HWG zieht positive Gewinnbilanz, Leerstandsquote gesenkt

7. März 2013 | Wirtschaft | Keine Kommentare

Die Hallesche Wohnungsgesellschaft (HWG) wird das erwartete Jahresergebnis von 6,5 Millionen Euro aller Voraussicht nach erreichen. Das teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Genaue Zahlen werden aber erst mit dem Jahresabschluss erwartet. Trotzdem sei es ein erfolgreiches Jahr gewesen, so HWG-Sprecher Steffen Schier. „Wir sind noch am Zusammenstellen der Zahlen.“ Allerdings liegt der Gewinn deutlich unter denen der Vorjahre. Im Jahr 2008 hatte die HWG einen Jahresgewinn von 13,71 Millionen Euro. In jenem Jahr begann auch die Ausschüttung der Gewinne an die Stadt. Im Jahr 2009 lag das Jahresergebnis bei 11,68 Mio Euro, 2010 9,23 Mio und 2011 6,6 Mio Euro.

Im vergangenen Jahr wurden 600 Wohnungen für insgesamt 18 Millionen Euro saniert. Die größten Projekte waren der Umbau am Moritzzwinger in der Innenstadt und am Lunzbergring in Heide-Nord. Abgerissen wurde am Riebeckplatz und im Robinienweg. Auch die Sanierung des Friedemann-Bach-Hauses als Musikmuseum konnte fertig gestellt werden. Hinzu kamen im letzten Jahr die Brunnenpatenschaften für den Eselsbrunnen (Alter Markt), den Handwerkerbrunnen (Brunos Warthe), den Trinkbrunnen (Geiststraße), den Pinguinbrunnen (Steinweg) sowie die Brunnenanlage an der Oper. Im laufenden Jahr sollen 571 Wohnungen saniert und 33 Millionen Euro investiert werden, so am Landrain, Reilshof und die Stalinbauten in der Delitzscher Straße. Abgerissen werden soll unter anderem in der Elsa-Brändström-Straße. Finanziert werden alle Maßnahmen durch Kredite. Denn die Gewinne werden ja an die Stadt abgeführt.

Leerstand gesenkt
Im Jahr 2003 hatte die HWG noch 25.000 Wohnungen. Durch Abriss und Verkauf sind es jetzt noch 19.000, als Zielgrößer für die Zukunft gibt das Unternehmen 17.000 Wohnungen vor. Der Leerstand konnte von 29,17 im Jahr 2003 auf 9,7 Prozent im vergangenen Jahr gesenkt werden, so gut wie seit 1996 nicht mehr. In den nächsten fünf Jahren soll der Leerstand auf 5 Prozent gesenkt werden. Die höchsten Leerstandsquoten weisen Heide-Nord (14,9%) und Südliche Innenstadt (15,4 Prozent) auf. Mit einem Leerstand von 1,2 Prozent herrscht dagegen in Trotha fast Vollvermietung. Weitere Leerstandsquoten: Südstadt 9,6%, Altstadt 9,2%, Nördliche Innenstadt 9%, Paulusviertel 8,9%, Silberhöhe 6,3%, Damaschkestraße 5,3%, Lutherplatz/Gesundbrunnen 2,7%.

Sanierungsmaßnahmen
33 Millionen Euro will die HWG in diesem Jahr in Sanierungsmaßnahmen stecken. So sollen im Zapfenweg 144 Wohnungen energetisch saniert werden. Neben der wärmedämmenden Fassade werden auch Dach und Fenster gemacht sowie die Heizungen neu eingestellt. 2,2 Millionen Euro sollen die Arbeiten kosten. Vier Millionen Euro will das Wohnungsunternehmen in 72 Wohnungen im Reilshof investieren. Am Landrain steht die Sanierung von 90 Wohnungen an, sie sollen künftig über eine Pelletanlage beheizt werden. 5,8 Mio Euro werden investiert. Die 8,4 Millionen Euro teure Sanierung der sogenannten Stalinbauten in der Delitzscher Straße hat bereits begonnen und soll im Dezember fertig sein. In die ehemalige Ladenzeile im Erdgeschoss sollen eine Physiotherapie und der sozialpädagogische Dienst der Stadt. Zudem soll eine Kita der Volkssolidarität Merseburg-Querfurt mit 120 Plätzen einziehen. Auch hier will die HWG eine Pelletheizung installieren. Im Schülershof wird ein Plattenbau von Mai 2013 bis Juni 2014 saniert und umgebaut, so entstehen unter anderem neue Grundrisse in 94 Wohnungen. 5,1 Millionen Euro kosten die Arbeiten. Im Glauchaviertel werden zwei Häuser in der Lerchenfeldstraße und drei weitere in der Zwingerstraße saniert. Fünf Millionen Euro lässt sich die HWG die Arbeiten an den 46 Wohnungen kosten. Energetisch saniert wird von Juni bis Dezember ein Plattenbau in der Warschauer Straße. 1,5 Millionen Euro kosten die Arbeiten an den 32 Wohnungen. Im kommenden Jahr stehen weitere Sanierungen am Moritzzwinger, am Landrain, der Forsterstraße und am Großen Berlin an. Abgerissen wird allerdings auch. So verschwinden bis Mai nächsten Jahres in der Murmansker Straße 300 Wohnungen in fünf Plattenbauten. 1,4 Millionen Euro lässt die die HWG den Rückbau kosten. Laut HWG-Chef Heinrich Wahlen gebe es bereits Nachnutzungsinteressenten. Abgerissen wird aber auch im Zanderweg.

Riebeckplatz-Umbau
Nach dem Abriss der beiden Hochhäuser wird es in dieses Jahr um die Neugestaltung gehen. „Es zeichnet sich eine ernstzunehmende Diskussion zu einem Verwaltungsneubau am Riebeckplatz ab“, so Wahlen. Man sei mit der Stadtverwaltung in Gesprächen, wolle Ende April eine Wettbewerbskonzeption gehen und im Sommer dann den Wettbewerb mit sieben Architekturbüros beginnen. Noch in diesem Jahr soll dann der Gewinner mit seinen konkreten Planungen beginnen können. Dabei geht es nicht nur um die Neubebauung der Fläche des Nordturms, sondern auch der Fläche des Edeka-Marktes und Plattenbaus. HWG-Chef Wahlen sagte, er rechne vor allem mit Hochhausentwürfen. Seinen Schätzungen zufolge wird ein Neubau mehr als 30 Millionen Euro kosten.

Haushaltskonsolidierung versus bezahlbare Mieten
Ein fester Posten in der Haushaltssanierung der Stadt ist die HWG, muss sie doch jährlich ihren Gewinn an die Stadtkasse abführen. „Bislang hat der Gesellschafter 53 Mio an uns verdient“, so HWG-Chef Wahlen. Man befinde sich mit Oberbürgermeister Bernd Wiegand bereits in Gesprächen, denn eigentlich will die Stadt 6,5 Millionen Euro laut Konsolidierungskonzept von der HWG haben – und damit den gesamten Gewinn. Es sei aber nötig, künftig wieder mehr Spielraum zu bekommen. „Wir dürfen den Sozialcharakter nicht verlieren“, erklärte Wahlen. Dies sei aber schwierig, wenn der Gesellschafter solch hohe Zahlungen verlange. Trotzdem bestehe keine Gefahr, dass bezahlbarer Wohnraum in halle knapp wiird, erklärte die HWG-Abteilungsleiterin Susann Schult. 25 Prozent aller Wohnungen haben einen Mietpreis von unter 4 Euro, 22 Prozent liegen zwischen 4 und 5 Euro, 44 Prozent zwischen 5 und 6 Euro, 9 Prozent mehr als 6 Euro. Insgesamt würden 53 Prozent der HWG-Bestände die Anforderungen an die Kosten der Unterkunft (KdU) an Hartz IV-Empfänger erfüllen. Die aktuellen Durchschnittsmietpreise: Heide-Nord 3,81 Euro (nach Sanierung 4,30), Nördliche Innenstadt 5,47, Altstadt 5,14, Südliche Innenstadt 4,33, Südstadt 4,77, Silberhöhe 4,68, Damaschkestraße 5,63, Lutherviertel 5,61, Paulusviertel 5,20 und Trotha 5,22 Euro.

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