Golfplatz am Hufi: Investor baut zunächst 18-Loch-Anlage

17. Dezember 2013 | Wirtschaft | 1 Kommentar

Das geplante Sport- und Freizeitzentrum am Hufeisensee in Halle (Saale) beschäftigt weiterhin die Gemüter. Das zeigte sich am Montag bei einer Bürgerversammlung in der Senioren-Residenz Franz-Maye-Straße, zu der das Büschdorfer Netzwerk eingeladen hatte. Rund 30 Interessierte waren gekommen.

Zunächst einmal durfte Investor Norbert Labuschke seine Pläne vorstellen, und dies in einer Ausführlichkeit, die vorhergehende Veranstaltungen vermissen ließen. Neben dem Golfplatz, für den sich Labuschke persönlich verantwortlich zeichnet, informierte er aber auch noch kurz zu den Plänen der Wassersportler und der Stadt. So will der Wasserskiclub eine Wakeboard-Anlage bauen. „Die müssen sich umorientieren“, meinte Labuschke. Wasserski sei nicht mehr „in“, stattdessen die leisere Alternative Wakeboard. Er wies dabei daraufhin, dass hier keinesfalls eine Betonwanne, wie von manchen erklärt, gebaut wird. Stattdessen würden 120 Meter Boden ausgebaggert und mit einer Tonschicht abgedichtet. Das Wasser, welches wieder in den Hufeisensee sickere, könnte kontinuierlich nachgepumpt werden. Mit einer Anlagenlänge von 350 Metern erfülle man als einzige Anlage in Deutschland die zukünftige olympische Norm. Im Bereich Kanena ist ein Campingplatz geplant. Zudem sind drei Badestellen vorgesehen. Ausgebaut werden soll außerdem der Rundweg, der an etlichen Stellen noch zu wünschen übrig lässt. Auf 5,7 Kilometern soll der asphaltierte 2,50m breite Weg künftig um das Gewässer führen.

Doch das sind alles Pläne, mit denen Investor Labuschke nichts am Hut hat. Er will den Golfplatz bauen. Los geht’s zunächst mit einem 18-Loch-Platz, der später auf 27 Löcher ausgebaut werden soll. Ein Clubhaus sowie ein Wellness-Hotel mit 100 Betten wird es geben, eine Übungsanlage sowie ein öffentlicher Kurzplatz für Einsteiger sind ebenfalls vorgesehen. Auf im Vorfeld geäußerte Bedenken zum Einsatz von Dünger und Herpiziden sagte Labuschke, es käme weniger Dünger zum Einsatz als beim jetzigen Acker. Und Herpizide setze man gar nicht ein, die seien beim Golf verboten. Zur Bekämpfung von Pilzen kommen Fungizide zum Einsatz. Nitrat werde man so dosieren, dass nichts in den Untergrund gelangen kann. Zur Bewässerung seien etwa 360 Kubikmeter Wasser am Tag nötig, die Beregnung erfolge nur nachts, weil tagsüber gespielt werde. Labuschke wies daraufhin, dass am Hufeisensee in die Reide 108 Kubikmeter Wasser pro Stunde laufen. Die Eintrittsgebühr in den Golfclub beträgt 750 Euro, die monatliche Mitgliedschaft 20 Euro (für Kinder 3 Euro) sowie die Platznutzung mindestens 5 Euro pro Stunde. Labuschke rechnet mit 800 Mitgliedern. Man wolle auf jeden Fall Landesleistungszentrum werden. Durch die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr könnten auch jüngere Menschen den Platz erreichen. Am Tag spielen könnten um die 100 Menschen, Labuschke schließt also erhöhten Straßenverkehr in der Umgebung durch den Golfplatz aus. Eventuell werde es im kommenden Jahr auch einen Lehrauftrag in der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg geben, denn im Businessstudium werde die Golfplatzausbildung eigentlich verlangt. Einen kleinen Abschlagplatz soll es auch in der Innenkippe geben, erreichbar durch einen Steg. Golfer müssen den Ball über das Wasser bugsieren. Und landet doch so ein Ball im Wasser, könnten sich die Taucher ein kleines Zubrot verdienen, 30 Cent gebe es je gefunden Ball, so Labuschke.

Thomas Hicksch ging auf Anwohnersorgen durch fliegende Golfbälle ein. Hier werde es Schutzmaßnahmen geben, so Labuschke. Zunächst durch Netze. Späte sollen Anpflanzungen die Bälle stoppen.

„Zwei Herzen schlagen in meiner Brust“, sagte Alexander Geyer, örtlicher Allianz-Vertreter. Er freue sich, dass etwas passieren soll. Jedoch sorgt er sich um das Grundwasser unter den Büschdorfer Grundstücken, Geyer befürchtet eine Kontaminierung. Die schloss Labuschke aus, „die Grundwasserleiter fließen alle in Richtung Hufeisensee.“ Allerding sei der Grundwasserleiter durch die alten Industrieanlagen in Halle-Ost belastet. Geyer sorgt sich aber auch um Besuchermassen, die schon jetzt jeden Sommer über das Gebiet einfallen. Weniger Besucher werden es auf keinen Fall, meinte Labuschke, denn die neu eingerichteten Badestellen werden die Attraktivität weiter steigern.

Stadtrat Christian Feigl (Grüne) meinte, „das ist die Wunschvorstellung des Investors, bei der ein Nachziehen der Stadt erwartet wird.“ Feigl vermutet noch große Diskussionen um die anstehenden Investitionen durch die Stadt, immerhin 4,5 Millionen Euro. Labuschke glaubt nicht, dass die Stadt den Weg in einem Zug bauen wird. Er geht davon aus, dass Fördermittel für die Verbesserung des Tourismus beantragt werden.

„Wir warten seit 30 Jahren drauf“, hielt ein anderer Anwohner ein Plädoyer für die Investition. Der Hufeisensee liege seit Jahren brach. Nur durch einen Investor könne man die Stadt zwingen, Geld in die Hand zu nehmen. Er sei keiner der ständig meckert, nur weil er selbst etwas nicht brauche.

Schwierigkeiten mit streng geschützten Tierarten wie der Mopsfledermaus und sieben weiteren Arten vermutet ein Bürger und streut das Gerücht, Labuschke habe an Naturschutzverbände gespendet, um wohl deren Wohlwollen zu bekommen. Das weist Labuschke zurück. Die Zauneindechse werde während der Bauarbeiten wirklich zum Problem, sagte er, deshalb würden diese vor Baubeginn eingefangen, um sie nach Fertigstellung wieder freizulassen. Die Bereiche mit 10 geschützten Pflanzenarten auf der Deponie lasse man in Ruhe.

Sorgen um die Abdichtung der Deponie hat ein weiterer Bürger und will wissen, wer denn zahlt, wenn es zu einem Schaden kommt. „Das ist die größte Giftmülldeponie, die es überhaupt gibt“, meinte Hans-Joachim Keneder. Insbesondere eindringendes Wasser sei gefährlich, dem könnte man mit einer Art Brunnengalerie oder Wasserhaltung begegnen. Problematisch seien aber auch die Ausgasungen, wodurch sich die Deponie absenke. Eine exzellente bergbauliche Erkundung sei nötig, sagte ein weiterer Bürger. „Es kann jeden Tag ein Erdfall passieren, dann muss das Wohnumfeld evakuiert werden“, sagte er. Wenn dem so sei, dann hätte die Stadt längst etwas getan, so Nobert Labuschke und erhielt vom Bürger die Antwort: „Die Ignoranz der Stadtväter ist größer als das Wissen der Fachleute.“ Labuschke nun etwas verwundert: „20 Jahre hat sich keiner um die Deponie gekümmert. Und plötzlich redet alles darüber, weil jemand einen Golfplatz bauen will.“

Wolfgang Aldag lobte die offene Art, mit der Investor Labuschke das Projekt vorstelle. Das wünsche er sich weiterhin. Daneben regte er an, Umweltverbände in den Golfplatzbau mit einzubeziehen. Aldag bezog sich zudem auf ein ISW-Gutachten, wonach bis zu 90 Arbeitsplätze entstehen. Laut Labuschke sind es mit Hotel 32 Mitarbeiter, die anderen Stellen beziehen sich auf Zulieferer etc.

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