen muss. Doch sie sah auch die Gefahr, dass Rollatoren im sandigen Boden steckenbleiben.

Aber nicht nur Senioren sind ein Argument gegen das Projekt, auch Kinder. In der Kita gebe es zu wenig Plätze, meinte ein Mann. Und die Leiterin der Grundschule Dölau erklärte, bereits jetzt sei die Schuler übervoll. Maximal gebe es Platz für 135 Jungen und Mädchen. Nach Rettungswegen erkundigte sich ein weiterer Anwohner. Laut Architekt Uwe Graul sei daran gedacht, auch die Aufstellfläche für die Feuerwehr sei vorhanden. Es habe zudem bereits Gespräche mit der Feuerwehr gegeben.

Es gehe nicht mit rechten Dingen zu, meinte ein anderer Anwohner. „Einem Privaten hätten Sie das nie genehmigt.“ Ein anderer Anwohner machte den Vorschlag, doch das Areal zu verkaufen und für Eigenheimparzellen bereitzustellen. „In Neustadt wird weggerissen, weil die Häuser dort so aussehen, wie Sie sie planen“, schimpfte Herr Hesse. Die ästhetische Komponente werde vernachlässigt, die Ortsstruktur zerschlagen. „Die Viergeschossigkeit ist für uns nicht akzeptabel“, sagte eine Frau. „Sie entwerten unsere Grundstücke“, schimpfte ein anderer Anlieger. Der GWG wurden kommerzielle Interessen vorgeworfen. 8 Euro Mietpreise könne niemand zahlen. Und dann kam da noch der Einwurf, die Stadt verkaufe Grundstücke am Hechtgraben. Da konnte aber niemand von der Verwaltung drauf antworten. Cornelia Gerlieb von der IG Heideschlösschen erklärte in Richtung Baudezernent Uwe Stäglin: „Sie sind für uns nicht satisfaktionsfähig.“

Die Stadtverwaltung wies im Rahmen des Bürgerforums darauf hin, dass es sich erstmal um eine Vorplanung zur Aufstellung eines Bebauungsplans handele. Durch diesen solle überhaupt erst Baurecht geschaffen werden. „Ihre Hinweise nehmen wir auf“, erklärte Stadtplaner Lars Loebner. Es gelte alle Belange abzuwägen. „Wir haben ein Konfliktlösungsgebot.“ Uwe Stäglin wies daraufhin, dass man als Verwaltung die Aufgabe habe, ein sauberes Verfahren durchzuführen. Auch der Bebauungsplan brauche eine politische Mehrheit, erklärte er.

Nun könnte es wohl zur Klage kommen. Die gegründete Bürgerinitiative hat sich dazu auch schon fachkundigen Rat eingeholt. Die BI Paulusviertel hat Unterstützung zugesagt. Vertreter der Initiative waren am Montagabend auch anwesend.

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