Neustädter Plattenbau bekommt Laubengänge

7. März 2013 | Wirtschaft | 10 Kommentare

Eine völlig neue Umgestaltungsform von Plattenbauten hat die die Bau- und Wohnungsbaugenossenschaft Halle-Merseburg (BWG) vor: an der Magistrale soll ein Wohnblock im Rahmen eines Pilotprojekts Laubengänge erhalten. Am Donnerstag erhielt das Unternehmen einen Förderbescheid aus den Händen von Bauminister Thomas Webel. Knapp zwei Millionen Euro soll der Umbau kosten, er wird mit 774.000 Euro gefördert. Das Pilotprojekt in der Azaleenstraße 27-31 soll zum ersten Mal in Deutschland nachweisen, dass es möglich ist, an Gebäuden des industriellen Wohnungsbaus „Laubengänge“ nur an den oberen Geschossen zu installieren.

Auf diese Weise soll für 34 Wohnungen ein barrierefreier Zugang über einen Aufzug möglich sein. Die laufenden Betriebskosten sollen im Interesse der Bewohner minimiert werden. Das Besondere: die unteren Etagen können während der Baumaßnahmen weiter bewohnt bleiben, wodurch die betriebswirtschaftlichen Verluste für die Genossenschaft verringert werden. Die bauliche Lösung sichert, dass insgesamt keine Wohnflächenverluste entstehen, da die Treppenhausflächen als zusätzliche Wohnflächen genutzt werden. Auch dadurch entstehen sehr attraktive Grundrisse der dann barrierefrei erreichbaren und zum Teil auch barrierefreien Wohnungen.

Das Laubengangmodul wird an den Plattenbau angebaut. Die einzelnen Etagen der Laubengänge sind per Aufzug und Treppe erreichbar. „Schnüffeln“ an den Wohnungseingangstüren oder durchs Fenster lugen kann von Außen kein Fremder. Denn die Etagen sind jeweils nur mit speziellen Transpondern erreichbar. Besucher müssen sich auch keine Gedanken mehr machen, wo denn nun genau ihr Gastgeber wohnt: der Fahrstuhl fährt automatisch in die Etage, in der geklingelt wurde.

Umgestaltet werden sollen aber auch die Grundrisse der Wohnungen. Unter anderem sind Wohnküchen geplant. Die Dachterrassen werden derzeit, weil sie in Richtung Norden zeigen, kaum genutzt. Deshalb werden sie zu einem vollwertigen Wohnraum mit großer Glasfront umgestaltet. Auch die bestehenden Treppenhäuser im Gebäudeinneren werden durch den Umbau nicht mehr benötigt, deshalb beseitigt und ebenfalls zu Wohnraum umgestaltet.

Am 17. Juli soll der Grundstein für den Treppenturm gelegt werden. Im Januar 2014 könnten dann die Bewohner der oberen Geschosse wieder in ihre Wohnungen einziehen. Der Abschluss der Arbeiten ist für Oktober 2014 geplant.

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