Handwerkskammer Halle ehrte 109 Altmeister

27. September 2012 | Wirtschaft | Keine Kommentare

Die Handwerkskammer in Halle (Saale) hat am Donnerstag in einer Festveranstaltung im Maritim insgesamt 108 Altmeister zum 50. und 60. Meisterjubiläum geehrt. Ein Geehrter feierte sogar ein 75. Jubiläum. Für den 99-jährigen Zimmerermeister Willi Herrler gab deshalb besonders viel Grund zur Freude, denn er ist der Erste in der Geschichte der Altmeisterehrung, der die anerkennende Urkunde zum 75. Meisterjubiläum bekommt.

Ein halbes und mehr als ein halbes Leben lang Handwerksmeister sein – das klingt schon fast nach Berufung, vor allem, wenn die handwerkliche Tätigkeit bis ins hohe Alter hinein persönliche Bedeutung erfährt – so geht es beispielsweise Malermeister Werner Ackermann. Der 85-jährige gestaltet heute noch Kulissen für das Puppentheater, mit dem sich seine Tochter einen Kindheitstraum erfüllt hat. 1952 erhielt er seinen Meisterbrief im Malerhandwerk. Zur heutigen Altmeisterfeier der Handwerkskammer Halle bekam er von Jürgen Rogahn, Hauptgeschäftsführer sowie Thomas Keindorf, Präsident der Handwerkskammer Halle, den Diamantenen Meisterbrief überreicht – anerkennend für sein Lebenswerk, das ihn durch Kriegs-, Nachkriegs-, DDR- und Wendezeit führte.

Viele der anwesenden Handwerksmeisterinnen und -meister wissen aus dieser bewegten Zeit mit vielen Höhen und Tiefen zu berichten, einige mussten zur Wendezeit nicht nur ihre Betriebe aufgeben, sondern sogar ihren Beruf. Heute engagieren sie sich in der Nachwuchsarbeit, in Prüfungsausschüssen und Vorständen, um der Handwerksehre den ihr angemessenen Tribut zu zollen. „Junge Leute, die diese ehrenamtlichen Aufgaben übernehmen könnten, gibt es so gut wie gar nicht. Die guten Fachkräfte werden dringend in den Betrieben gebraucht“, weiß zum Beispiel Felix Winckler zu berichten. Der 76-jährige Kraftfahrzeugmeister aus Halle, der den Goldenen Meisterbrief überreicht bekam, engagiert sich seit zehn Jahren im entsprechenden Gesellenprüfungsausschuss der Handwerkskammer Halle und erlebt den handwerklichen Nachwuchs hier von Angesicht zu Angesicht. Oft ist er aber auch erschrocken und traurig darüber, wie gering die Fähigkeiten hier teilweise im Bereich der notwendigen fachlichen Voraussetzungen sind und wünscht sich mehr Motivation und Fleiß.

Auch Goldschmiedemeisterin Gertraud Graf blickt auf ein bewegtes Berufsleben zurück. Sie war seit 1965 in Halle selbstständig und erhielt heute ebenfalls den Goldenen Meisterbrief im Maritim Hotel Halle. Sie ist stolz, dass auch Sohn Gunther Graf in das Handwerk gefunden hat und die Familientradition damit in vierter Generation weiterlebt. „Innovativ, fleißig, genau, flexibel und individuell müssen wir Goldschmiede heute sein, um zu bestehen – diesen hohen Kundenanspruch leben wir täglich, um uns gegen ‚Billiganfertigungen‘ durchzusetzen. Aber das ist es auch, was uns stolz auf unseren Beruf macht. Vom ‚Urschleim‘ bis zum fertigen Designstück nehmen wir die Herausforderung jedes einzelnen Wegstücks auf uns. Diese Arbeit erfüllt mich einfach“, erzählt sie enthusiastisch – und Thomas Keindorf bestärkt sie darin in seinem Ehrengruß, den er allen 109 Ehrenhandwerksmeisterinnen und -meistern mit auf den Weg gibt: „Geblieben sind die Grundprämissen handwerklicher Arbeit wie Qualität, Zuverlässigkeit, Kundennähe, Fleiß, ständiges Lernen, Kreativität. Werte also, die ganze Gesellschaftsordnungen oder Kulturen prägen. Das Handwerk bekennt sich zum Erhalt dieser Tugenden als Teil seiner Tradition. Auch die moderne Zeit, so schnell und hektisch sie auch sein möge, kommt nicht umhin, auf handwerkliche Kontinuität zu setzen. Denn eins ist sicher, unser Berufsstand arbeitet auch im 21. Jahrhundert noch in dieser modernen Welt. Uns Handwerker wird es nicht nur irgendwo im Internet geben, sondern an der nächsten Ecke. Wir sind für unsere Kunden da, wenn sie uns brauchen. Und das eine Million Mal in Deutschland.“

(Foto: Juliane Ziegler)

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