Hufeisensee: Bürger diskutieren drei Stunden mit der Verwaltung über Golfplatz

9. Dezember 2013 | Wirtschaft | 1 Kommentar

Der geplante Golfplatz am Hufeisensee war am Montag Thema eines Bürgerforums. Dass die Veranstaltung im Kulturforum Halle-Neustadt und nicht im halleschen Osten in der Nähe des Sees stattfand, sorgte im Vorfeld für Diskussionen. Deshalb ging Baudezernent Uwe Stäglin auch gleich zu Beginn darauf ein. Es liege an der Vorweihnachtszeit, da sei es schwierige ausreichend große öffentliche Räume zu finden. Außerdem sei das Kulturforum in Halle-Neustadt gut an den Nahverkehr angebunden und die Planungen am Hufeisensee hätten einen gesamtstädtischen Charakter.

Thomas Mirtschink vom Stadtplanungsamt stellte zunächst noch einmal die Planungen vor und welche Probleme bereits an die Verwaltung herangetrogen worden sind. Überlegungen, das Potential des Areals zu nutzen, gebe es schon lange. So sollte im Rahmen der Olympiabewerbung für Leipzig ein Stadion gebaut werden. Auch Überlegungen zur Freizeitnutzung im Campingplatz gab es immer wieder. Der Investor des Golfplatzes habe eine Machbarkeitsstudie gemacht, später seien noch die Wassersportler auf die Verwaltung zugekommen. Im Frühjahr 2012 habe es dann eine Wirtschaftlichkeits- und Machbarkeitsstudie zum Campingplan gegeben. Und so stehen nun die heutigen Planungen: ein 27-Loch-Golfplatz, ein Hotel mit 100 Betten, drei öffentliche Badestellen, eine Wakeboardanlage und eventuell auch eine Pontonbrücke.

Lärm, austretende Gifte aus der Deponie, der Wegfall von Ackerflächen, Zerstörung von Natur und mehr Verkehr, das sind nur einige der Sorgen der Anwohner. Alle diese Punkte sei man durchgegangen, so Mirtschink. Verschiedene Tierarten wie Zauneidechsen, Fledermäuse und einen Biber habe man festgestellt. Der Planer stellte klar, dass die Wakeboard-Anlage klar außerhalb des ehemaligen Deponiebereichs liege. Festgelegt sei auch, dass die Schutzschicht über der Deponie nicht angegriffen werden darf. Auch der Golfplatz nehme nur 20 bis 25 Prozent der Deponiefläche in Anspruch. Mit der Wasserwacht des DRK sei ein Sicherheitskonzept erarbeitet worden, auch ein Schallschutzgutachten für Freizeitlärm gebe es. Das westliche Ufer des Innenbereichs solle eine Ruhezone bleiben, im Schilfgürtel seien Brutvögel zuhause, so Mirtschink. Dem Bauern wolle man neue Ackerflächen, beispielsweise im Bereich des Star Parks anbieten. Der Campingplatz im Bereich Kanena soll maximal 150 Stellplätze bieten. Der Rundweg um den See werde öffentlich sei, und die drei Badestellen kostenfrei, so Mirtschink. Die drei vorgesehenen Bereiche habe das Landesbergamt erlaubt. Im Sommer sei das Wasser des Hufeisensees beprobt worden, „die Qualität ist exzellent.“ Eher am Rande informierte Baudezernent Uwe Stäglin, dass auch auf die Stadt kosten zurollen, beispielsweise für den Wegebau und die Herrichtung der Badestellen. Stäglin sprach von mehr als einer Million Euro und hofft auf Fördermittel. Das größte Projekt ist aber zweifelsohne der Golfplatz, über das Investor Norbert Labuschke kurz informierte. „Halle ist die einzige Stadt in Deutschland mit über 100.000 Einwohnern ohne eigenen Golfplatz.“ Selbst Bernburg habe einen Golfplatz, die Hallenser weichen derzeit zumeist nach Leipzig aus. Man habe schon einen Verein gegründet, der aktuell bereits 50 Mitglieder habe. Labuschke rechnet mittelfristig mit 800 Mitgliedern.

Damit wurde die Fragrunde eröffnet
Und Fragen hatten die Gäste viele. So fragte der erste Bürger, warum denn die Golfer nicht weiterhin nach Leipzig fahren können. Der Hufeisensee sei eine Idylle, die es in einer Großstadt kaum gebe. Er befürchtet Lärmbelästigungen durch die Wakeboard-Anlage. Wissen wollte er zudem, wie die Sportler denn an die Anlagen kommen und wem eigentlich die Fläche am See aktuell gehöre. Die Stadt sollte sie unbedingt behalten, damit hier nicht plötzlich neues Bauland entsteht. Laut Baudezernent Stäglin laufen derzeit Verhandlungen zum Ankauf der Flächen. Man sehe das Areal nicht als potentielles Bauland, sondern wolle bewusst Freizeitnutzung ansiedeln. Stadtplaner Lars Loebner ergänzte, dass man die Zugänglichkeit der Uferbereiche sicherstellen wolle.

Wolfgang Aldag kennt sich als Landschaftsplaner mit Planzeichnungen aus. Er will eine Brücke entdeckt haben. Daneben erkundigt er sich nach dem Rundweg – die Stadt will das Baden aus Sicherheitsgründen nicht überall erlauben. „Der Rundweg würde doch auch über nicht sichere Flächen gehen“, so Aldag. Laut Planer Mirtschink gebe es einen Korridor, in dem der Wegebau stattfinden soll. Bei der Ausführungsplanung werde man sich den Untergrund genau schauen und den Weg an bestimmten Stellen etwas weg vom Ufer verlegen. Überlegungen für eine Brücke gibt es auch, eventuell soll ein Pontonsteg errichtet werden.

Sven Thomas von der Wasserwacht Halle meldete sich nun zu Wort. Bei dem Hufeisensee handele es sich um den größten und wassersportlich am intensivsten genutzten See der Stadt. In der Vergangenheit habe es zwei Todesfälle gegeben, daneben sei der See kein offizielles Badegewässer und es gebe keine Sicherheitsstrukturen. „Wir haben geschaut, wie wir die Sicherheit verbessern können“, so Thomas. Es gebe mittlerweile in Sachsen-Anhalt kein Gewässer, das so gut untersucht sei wie der Hufeisensee. Der Stadt habe man zahlreiche Vorschläge gemacht. Vorgesehen sei eine Rettungsstation, daneben soll am Hufeisensee künftig ein Rettungsboot stationiert werden. Dadurch verspreche man sich deutliche Verbesserungen für Ältere und Kinder.

Einen Kleingarten am Hufeisensee hat Herr Hesse. Und er hat gleich eine Reihe von Sorgen. Parkplätze gebe es zu wenig, die Wasserleitung sei zu klein, die Stromversorgung reiche auch nicht. Bereits jetzt werde der Hufeisensee in den Sommermonaten rundum zugeparkt. Auch die Lärmbelästigung durch Parties sei bereits jetzt hoch. „Wenn der Hufeisensee mehr ausgebaut wird, werden noch mehr Fahrzeuge kommen“, sagte er. „Das verkraftet der See nicht.“ Er erkundigte sich zudem, wie denn der Rasen des Golfplatzes grün gehalten werden soll. Außerdem wies er auf unterirdische Braunkohleschächte hin, die teilweise mit Asche verfüllt sind. Laut Steffen Johannemann von der Unteren Wasserbehörde gebe es verschiedene Ideen zur Bewässerung des Golfplatzes. Zum einen könnte dies mit einer Grundwasserentnahme passieren, zum anderen direkt aus dem See. Ein Mindestwasserspiegel im See werde festgesetzt. In dem Falle, meinte Herr Sesse, werde der See im Sommer stellenweise austrocknen. „Die Pumpe wird in der Nacht laufen, so dass es keiner mitbekommt“, meinte er. Bewässert wird tatsächlich in der Nacht, so Investor Labuschke. „Das machen Sie im Garten auch so.“ Andernfalls nämlich würde der Rasen verbrennen. 360 Kubikmeter Wasser am Tag sind nötig, der Mensch verbraucht 40 im ganzen Jahr.

Ein weiterer Bürger sorgte sich darum, dass der Naturtrampelpfad asphaltiert wird. Dabei gebe es im Bereich viele Pflanzen. Neben Brombeeren auch Apfel- und Pflaumenbäume. Daneben befürchtet er kostenpflichtige Badestellen, was die Verwaltung ja zu Beginn schon ausgeschlossen hatte. Baudezernent Stäglin erklärte, es gehe um die Belange der Barrierefreiheit. Schon deshalb gelte es, den Rundweg herzurichten. Man müsse auch mit dem Rollstuhl oder dem Kinderwagen um den See kommen. Die Bürgerfrage nach der Bauzeit wurde mit sechs Monaten beantwortet.

Stadträtin und Bundestagsabgeordnete Petra Sitte (Linke) regte an, den Golfplatz – wenn er denn schon gebaut werden soll – etwas kleiner auszulegen: 18 statt 27 Löcher. Für Investor Labuschke eine wirtschaftliche Frage. Eine 18-Loch-Anlage könne nur bei laufendem Betrieb gepflegt werden. Nähere sich ein Golfer einem Loch, müssten die Pfleger die Arbeit unterbrechen. Das alles koste Geld. Bei einer größeren Anlage könnte man einfach einer Neuner-Bahn sperren. So könne das Personal ohne Wartezeiten Pflegearbeiten durchführen. Zudem müsse man etwas Qualitatives anbieten, um Hallenser aus Leipzig zu holen. „Deshalb steht außer Frage, dass wir eine 27-Loch-Anlage brauchen.“ Sitte äußerte außerdem Bedenken zum Deponiebereich. Dieser sei laut Steffen Johannemann Anfang der 90er mit 500.000 Kubikmeter Erde gesichert worden. Daran gebe es nichts zu rütteln. Es gehe nur um Modellierung und Bodenauftrag. Das Ganze werde auch gutachterlich begleitet.

Klaus Eckert vom Wasserskiclub Hufeisensee sprach sich für die Wakeboardanlage aus. Eine größere Lärmbelästigung sehe er nicht. Beim Wakeboard gebe es nur ein leises Umlaufseil. Und auch mehr Wasserskiboote auf dem See werde es nicht geben.

Tauchsportler Herr Leibnitz meldete sich nun zu Wort. Er zeigte sich verwundert, warum plötzlich in kurzer Zeit das Baden möglich sein soll. „Derzeit stehen noch überall Verbotsschilder.“ Er warnte zudem davor, dass Sickerwasser aus der Deponie austreten kann. Den Standort der Wakeboard-Anlage auf der Kippe an einem steilen Ufer hält er ebenfalls für verkehrt. Wakeboard als Trendsportart ziehe außerdem Jugendliche an, die Lärm machen und laute Musik hören. Seine Befürchtung außerdem: giftige tiefere Wasserschichten könnten nach oben treten. Das sieht Steffen Johannemann von der Unteren Wasserbehörde nicht so, dies hätten Umweltforscher bestätigt. Immerhin will sich die Verwaltung das Thema Wakeboard-Anlage noch einmal genauer anschauen.

„Es wird Geld in eine Sache investiert, die ich nicht für notwendig erachte“, meinte Herr Volkmann. Er wies daraufhin, dass die Grundschule Büschdorf vor der Schließung stand, weil eine Feuerleiter fehlte. Er wolle gern mal die 500 angeblichen Golfspieler sehen. „Ich denke, das ist alles Kokolores hier.“ Baudezernent Uwe Stäglin wies noch einmal daraufhin hin, dass Wakeboard-Anlage und Golfplatz nicht mit städtischen Mitteln gebaut werden. Lediglich für die Wege und Badestellen seien Gelder der Stadt nötig.

Herr Hofmann befürchtet Lärm durch Partys am Wochenende und zusätzliche Besuchermengen. Er habe sein Grundstück wegen des Blicks ins Grüne gekauft und solle nun ein Hotel vor die Nase bekommen. Ein Hotel mit 100 Betten halte er für übertrieben, es gebe genug leerstehende Hotelzimmer in der Stadt. Laut Golfplatz-Investor Norbert Labuschke wolle ein städtischer Hotelier das Haus bauen. Riesige Verkehrsmenge erwartet er nicht. Auf der Anlage könnten zeitgleich etwa 20 bis 24 Golfer spielen.

Ein Anwohner vom Krienitzweg forderte besseren Lärmschutz. Die Stadt sieht derzeit keinen Bedarf, weil es sich um eine sogenannte Splittersiedlung handelt. Herr Enders wohn in Kanena unmittelbar an der Zufahrt zum Hufeisensee. Die Straße sei im Sommer zugeparkt, man habe dann zudem mit Lärm und lauter Musik zu kämpfen. Hinzu kämen Fluglärm. S-Bahn, Eishockey und Messe. Fluglärm und den Autolärm der Osttangente beklagte auch Herr Pankratz. „Der Hufeisensee ist die letzte verblieben Ruhequelle, die wir haben. Und die wird zerstört.“ Das Vorhaben am Hufeisensee nannte er Gigantismus. Er befürchtet, dass die Badestellen zu Müllkippen werden, der asphaltierte Rundweg zum riesigen Parkplatz wird und die Auslastung des Golfplatzes auch nicht gegeben sein wird.

Nach drei Stunden Diskussion wie Baudezernent Uwe Stäglin darauf hin, dass die Bürger eine schriftliche Stellungnahme zum Bebauungsplan einreichen können. Dies sei noch bis zum 23. Dezember möglich.

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