Handwerk rechnet mit guter Auftragslage, Fachkräftemangel und Schwarzarbeit als Problem

26. Januar 2015 | Wirtschaft | Keine Kommentare

Die Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau (IHK) vermeldete vor wenigen Tagen trübe Aussichten, unter anderem wegen des Mindestlohns. Gab anders sieht es im Handwerk aus. Der Präsident der Handwerkskammer Halle, Thomas Keindorf, zieht eine positive Bilanz der wirtschaftlichen Lage im Handwerk im 4. Quartal 2014. Die konjunkturelle Stimmung im Handwerk zeigt bisher keine Schwäche. Der Geschäftsklimaindex sank nur minimal auf + 53. Die Auftragsreichweiten betragen – ähnlich dem Vorquartal – im Durchschnitt 6,7 Wochen. Die Betriebsauslastung lag bei 81%, wobei es kaum Unterschiede zwischen den Gewerken gab. Mit einem Anhalten der guten Handwerkskonjunktur ist zunächst zu rechnen.

Am Jahresende wurden 14.781 Mitgliedsbetriebe gezählt, 128 weniger als drei Monate zuvor und 187 weniger als vor Jahresfrist. Dieser Rückgang entspricht in etwa der Entwicklung der Bevölkerungszahl. Die Zahl der Beschäftigten sank geringfügig um 500 auf 73.000.

Die anhaltend gute Stimmung basiert auf der ungebrochenen Konsumbereitschaft der Bevölkerung, insbesondere bei Bauinvestitionen. Die Gründe für diese Lage sind aus Sicht des Handwerks paradoxerweise nicht Zukunftsoptimismus, sondern fehlende Anlagemöglichkeiten für Vermögen sowie eine gewisse Unsicherheit über zukünftige Entwicklungen.
Die gute konjunkturelle Stimmung lässt einige in früheren Befragungen dominante Probleme in den Hintergrund treten: Belastungen durch hohe Sozialabgaben und Steuern werden zwar noch am häufigsten genannt, aber mit abnehmender Tendenz. Dagegen sehen die Unternehmen sich durch Schwarzarbeit, starke Konkurrenz und fehlende Fachkräfte in ihrer Entwicklung stärker gehemmt als früher.

Schwerpunktthema des Pressekonjunkturgesprächs war die Situation des Schornsteinfegerhandwerks. Schornsteinfegermeister Daniel Börner aus Köthen konstatierte, dass das seit 2013 geltende Schornsteinfegerhandwerksgesetz in seinen Auswirkungen von den Betrieben neutral beurteilt wird. „Es gibt nur wenige Kunden, die einen anderen als ihren gewohnten Schornsteinfeger beauftragen.“ Gleiches gilt für die Umsatz- und Gewinnentwicklung, wo sich positive und negative Stimmen die Waage halten. Eindeutig bewerten die Unternehmen die Beurteilung des bürokratischen Aufwands: Dieser sei gestiegen. Nachwuchssorgen finden sich auch im Schornsteinfegerhandwerk. Zwar sind die Sorgen auf Bundesebene eher gering, da die vielfältigen Einsatzfelder im Beruf und eine im Handwerksdurchschnitt attraktive Vergütung locken. Im Kammerbezirk Halle hingegen führen die geringe Stärke der Berufseinsteigergeneration und der „Drang“ zu Gymnasium und Studium eher zu einem Mangel an qualifizierten Lehrlingsbewerbern. Im Kammerbezirk Halle wurden 2013 vier neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. 2014 waren es genauso viele. Gegenwärtig bilden rund sechs Prozent der Betriebe aus – jedoch haben rund die Hälfte aller Betriebe vor, in Zukunft auszubilden.

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