Konjunkturklimaindex der IHK Halle-Dessau: kommt der Abschwung?

22. Oktober 2014 | Wirtschaft | Keine Kommentare

Die Stimmung der Unternehmen im Süden Sachsen-Anhalts hat sich deutlich eingetrübt. Die zuletzt nur noch schwach ausgeprägte Aufwärtsdynamik ist zum Erliegen gekommen. Der Konjunkturklimaindex der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau (IHK) fällt um 5,5 auf 15,2 Punkte. Der 2013 begonnene Aufschwung scheint beendet zu sein. Zu diesen Ergebnissen kommt die IHK in ihrem aktuellen Konjunkturbericht.
Der Klimaindex befinde sich zwar nach wie vor auf einem hohen Niveau, die für eine Fortsetzung des Aufschwungs notwendigen zusätzlichen Impulse seien aber nicht auszumachen. Mehr noch: Die Aufwärtsbewegung werde in einigen Branchengruppen deutlich verlassen. „Damit dürfte der Höhepunkt des aktuellen Konjunkturzyklus überschritten sein“, stellt Dr. Christof Altmann, Leiter des Geschäftsfelds Standortpolitik der IHK Halle-Dessau, fest. „Ein Einbruch ist allerdings nicht zu erwarten. Insbesondere die Industrieentwicklung ist weiterhin erfreulich robust und auch die gute Sonderkonjunktur in der Bauwirtschaft hält unvermindert an“, so Altmann.

Angesichts der aktuellen Stimmungseintrübung warnt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Thomas Brockmeier vor schuldenfinanzierten staatlichen Ausgabenprogrammen und mahnt eine Rückbesinnung auf marktwirtschaftliche Grundsätze an. „Staatliche Ausgabenprogramme können die negativen Folgen wirtschaftspolitischer Fehlentscheidungen allenfalls kurzfristig verschleiern, aber nicht dauerhaft abwenden“, so Brockmeier. Die Krisenländer der Eurozone seien ein trauriges Beispiel hierfür. „Wer eine Investitionsoffensive will, möge doch bitte einfach darüber nachdenken, was Lust aufs Investieren macht und Mittel zum Investieren lässt. Immer neue Einschränkungen und Gängelungen privaten Unternehmertums gehören gewiss nicht dazu“, so der IHK-Hauptgeschäftsführer abschließend.

Die Ergebnisse des IHK-Konjunkturberichtes im Einzelnen:

Die Industrie hält das hohe Niveau. Das Geschäftsklima ist mit 21,2 Punkten zum Vorquartal nahezu unverändert und liegt wieder deutlich über dem Wert des Vorjahresquartals. Auch der Saldo aus guten und schlechten Lageeinschätzungen erreicht mit 43,4 Prozentpunkten das sehr hohe Niveau des Vorquartals. Der Auslastungsgrad steigt auf 85,6 Prozent an. Die Geschäftserwartungen verlassen hingegen das positive Niveau der letzten Quartale und liegen per Saldo nur noch auf neutralem Niveau. Gegenüber dem vorigen Quartal fallen die Absatzerwartungen pessimistischer aus.

Im Baugewerbe hält die gute Stimmung an. Das Geschäftsklima bleibt mit 15,5 Punkten trotz Saisonschwankungen auf einem außerordentlich hohen Niveau. Dahinter steht insbesondere eine sehr gute Einschätzung der Geschäftslage (48,6 Prozentpunkte), die zum Vorquartal erneut zulegen konnte. Dabei werden Gewinne, Umsätze und Auftragseingänge per Saldo als verbessert angegeben. Die Geschäftserwartungen fallen auf das Niveau des Vorjahres zurück. Es wird mit leichten Umsatzrückgängen aufgrund der bevorstehenden Wintersaison gerechnet.

Im Dienstleistungsgewerbe drückt der Mindestlohn die Beschäftigungspläne. Das Geschäftsklima bleibt mit 18,5 Prozentpunkten insgesamt stabil. Ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr dokumentiert aber die generelle Eintrübung in der Branche. Dabei liegt die Geschäftslage weiter auf einem sehr hohen Niveau, während die Geschäftserwartungen per Saldo leicht negativ werden. Die Beschäftigungsabsichten bleiben nach der stetigen Eintrübung im Jahresverlauf mit -18,2 Prozentpunkten weiter sehr schlecht.

Im Handel könnte ein Abschwung bevorstehen. Der Geschäftsklimaindikator jedenfalls geht nach der rasanten Aufwärtsbewegung in den vergangenen Quartalen nun wieder deutlich zurück. Mit -2,2 Prozentpunkten fällt er sogar leicht unter die Nulllinie. Die Geschäftslage stürzt dabei zum Vorquartal regelrecht auf 4,7 Prozentpunkte ab. Deutlich negative Salden für Gewinn- und Umsatzlage zeigen, dass der Boom der letzten beiden Quartale beendet ist. Die Geschäftserwartungen sind dagegen kaum verändert leicht negativ.

Im Verkehrsgewerbe nimmt der Pessimismus weiter zu. Das Geschäftsklima im aktuellen Quartal geht leicht auf 5,0 Prozentpunkte zurück. Dabei steigt die Geschäftslage aktuell sogar noch an, während die Erwartungen mit -17,1 Prozentpunkten dagegen eine deutliche Steigerung des Pessimismus unter den Verkehrsunternehmen anzeigen. Es wird mehrheitlich mit sinkenden Umsätzen gerechnet. Die Beschäftigungsabsichten verharren aber mit -12,0 Prozentpunkten auf einem deutlich negativen Niveau.

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