Nach dem Hochwasser: Neustart für das MMZ mit mehr Power

9. Juni 2015 | Wirtschaft | 1 Kommentar

Ziemlich genau zwei Jahre nach dem verheerenden Hochwasser kehrt so etwas wie Normalität in das Mitteldeutsche Multimediazentrum (MMZ) in Halle (Saale) ein. In den vergangenen Monaten waren mit Hilfe von Fluthilfe- und Versicherungsgeldern 4,5 Millionen Euro investiert worden.

Seit 1. Juni finden nun wieder Filmproduktionen im MMZ statt, freut sich Oberbürgermeister Bernd Wiegand. „Ich bin sehr froh, dass wir wieder am Start sind“, erklärte er und sprach von einem „Neuanfang“. Die Firmen hätten diesen Moment sehnsüchtig erwartet. 852.000 Euro flossen zuvor in die Sicherung, 1,6 Millionen Euro in die Haustechnik wie Lüftung und Wärme sowie 2,28 Millionen Euro in die neue technische Ausstattung.

Herzstück im „neuen“ MMZ ist die Kinotonmischung. Die alte Anlage war im Untergeschoss untergebracht, künftig findet sich die Anlage im ehemaligen Kinosaal im Kubus und damit vor Hochwasser sicher. Die Räumlichkeiten seien von Dolby bereits eingemessen worden, erklärte MMZ-Geschäftsführer Andreas Nowak. Neben dem großen Mischpult besteht die Anlage auch aus 54 Lautsprechern. Derzeit erfolgt der Einbau der Technik. Viel Zeit bleibt nicht, schon am 10. August soll die erste Mischung stattfinden. Doch neben dem Ton setzt das MMZ künftig auch auf Bild, und zwar 4K, also Ultra High Definition Television (Ultra HD). Zwei entsprechende Projektoren wurden eingebaut. „So können wir ein Komplettpaket anbieten“, freut sich Nowak. Gearbeitet wurde zudem an der Wirtschaftlichkeit das Gesamtbaus. Wegen vieler ungenutzter Flurflächen stiegen die Nebenkosten ins Unermessliche. Durch den Einbau neuer Zwischendecken und –Wände sind nun neue Nutzungsmöglichkeiten entstanden. So dient das einstige Kinofoyer nun als Aufenthaltsraum. In der einstigen Cafeteria sind nun Anlagen für die Haustechnik untergebracht, die sich bislang ebenfalls im Untergeschoss befanden. Diese alten Räume sollen künftig als Veranstaltungsräume genutzt werden. Doch hierfür fehlen noch Bewilligungen von Fluthilfemitteln. Laut Nowak seien bisher 7,238 Millionen Euro für das MMZ bewilligt worden, auf Zusagen weiterer 14 Millionen Euro warte man noch. Bis zum Jahr 2018 soll der Umbau abgeschlossen sein. Oberbürgermeister Bernd Wiegand hofft nun, dass durch die Neuaufstellung die Zuschüsse durch die Stadt abgesenkt und irgendwann auch nicht mehr nötig werden.

Viele Firmen sind dem MMZ treu geblieben, so NFP. Deren Vertriebsleiterin Henriette Gotaut lobte, dass am MMZ verschiedene Gewerke unter einem Dach zu finden seien. Die kurzen Wege seien ideal. NFP selbst hat seine Büros in der dritten Etage. „Wir waren also vom Hochwasser eigentlich nicht betroffen, mussten am 4. Juni 2013 aber trotzdem raus.“ Bis zum September des Jahres habe man in einem Ausweichquartier gearbeitet. Steffen Scheid von der Firma ARRI Media nannte das MMZ gar ein „Alleinstellungsmerkmal für Halle.“ Es habe in der Filmszene einen guten Ruf. Das Multimediazentrum biete internationales Niveau, ein vergleichbares Angebot gebe es in Deutschland nicht. Technische Qualität, Struktur, kurze Wege und kaum Bürokratie seien Standortvorteile. „Hier können Filme unter Kinobedingungen abgenommen werden.“ ARRI-Media war unter anderem an dem mit dem Grimme-Preis ausgezeichneten Film „Bornholmer Straße“ beteiligt, ebenso an „Lauf Junge Lauf“.

Beim Hochwasser im vergangenen Juni waren die Untergeschosse und die Tiefgarage geflutet worden. Anschließend gab es Befürchtungen, die Standsicherheit sei gefährdet. Das schließt ein Gutachten aus. Berechnungsergebnisse würden zeigen, dass durch die Flutung kein Auftriebspfahl mit seiner vollen Zuglast belastet wurde. Damit seien standsicherheitsrelevante Zustände nicht festzustellen. Die Konstruktion und Bemessung des Gebäudes entspreche exakt dieser Belastungssituation, heißt es im Gutachten. Dies habe auch die Begehung ergeben. Die Tragkonstruktion weise keine standsicherheitsrelevanten Mängel oder gar keine Schäden auf.

Print Friendly, PDF & Email
Ein Kommentar

Kommentar schreiben