Handwerkskammer eröffnet Reigen der Neujahrsempfänge

2. Januar 2014 | Wirtschaft | 1 Kommentar

Das neue Jahr ist gerade einmal zwei Tage alt, und schon geht es los mit den Neujahrsempfängen. Den Auftakt machte am Donnerstagabend die Handwerkskammer Halle.

Etwa 200 Persönlichkeiten aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft waren gekommen, darunter die Landtagsabgeordneten Bernhard Bönisch (CDU), Katja Pähle (SPD) und André Schröder (CDU). Auch Arbeitsagentur-Chef Kay Senius, Landesverwaltungsamts-Präsident Thomas Pleye, die Landräte Harry Reiche (Burgenlandkreis) und Frank Bannert (Saalekreis) sowie Altbischof Axel Noack und IHK-Präsidentin Carola Schaar gehörten zu den Gästen.

Inzwischen ist es bereits eine Tradition, dass die hallesche Handwerkskammer den Reigen der Neujahrsempfänge eröffnet. „Wir sind es gewohnt, etwas früher aufzustehen, um unseren Professionen nachzugehen“, so Handwerkskammer-Präsident Thomas Keindorf. Er bemängelte in seiner Rede die geringe Wertschätzung, die Kunden gegenüber den Leistungen der Handwerker entgegenbringen. Das sei in anderen Teilen der Welt anders. So habe die Handwerkskammer kürzlich eine Mail aus Waikanae in Neuseeland, wo dringend deutsche Dachdeckermeister gesucht werden. „Man schätzt also auch am anderen Ende der Welt deutsche Handwerkskunst“, so Keindorf. „Scheinbar ist aber Brüssel weiter von Deutschland entfernt als Neuseeland, denn bis dorthin hat sich wohl noch nicht rumgesprochen, was unser Meisterbrief genau ist.“ Der Handwerkskammer-Präsident kritisierte die Regulierungswut der EU, die „in der Dienstleistungsrichtlinie Hemmnisse beim Marktzutritt“ beseitigen will. Was die EU als Hemmnis bezeichne, sei der deutsche Meisterbrief. „Und der steht für mich nicht als Hindernis, sondern in erster Linie für eine fundierte Ausbildung zum Fachmann, zum Handwerksunternehmer und zum Ausbilder.

Bundeskanzlerin Angela Merkel habe in ihrer Neujahrsrede erklärt, sie wolle Deutschland stärker machen. „Mit Blick auf die Koalitionsvereinbarung habe ich da meine Zweifel“, so Keindorf. Bei Merkel gebe es zu Beginn der neuen Amtszeiten immer Überraschungen. So einst im Wahlkampf eine Mehrwertsteuer-Erhöhung um einen halben Prozent angekündigt gewesen, herausgekommen seien drei Prozent. Bei der zweiten Amtszeit habe sie dann eine Mehrwertsteuersenkung für eine kleine Wirtschaftsgruppe aus dem Hut gezaubert. Nun drohe wieder eine mächtige Belastung von Arbeitnehmern und Arbeitgebern des Mittelstands durch die Nichtsenkung des Rentensatzes. Aus dem Koalitionsvertrag würden sich ein Dutzend weitere Belastungen für kleine und mittlere Unternehmen ergeben.

Eine Herausforderung sei die Nachwuchssicherung. Der Geburtenknick mache sich am Ausbildungsmarkt bemerkbar. Am Donnerstag sei ein Projekt zwischen den Euroschulen und einem Partner aus Portugal gestartet. Hier werde versucht, potentielle Fachkräfte und Auszubildende zu akquirieren.

Kritik hatte Keindorf auch an der Landesregierung. Diese gebe im neuen Haushalt 13 Millionen Euro weniger für die Wirtschaftsförderung und 18 Millionen mehr für das Kinderförderungsgesetz aus. „Ich bestreite nicht die Notwendigkeit einer frühkindlichen Förderung, aber Steuereinnahmen generieren sich nun einmal nur hauptsächlich aus der Wirtschaft.“ Keindorf lobte aber auch, dass Wirtschaftsminister Hartmut Möllring die Wirtschaftsförderung neu aufstellen wolle. Er bot dabei die Mithilfe der Kammern an.

Ein Grußwort sprach anschließend auch Minister Möllring. Die Juni-Flut habe die Wirtschaft zunächst zurückgeworfen. Doch die Wideraufbauarbeiten seien ein kleines Konjunkturprogramm. Inzwischen könnten die die Wirtschaftsdaten wieder sehen lassen. So gebe es in der Industrie ein Umsatzplus um 3,5 Prozent, das Auslandsgeschäft sei um 4,6 Prozent gestiegen, im Handwerk seien es 3,8 Prozent. Die Auslastung der Handwerksbetriebe liege bei 80 Prozent, jeder vierte Betrieb habe sogar eine 100-prozentige Auslastung. Nur der Arbeitsmarkt lasse zu wünschen übrig. So sei die Arbeitslosigkeit zwar gesunken, aber es seien keine neuen Jobs entstanden.

Möllring kündigte an, im neuen Jahr mehr auf die Erfolgsgeschichten im Land hinzuweisen, Jubelmeldungen zu produzieren. So habe die Glaserei Gipser aus Halle das Glas für das Fußball-WM-Stadion in Südafrika geliefert. Die Firma f-Glas habe die Fensterscheiben für die ersten 20 Etagen des neuen World Trade Centers in New York geliefert. Größter Export-Partner der Elsterkäserei aus Jessen sei China. Die Firma Hänlein liefere Pizzaböden nach Italien. Auch sei im abgelaufenen Jahr in Sachsen-Anhalt viel investiert worden. Beispielhaft nannte Möllring Novelis aus Nachterstedt, wo 200 Millionen Euro in den Ausbau flossen, sowie IDT Biologika aus Dessau-Rosslau, wo 85 Millionen Euro investiert und 160 neue Jobs geschaffen worden sind. IBM suche für ein Service-Center in Magdeburg 400 Mitarbeiter. Die Hochschulen des Landes seien wettbewerbsfähig. Allerdings müsse bei den 520 Studiengängen genau geschaut werden, welche nötig sind. Möllring hob zudem hervor, dass es dem Land noch an richtig großen Konzernen mangele. So hätten 90 Prozent aller Betriebe weniger als 10 Mitarbeiter. Das bedeute auch, es gebe weniger Gelder für Forschung und Entwicklung. Gerade mal 80 Euro pro Kopf stünden in Sachsen-Anhalt bereit, in Sachsen seien es 230 Euro und in Baden-Württemberg 1.200 Euro.

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