Konjunktur: Industrie im Landessüden meldet bessere Werte

22. April 2015 | Wirtschaft | Ein Kommentar

Die Stimmung der Unternehmen im Süden Sachsen-Anhalts hat sich im ersten Quartal 2015 etwas aufgehellt. Die im Jahr 2014 zu beobachtende Abwärtsbewegung ist damit vorerst gestoppt. Der Geschäftsklimaindex der IHK Halle-Dessau steigt leicht auf 17,3 Punkte an. Zu diesen Ergebnissen kommt die IHK in ihrem aktuellen Konjunkturbericht.
Die Stimmungsaufhellung ist eine Folge optimistischerer Erwartungen, während die Lage weitgehend unverändert bleibt. „Gegenwärtig gibt es zwei Sonderfaktoren, die die Konjunktur wieder anschieben: Erstens die extrem lockere Geldpolitik der EZB, die zu einem historisch niedrigen Zinsniveau und einer Abwertung des Euro geführt hat. Hinzu kommt ein spektakulärer Absturz des Ölpreises, der die Energiekosten senkt und die Kaufkraft stärkt“, interpretiert Dr. Christof Altmann, Leiter des Geschäftsfelds Standortpolitik der IHK Halle-Dessau, die Ergebnisse. „In der Tat gehen positive Impulse gerade von jenen Branchen aus, die von diesen Sonderfaktoren besonders stark profitieren: Vor allem der Handel, das Baugewerbe und die Konsumgüter-industrie melden verbesserte Stimmungswerte“, so Altmann weiter.

Angesichts der aktuellen Aufhellung warnt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Thomas Brockmeier vor Euphorie: „Ob aus dem vorerst gestoppten Abschwung eine Trendumkehr mit nachfolgendem Aufschwung werden kann, hängt maßgeblich von den Rahmenbedingungen ab. Dafür ist die Politik zuständig. Leider jedoch lässt insbesondere die Bundespolitik kaum eine Gelegenheit aus, um der Wirtschaft Sand ins Getriebe zu streuen.“ So mache etwa der jüngste Vorstoß in der Energiepolitik das Maß voll. Natürlich sei Klimaschutz wichtig, aber doch bitte „mit Augenmaß statt Strebertum“, mahnt Brockmeier. „Mit der Braunkohle den letzten subventionsfreien Energieträger und zudem wichtigen Grundstoff für die innovative Industrie auf dem Altar des Klimaschutzes zu opfern, ist wirtschaftlich fahrlässig“, so seine scharfe Kritik.

Die Ergebnisse des IHK-Konjunkturberichtes im Einzelnen:

Die Industrie zeigt verhaltenen Optimismus trotz leicht schlechterer Lage. Der Geschäftsklimaindex erreicht mit 17,0 Punkten in etwa den Wert des Vorquartals, bleibt aber hinter dem Vorjahreswert zurück. Der Saldo aus guten und schlechten Lageeinschätzungen fällt auf 23,4 Prozentpunkte, die Gewinn- und Umsatzlage werden unter dem Strich negativ eingeschätzt. Der Saldo der Geschäftserwartungen steigt dagegen auf 10,7 Prozentpunkte. Dies ist die erste Aufhellung seit dem 1. Quartal 2014 und sie geht über das saisonübliche Maß hinaus. Die stärksten Impulse gehen von den Produzenten von Ver- und Gebrauchsgütern aus.

Im Baugewerbe hält die Hochstimmung an. Die Branche kann weiter von den äußerst günstigen Finanzierungsbedingungen, verbunden mit einer hohen Kaufkraft und einem Mangel an renditestarken Kapitalanlagen, profitieren. Mit einem Geschäftsklima von 25,7 Punkten wird der hohe Vorjahreswert wieder erreicht. Die Bewegungen im aktuellen Quartal in Form einer verschlechterten Lage bei gleichzeitig optimistischeren Erwartungen gehen nicht über das saisonübliche Maß hinaus.

Im Dienstleistungsgewerbe bleiben Impulse aus. Der Geschäftsklimaindex liegt bei 18,7 Punkten und hat sich damit kaum verändert. Erneut zeigt sich die Branche als Stabilitätsanker der wirtschaftlichen Entwicklung. Aktuell gehen keine konjunkturellen Impulse von hier aus – weder positive noch negative. Die Beschäftigungsabsichten verbessern sich zwar saisonal bedingt leicht auf -6,8 Prozentpunkte, bleiben aber mehrheitlich negativ. Die Belastungen durch steigende Arbeitskosten bleiben hoch.

Im Handel sorgt das gute Konsumklima für weitere Erholung. Der Geschäftsklimaindikator hat sich im Vergleich zum Vorquartal deutlich auf 10,8 Punkte verbessert. Der außerordentlich gute Vorjahreswert wird aber nicht wieder erreicht. Der Saldo der Lagebeurteilungen liegt unverändert auf einem guten Wert von 22,2 Prozentpunkten. Allerdings bleibt die Gewinnlage stark angespannt. Die Geschäftserwartungen hellen sich im wieder auf und erreichen ein ausgeglichenes Niveau.

Im Verkehrsgewerbe ist die Lage schlecht, aber der Ausblick verbessert. Das Geschäftsklima steigt im Vergleich zum Vorquartal leicht auf 9,1 Punkte an. Der Anstieg resultiert ausschließlich aus aufgehellten Erwartungen. Die Geschäftslage geht dagegen deutlich auf 7,2 Prozentpunkte zurück und die Indikatoren zur Umsatz- und Gewinnentwicklung sowie zu den Auftragseingängen weisen sogar negative Salden auf. Fast die Hälfte der Verkehrsunternehmen betrachtet ihren Auftragsbestand als zu klein.

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